Er ist der einzige, der den Sturm beruhigen kann, der in mir tobt.
Ich selbst habe die Kontrolle darüber verloren. Ich schaffe es, ihn nicht vollkommen ausbrechen zu lassen, ihn halbwegs in den Mauern gefangen zu haten, die ich um ihn herum aufgebaut habe. Aber es reicht nicht.
Ich verletze alle um mich herum. Ich stoße sie weg, halte sie von mir fern. ich erwarte nicht einmal, dass sie es verstehen - ich bin diejenige, die niemanden etwas zeigt, die alles immer nur weiter in sich zu vergraben versucht. Ich weiß, dass es ihnen auch nicht hilft, wenn sie nicht wissen, was mit mir los ist. Aber ich habe Angst, dass der Sturm ausbricht, wenn sie zu nahe kommen, dass aus meinem Mund nur Splitter fliegen, wenn ich versuche, es ihnen vorichtig zu erklären, die nicht nur sie, sondern auch mich verletzen.
Ich hasse mich dafür. Ich hasse mich dafür, dass ich ihn nicht gut genug unter Kontrolle halten kann, ihn nicht genug verdrängen und vergraben kann, damit es niemand anderen trifft. Ich hasse mich dafür, dass ich zulasse, dass er mich von innen aushöhlt und alles mit sich reißen kann, dass ich es nicht schaffe, mich selbst vor ihm zu schützen.
Es ist ein ständiger Kampf. Ein Kampf, den ich nur verlieren kann, egal, was ich tue.
Nur wenn ich bei dir bin, beruhigt er sich. Mit einem Mal wird er schwach, lässt alles fallen, was er mitgerissen hat. Mein Kopf wird frei, ich habe beinahe das Gefühl, es wäre alles in Ordnung.
Mein Inneres ist friedlich. Kein Sturm, keine Verwüstung, keine Zerstörung. Einfach nur Ruhe. Als würde nach einem ewigen Winter zum ersten Mal die Frühlingssonne scheinen.
Ausnahmsweise kann ich das Leben genießen, muss nicht darauf aufpassen, was ich sage, was ich tue. Ich kann die Augen schließen und bin nicht gefangen in einem Strom von Erinnerungen. Ich kann mich fallen lassen, ohne Angst zu haben, auf einem Meer aus Splittern zu landen.
Es fühlt sich an, als würde ich auf Wolken schweben, umgeben von zwitschernden Vögeln, gewärmt von angenehmen Sonnenstrahlen, gestreichelt von einem sachten Wind.
Bis ich wieder gehen muss. Bis die Wolken um mich herum sich wieder in einen Gewittersturm verwandeln. Bis ich durch sie hindurch falle, von den Blitzen getroffen werde und von den Winden hin und her geschleudert werde.
In der Ferne sehe ich noch die Wolke, die kleine, weiße Wolke, versteckt hinter der dunklen Decke, die sich am Himmel ausbreitet. Manchmal schnellt sie mit mir nach unten, fängt mich kurz vor dem Boden auf. Manchmal schafft es die Sonne, die anderen Wolken lange genug zu verdrängen, damit sie mich erreichen kann.
Doch je länger ich falle, desto unerreichbarer wirkt sie. Jede Minute, die ich allein in dem Sturm verbringe, fühlt sich an wie eine Unendlichkeit, macht die Schmerzen immer schlimmer.
Bis ich hart auf dem steinigen Boden aufschlage. Bin ich dort erst einmal angekommen, wird es schwer, überhaupt wieder aufzustehen. Alles tut weh. Alles in mir sehnt sich einfach nur wieder nach der Schwerelosigkeit, der Wärme, der Geborgenheit.
Ich weiß, dass ich irgendwann wieder dort oben fliegen werde. Dass ich irgendwann nicht mehr gehen muss.
Doch bis dahin bleibt die kleine Wolke eine kleine Pause von all dem Unwetter.
28.08.2025
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Gedankenwelt
RawakDies ist ein Einblick in all die Gedanken, die mich Tag täglich im Leben begleiten, und auch in ein paar Träume. !Achtung! !TW! Beschreibung von Selbstverletzung und Suizidgedanken in manchen Kapiteln! (sind einzeln gekennzeichnet) Teilweise Texte...
