Nr.13

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TW: SA!!!!, Gefangenschaft











Ein weißer Raum. Weiße Wände, weiße Decke, weißer Boden. Ein Bett aus silbernem Metall. An der gegenüberliegenden Wand ein riesiger Spiegel. Daneben eine weiße Tür. Neben dem Bett eine weitere Tür, dahinter eine Toilette.

Ein Mädchen, 16, braune, schulterlange Haare, schlank, 1,80. Sie läuft im Zimmer auf und ab. Wartend. Sie weiß, was kommen wird. Was jeden Abend kommt.

Drei Männer. Sie schauen durch den Einweg-Spiegel in das Zimmer. Neben der Tür hängt auf dieser Seite eine Akte. Ein Bild von dem Mädchen. Nr.13. Kein Name.

Die Männer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.
Keiner von ihnen hat je die Stimme des Mädchens gehört. Keiner von ihnen kennt ihren Namen. Sie wissen nur, was in ihrer Akte steht.

Sie ist seit einem halben Jahr dort. Täglicher Besuch erlaubt, mit einer Woche Pause im Monat. Bei Aufnahme vermutlich Jungfrau. Höhere Preisklasse.

Der älteste der Männer dreht sich zur Seite und zeigt den Flur hinunter. Auf einer Seite gehen weitere Türen ab. 12 Stück. 12 weitere Mädchen. In ein paar Räumen sind gerade Männer mit ihnen beschäftigt. Man hört ein gedämpftes Schreien aus dem Raum von Nr.12.

Ein jüngerer Mann, etwa Anfang 20, blond, leichte Wellen in den Haaren, kräftig gebaut, kommt den Flur entlang.

"Nummer 13?", fragt der Ältere. Der Neuankömmling nickt. "Ich warne Sie vor, sie spricht nicht und ist auch sonst stumm. Aber trotzdem sehr gute Ware."
Der Blonde nickt erneut. "Ist mir bekannt."

In dem Zimmer leuchtet eine kleine, rote Lampe über dem Spiegel auf. Das Mädchen legt sich auf das Bett. Sie starrt an die Decke.

Die Tür öffnet sich. Der Blonde tritt ein, die Älteren stellen sich vor das große Fenster.

"Hey", flüstert er. Er weiß nicht, ob die Männer draußen mithören können, was in dem Raum gesprochen wird.

Keine Reaktion. Das Mädchen starrt weiter an die Decke.

"Es tut mir leid", fährt er fort. Sie blinzelt, richtet für eine Sekunde ihren Blick auf ihn, verwirrt. Danach haftet er wieder an der Decke.

"Du weißt, was ich tun werde. Und ich möchte, dass du weißt, dass ich es nicht tun will", erklärt er, während er ihre Hände mit den Handschellen am Bettgestell befestigt.

Sie schließt die Augen. Was soll das? Warum sagt er sowas? Warum sollte irgendeiner dieser Menschen so etwas sagen?

Er setzt sich auf ihr Bett. Seine Hand findet den Weg zu ihren Haaren. Er spielt mit einer Strähne davon.

Sie senkt den Blick ein wenig, sodass sie ihn ansehen kann. Ihr Ausdruck ist leer, undurchdringlich.

Es fühlt sich an, als würden sich ihre blauen Augen bis in seine Seele brennen. Auch wenn sie nicht mit ihrer Stimme spricht, sagt dieser Blick mehr als tausend Worte.

"Ich kann dich nicht hier herausholen. Aber ich kann dir helfen, wenn du es willst." Seine Worte hallen in ihrem Kopf wider. Er will ihr helfen. Das hat noch kein anderer der Männer zu ihr gesagt.

Seine Hand wandert von ihren Haaren zu dem Saum ihres Oberteils. Und darunter.

Er tut dasselbe wie die anderen. Wie soll er besser sein? Und warum fühlte es sich trotzdem so an, als wäre er anders? Er sagt anderes. Aber wie soll er ihr helfen?

"Wenn du mir vertraust, kann ich dir helfen", verspricht er ihr. "Vertraust du mir?"

Wie soll sie ihm vertrauen? Er hat dafür bezahlt, "Zeit mit ihr zu verbringen". Wie all die anderen vor ihm auch. Aber er hat mit ihr gesprochen. Er scheint sich wirklich für sie zu interessieren. Und was hat sie zu verlieren?
"Ja", flüstert sie.

Er erstarrt, als er ihre Stimme hört. Rau von der langen Stille, brüchig. Aber sie hat gesprochen. Und sie hat ihm ihr Vertrauen versprochen.

"Danke", antwortet er. Seine Hand liegt unter dem weißen Spitzen-BH, den sie ihr gegeben haben. Sie bewegt sich. Sanft genug, um sie nicht zu verletzen. Fordernd genug, um die Männer hinter dem Spiegel nicht misstrauisch zu machen.

Ihr Blick wandert wieder an die Decke. Sie versucht, seine Berührung auszublenden. "Schau mich an", hört sie seine Stimme, aber sie reagiert nicht.

"Sonst wirst du für immer diese Art von Berührungen mit diesem Ort verbinden, egal von wem sie kommen. Wenn du mich ansiehst, kannst du es vielleicht mit Hilfe des Gesichts trennen", erklärt er.

Sie muss innerlich beinahe lachen. Er glaubt wirklich, dass sie jemals hier rauskommt. Und selbst wenn, dass sie dann noch irgendeine männliche Person in ihre Nähe lassen würde.
Trotzdem folgt sie seiner Aufforderung. Und starrt ihm erneut die Seele aus dem Leib.

Er zieht ihr Oberteil und BH aus. Zum Vorschein kommen Verletzungen, die ihm seine letzte Mahlzeit den Hals hinauftreiben. Er versucht, es sich nicht anmerken zu lassen.

Sie kennt den Blick. Zu Beginn hat sie manchmal den Männern ins Gesicht geschaut. Sie hatte gehofft, dass es sie von ihrem Plan abbringen würde. Es hat bei keinem von ihnen funktioniert. Aber bei manchen hat sie diesen schockierten Blick gesehen, als sich für einen Moment das Gewissen der Männer gemeldet hat. Bevor sie sich wieder an das Geld erinnert haben, dass sie für ihre "Zeit mit ihr" bezahlt haben, und sich selbst neben den alten Verletzungen verewigt haben.

Er fährt fort, dieses Mal mit seinem Mund. "Es tut mir leid", flüstert er an ihre Haut.

Sie reagiert nicht darauf. Die Worte haben für sie keine Bedeutung. Er hat gesagt, dass er gezwungen ist. Wegen den Männern, die sie beobachten. Wahrscheinlich stimmt das.
Aber seine Berührungen sind weniger schlimm, als von den anderen. Und wenn er nicht da wäre, hätte ein anderer Mann diesen Termin bekommen. Jemand, für den sie ein weiteres Spielzeug ist.

Er hebt seinen Kopf wieder an. "Ich werde versuchen, öfter herzukommen. Dann kann dir kein anderer wehtun. Tue ich dir weh?"

"Nein", flüstert sie. Nicht mehr, als er es muss. Es ist unmöglich, sie zu berühren, ohne ihr Schmerzen zuzufügen, dank all der Verletzungen. Und sie weiß, dass er vermutlich ihre beste Option ist.

Er bewegt seine Hände weiter nach unten.

Ihr Blick geht zurück an die Decke. Sie verschließt sich komplett. Erneut.

"Es tut mir leid."

Wieder diese Worte. Sie will nicht, dass er sie noch einmal sagt. Aber ihre Stimme ist erneut verschwunden.

Er wartet auf eine Reaktion, aber es kommt keine. Auf einmal scheint sie wieder deutlich weiter weg zu sein. Unerreichbar.

Sie hört, wie er seinen Gürtel öffnet, wie seine Hose zu Boden gleitet.

Er schluckt sein schlechtes Gewissen herunter, verdrängt die Übelkeit. Es ist zu ihrem Besten.

Sie spürt sein Gewicht auf sich, als er sich über ihr positioniert. Ihr Körper ist erstarrt. Sie versucht zu atmen. Ihre Lungen wollen sich nicht füllen. Sie gibt es auf. Sie starrt an die Decke. Sie wartet, dass es vorbeigeht.

Er versucht, zu wirken, als würde er es genießen. Er bietet den Männern hinter dem Glas eine möglichst gute Show, bevor er sich wieder zurückzieht und seine Kleidung wieder anlegt. Er öffnet die Handschellen.

Sie spürt inzwischen nichts mehr. Es ist, als wäre ihr ganzer Körper eingeschlafen.

"Ich komme wieder", verspricht er, als er den Raum verlässt.

Sie reagiert nicht. Aber zum ersten Mal klingen diese Worte nicht wie eine Drohung.

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