Vergeben und vergessen?

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Stumm blickte ich die Wand an, die sich rechts neben meinem Bett erstreckte. Unzählige Kabel baumelten an meinem Körper und unzählige Schläuche hingen an genauso vielen Infusionen. Die Nadeln, die in meinem rechten Handrücken und in meiner rechten Armbeuge steckten, beförderten den Inhalt in meinem Körper.
Mühsam hatte ich mich auf die Seite gerollt, sodass ich mit dem Rücken zur Tür lag. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, solange starrte ich bereits auf die in weiß gestrichene Wand. Selbst das Klopfen, an meiner Tür interessierte mich nicht. Ich brauchte ohne hin nichts zu sagen, denn egal wer geklopft hatte, er würde sowieso eintreten. Ob ich wollte oder nicht, das spielte keine Rolle. „Sophia, sie sind da." Jamies Stimme erklang, woraufhin er auch gleich wieder verschwand. Seit ich hier war, hatte er kaum noch mit mir gesprochen. Was vermutlich daran lag, dass mich seine Aussage zu sehr aufgewühlt und ich mich verschlossen und zurück gezogen hatte. Ihn genauso wie Jasmin abgeblockt und keinen mehr an mich heran gelassen hatte. Stimmen drangen an mein Ohr, es war nur ein flüstern, trotzdem fühlte sich mein Kopf so an, als würde er jeden Moment explodieren. „Oh Gott Schatz." meine Mutter war die Erste die sich auf mich stürzte, „Was machst du für Sachen?" Sie griff nach meiner Hand, wobei ich zusammenzuckte und noch mehr, soweit es überhaupt möglich war, in mich zusammen sank. Was machte meine Mutter hier? „Kerstin, lassen wir sie für einen kurzen Moment alleine." sagte mein Vater, woraufhin die Hand auf meiner verschwand.
„Lia." Chris's sanfte Stimme erfüllte den Raum, gefolgt von Becks die jedoch nichts sagte. Dennoch erkannte ich sie an dem Geruch ihres Parfüms. „Seit ihr zufrieden, ist ER zufrieden." sagte ich laut, wobei in meiner Stimme ein gefährlicher Unterton heraus zu hören war. Das „ER" betonte ich dabei besonders. „Wir haben uns sorgen gemacht.", „Chris es ist mir egal." ich wirkte kalt, doch der jüngere der Ehrlich Brothers ließ dies kalt. Selbst wenn es ihn verletzt hatte, man konnte es ihm nicht anmerken. „Lia bitte, hör mir doch zu." seine Stimme war immer noch sanft, noch dazu spürte ich wie er seine Hand auf meine Schulter legte. „Andreas, er ist nicht mitgekommen." „Wirklich!?" meine Stimme zitterte. Chris drehte mich mit Leichtigkeit auf die andere Seite, dennoch darauf bedacht keinen meiner Schläuche einzuklemmen. Rebecca stand abseits. Sie wirkte niedergeschlagen, müde und traurig. Ich dachte nicht darüber nach. Ich hatte sie verletzt, indem ich einfach so abgehauen und alles hinter mir gelassen hatte. Weshalb ich aufstand. Den Ständer mit den Infusionen in die Hand nahm und auf sie zu gelaufen kam. Meine Kraft ließ nach, im letzten Moment warf ich mich meiner besten Freundin um den Hals. „Es tut mir so unendlich Leid." schluchzte ich, „Schon in Ordnung." Rebecca lächelte mich an. Chris, stützte mich, sodass ich einigermaßen aufrecht stehen konnte. Nachdem ich Becks umarmt hatte, drehte ich mich so gut es ging zu dem braunäugigen, „Danke für alles." flüsterte ich und fiel ihm ebenfalls um den Hals.
„Mein Bruder hat sich geweigert mitzukommen." Chris seufzte und legte seine Hand auf meine, die auf der Bettdecke ruhte. „Er hat sich deine Bitte zu Herzen genommen. Auch, wenn er dich mehr als alles andere auf diesem Planeten liebt. Er ist bereit dich gehen zulassen. Dennoch wollte ich, dass du weißt ohne ihn hätten wir dich niemals gefunden." „Schatz Chris hat recht." mein Vater, der neben meiner Mutter auf einem Stuhl saß, setzte zum reden an. Jedoch brachte ich ihn mit einer Handbewegung zum schweigen. „Paps, ich bin hierher gekommen um Abstand von ihm zu bekommen, nachzudenken. Wenn ich bereit dazu bin, wenn ich es will, dann werde ich zurück kommen. Ob ich Andy verzeihen kann oder werde, das wird sich zeigen." so hart es sich anhörte, doch ich brauchte Zeit. Und wenn er mich wirklich so sehr liebte, würde er auf mich warten. Egal ob es Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern sollte.

By your side || EhrlichBrothersWo Geschichten leben. Entdecke jetzt