Ich schloss die alte Tür auf und wurde von meinem Vater begrüßt, der mit verschränkten Armen vor mir stand, was mich direkt erstarren ließ.
Meine Einkaufstüten glitten aus meiner schwitzigen Hand. Meine Arme froren und sogar Nick verflog augenblicklich aus meinem Kopf. Das einzige, woran ich dachte, war, dass ich mich wieder in die Hölle geritten habe. Allein. Ohne ein Schwert der Hoffnung. Ich musste gegen den Teufel höchstpersönlich kämpfen und das mit einer Schuldzuweisung, die ich nicht leugnen konnte.
Aber er kam nicht auf mich zu, er blieb an Ort und Stelle ca. 3 Meter vor mir stehen. Seine Augen waren matt. Ich konnte keinerlei Funkeln in ihnen sehen, was nicht zu einer Beruhigung meines Geistes beitrug.
,,Caprice, Caprice, Caprice.." Ich erschauderte.
,,Was soll ich nur mit einem ungezogenen Kind machen, dass nicht lernen will und Unruhe verbreitet? Ich habe früher immer Geduld mit dir gehabt, sogar deine Schwester Loren hatte das, wir alle, selbst deine schwache Mutter."
Unbewusst ballte ich meine Hände zu Fäusten.
,,Doch ich denke, du überspannst den Bogen", lallte er vor sich hin. ,,Du weißt nicht, wann du die Grenze überschreitest.. wann dein Vater sauer wird."
Er löste seine Arme und kam etwas auf mich zu. ,,Deine Schwester war in so vielen Dingen einfach besser, als du, du Miststück. Kaufst dir teure Sachen und ich muss dir trotzdem noch das Maul stopfen. Hast du keinen Sinn für Bodenständigkeit?"
Seine Stimme wurde immer lauter und aggressiver.
,,Denkst du, dir kommt jeder Scheiß zugeflogen? Du bist so undankbar. Und nutzlos. Hast du schon einen Job? Nein, natürlich nicht! Du verabredest dich lieber oder gehst shoppen."
Demütig schaute ich auf meine Schuhe. Er hatte so Recht. Mit allem. Ich war nutzlos.
,,Deine Mutter wäre enttäuscht, so einen widerlichen Mensch zur Welt gebracht zu haben."
Er zeigte mit seinem Finger auf mich.
,,Und weißt du, was man mit so jemandem macht? Man bestraft sie." Er fing an zu grinsen. ,,Man prügelt die Dummheit aus ihnen heraus."
Ich weitete ängstlich meine Augen. Bitte nicht!
,,Und das so lange-" Er holte mit seinem rechten Arm aus, worauf ich schon meine Augen zusammenkniff. ,,bis sie lernen."
Damit krachte seine harte Faust so fest in meinem Gesicht, dass ich hinfiel und mit dem Rücken gegen die Kommode knalle. Und das mit so einer Wucht, dass das Möbelstück sich verschob. Meine Wange brannte nicht, nein sie kribbelte so sehr, dass ich mir am liebsten die Haut abkratzen würde. Mein Schädel pochte und ich spürte einen metallischen Geschmack im Mund. Meine Hände zitterten und wollten nur noch auf den Mann vor mir einschlagen, seine Augen zerkratzen und ihn beißen, bis das Fleisch meine Zähne berührte.
Diese Fantasien tauchten bei jedem weiteren Schlag und Tritt auf, während ich am Boden lag. Ich wollte ihm das selbe antun, was er mir antat und doch konnte ich nicht. Ich werde es nie können.
Meine Rippen schmerzten und doch trat er noch einmal mit so einer Wucht gegen sie, dass Schwindel auftrat. Es war alles taub und doch verspürte ich solche Qualen.
Ich stöhnte erneut auf, was sich mit meinem Wimmern vermischte.
Mein Vater lachte auf. ,,Wenn du nicht hörst, bekommst du eben deine gerechte Strafe, du kleine Göre."
Damit zog er mich am Kragen zu ihm hoch und verpasste mir eine heftige Backpfeife. Ich landete aufdem Bauch vor der Kommode und weinte nur noch. Er packte mich wieder, diesmal am Hinterkopf. Daraufhin zog er mich mit meinen Haaren etwas nach hinten und ich sah nur noch schleierhaft das dunkle Holz des Möbelstücks direkt vor mir. Er schleuderte meinen Kopf stark nach vorne und meine Stirn krachte gewaltsam dagegen. Der Mann hinter mir lachte nur, während er es noch einmal tat. Ich dagegen war wie benebelt. Ich bekam nichts mehr mit. Der Schmerz in meinen ganzen Gliedern war so unerträglich, sodass er mich und meinen Vertand betäubte.
Ich lag in meinem Bett. Meine Rippenbogen taten bei jedem Atemzug weh. Mein Kopf pochte und das Zimmer, in dem ich lag, schien sich immer zu drehen. Meine Beine fühlte ich nicht mehr und meine Lippe war angeschwollen.
Steif wie eine Kerze lag ich auf meiner kindlichen Bettwäsche und starrte die Decke an. Es war totenstill, nur der Mond schien mal wieder durch die Fenstergläser in den Raum hinein. Ich versuchte meinen linken Arm zu heben. Ich wimmerte erneut.
Es tat so verdammt weh!
Langsam versuchte ich meine Finger zu meiner Stirn zu führen. Die Fingerspitzen kamen in Berührung mit einem Verband, den ich mir umgelegt hatte. Im Bad hatte ich ihn mir angelegt. Die Wunde war Gott sei Dank nicht allzu tief zu meinem Glück, denn schließlich musste ich morgen früh noch in die Schule. Bis dahin müsste der Rest erträglich sein. Die Salbe, die ich mir verabreicht hatte, war sehr wirksam und mit zusätzlichen Schmerzmitteln würde das schon funktionieren.
Ich legte meinen schweren Arm wieder auf der weichen Unterlage ab und sah bedrückt zur Seite zu der Kette auf meinem Nachttisch. Ein unbeschreiblicher Druck bildete sich auf meiner Brust. Meine Lider wurden schwerer und meine Augen blieben nur halb offen, während ich das aufwendig bearbeitete Silber begutachtete. Dabei merkte ich nicht, dass sich eine kleine Träne aus meinem Augenwinkel löste und seitlich mein Gesicht entlangglitt, bis sie schließlich von dem Stoff meines Kopfkissens aufgesogen wurde und in den Fasern des Kissens verschwand.
Nur noch bis ich 18 werde, dann bin ich frei.
Heeyy zusammen,
nach knapp einer Woche kommt auch mal das 35ste Kapitel. Und tut mir leid, wenn ihr solche Szenen nicht gerne lest, aber die gehören nun mal zu meinem Buch.
Schönen Tag noch♡
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Besessen
RomanceSie lernt einen jungen Mann kennen. Dieser jedoch zeigt schon nach kurzer Zeit seine dominante, selbstsichere und einschüchternde Art, mit der das zurückhaltende Mädchen mit schlimmer Vergangenheit sehr zu kämpfen hat. Er will sie und lässt sie nich...
