Genüsslich streckte ich mich, ehe ich mich gequält aus dem Bett in Richtung Badezimmer schleppte. Immer darauf bedacht, nicht zu spät, zu meinem Termin im Krankenhaus zu erscheinen, schaute ich alle fünf Minuten auf die Uhr.
„Entschuldigen Sie." hauchte ich meinem Arzt entgegen, als ich völlig aus der Puste vor ihm stand. Ich musste erneut in Gedanken versunken sein, sodass ich meinen Termin völlig verdrängt hatte. Zum Glück hatte ich es dennoch halbwegs pünktlich geschafft. „Kein Problem, Frau Wolf." Herr Doktor Winterstein lächelte mich an, „Setzen sie sich doch." Leicht nickte ich, als Zeichen, dass ich verstanden hatte und setzte mich, auf den mir am nächsten stehenden Stuhl. „Wie sie wissen, stand ich während ihres Auslandsaufenthaltes mit Doktor Brixton in engem Kontakt.", erneut nickte ich. „Und da Sie nun wieder hier sind, kann ich es ihnen wohl sagen." Er machte eine kurze Pause, „Wir haben ein Herz." „Wie Sie haben ein Herz?" Ich verstand nicht so recht. „Ihre Spenderin liegt im Koma, sie ist Hirntod. Da sie nicht im Besitz eines Organspendeausweises war, lag die Entscheidung bei ihren Eltern. Diese haben sich für eine Organspende entschieden. Die Maschinen wurden jedoch noch nicht abgestellt, wodurch ihre Spenderin noch für ein paar Tage am Leben erhalten wird." Ich reagierte nicht. Insgeheim hatte ich gehofft, dass alles wieder gut und ich keine Transplantation brauchen würde. Ich wollte mein Herz nicht verlieren, ich hatte zu sehr Angst, viel mehr als dieses zu verlieren. „Frau Wolf, das ist ihre Chance. Sie können von vorne anfangen." mein Arzt blickte mich hoffnungsvoll an. „Ja... ja" stotterte ich, „Es tut mir leid, aber ich muss los." Schnell schüttelte ich meinem Gegenüber die Hand und verließ eilig den Raum.
„Sie können von vorne anfangen", die Stimme meines Chirurgen hallte in meinem Kopf. Ich wollte nicht von vorne anfangen, dass einzige was ich wollte, war ihn. Ich wollte Andreas, er gehörte zu meiner Vergangenheit, zu meiner Gegenwart und zu meiner Zukunft. Das klingeln meines Handys riss mich, wie so oft in letzter Zeit aus meinen Gedanken. Unbekannt, stand dort groß auf meinem Handydisplay. Kurz zögerte ich ob ich abheben sollte, doch schlussendlich entschied ich mich doch dafür. „Wolf hier." nuschelte ich in den Hörer, kurz herrschte Stille. „Lia" vor Schreck hätte ich fast mein Handy fallen gelassen. „Andreas?" mein Atem ging schneller, „Heute Abend ist der Tourbeginn unserer neuen Show." „Andreas, was willst du?" es tat mir weh, so hart zu ihm zu sein, doch er sollte keinen Verdacht schöpfen. Er sollte nicht wissen, dass ich heute Abend da sein würde. „Lia, ich vermisse dich." hauchte der Zauberer in den Hörer. „Mein Sternchen, ich brauche dich." Wenige Sekunden später wich seine raue Stimme einem monotonen Piepen, Andy hatte aufgelegt.
Immer und immer wieder ermahnte ich mich ruhig zu bleiben, obwohl ich kurz vor einer Gefühlsexplosion stand. Meine Hormone spielten verrückt, am liebsten hätte ich angefangen zu heulen. Einfach nur, weil ich Andy Wiedersehen würde. Dennoch riß ich mich zusammen, denn durch mein Herumgehampel, starrten mich ein paar Fans Kopfschüttelnd oder böse an. Wahrscheinlich dachten sie, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.
Nachdem die Türen der Halle geöffnet und mein Ticket kontrolliert wurde, war ich der Person meines Begehrens einen großen Schritt näher. Nur wenige Zentimeter von mir entfernt, lächelte er mich an. Unweigerlich musste ich lächeln, auch wenn es sich nur um ein Plakat von Andreas und Chris handelte. Am liebsten hätte ich ihm gestern bereits offenbart, wie sehr ich ihn vermisste. Tatsächlich hatte ich dies auch getan, jedoch erst, nachdem er aufgelegt hatte. Durch die Tatsache, dass ich niemanden aus der Crew der Jungs kannte, konnte ich mich möglichst frei bewegen, ohne Angst zu haben aufzufliegen. Naja, das war zumindest der Plan. Irgendwann musste ich mich zeigen.
Block B, Reihe zwanzig, Platz 15, dort würde ich sitzen. Aufgeregt kaute ich auf meiner Unterlippe. Die Halle wurde immer voller. Doch in dem ganzen Durcheinander konnte ich einfach meinen Platz nicht finden. „Entschuldigen Sie" leicht verlegen tippte ich einem großen Mann, der ein Shirt der Crew trug, auf die Schulter. „Ja!? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" fragte er mich freundlich. „Ja, dass könnten Sie tatsächlich. Wissen Sie, dass ist mir jetzt echt peinlich, aber ich kann meinen Platz nicht finden." flüsterte ich, wobei mir merklich die Röte ins Gesicht stieg, am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. „Na, dass ist doch gar kein Problem. Wissen Sie das tue ich echt gerne." sagte er und zwinkerte mir dabei zu. Ich formte ein „Danke" mit den Lippen, da es zu laut war und ich nicht schreien wollte. Der Mann nickte nur, lächelte mich an und führte mich schließlich zu meinem Platz.
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By your side || EhrlichBrothers
Fanfiction„Ich werde immer an deiner Seite sein, vergiss das nicht." sagte Andreas, ehe er mich alleine zurück ließ.
