In diesem Moment, als ich hilflos auf dem Boden lag, wurde mir erst so richtig bewusst, was vor wenigen Stunden wirklich passiert war. Andreas, hatte mich verlassen. Sich gegen mich und für seine Frau entschieden. Und mir somit das Herz zum zweiten Mal gebrochen. Zumindest kam es mir so vor. Doch mein Herz wurde nach dem ersten mal nicht wieder heil. Tatsächlich hatten die Ärzte damals festgestellt, dass mein Herz sich nicht wieder von selbst erholte oder gar heilte. Nein, ganz im Gegenteil, mein Herz war tatsächlich gebrochen und das in jeglicher Hinsicht. Damals hatte ich jeden Monat einen Kontrolltermin, die ich schon seit längerem nicht mehr wahr nahm. Mir wurde es, trotz der Gefahren jederzeit einen Herzinfarkt zu erleiden, egal.
Meine Sicht war verschwommen und das einzigste was ich wahrnehmen konnte, waren die Menschen, die sich um mich herum versammelten. Zwischen den ganzen Krankenschwestern und Ärzten, erblickte ich Chris. Der meine beste Freundin an sich drückte und festhielt, denn sie schien zu schreien. Doch meine Ohren waren einzig und allein vom Rauschen meines Blutes erfüllt. „Bitte sagt Andreas nichts davon." flüsterte ich, ehe ich auf eine Liege verfrachtet und in einen Schockraum gefahren wurde. Gerade noch rechtzeitig, denn in diesem Moment, als ich ich durch die Tür geschoben wurde, erlitt ich einen kardiogenen Schock. Mein Blutdruck, sank lebensbedrohlich in den Keller. „Wir brauchen Adrenalin.", schrie ein Arzt hektisch, ich hingegen hatte noch nie in meinem Leben so eine Ruhe in meinem Körper gespürt, ich fühlte mich entspannt, befreit von meiner ganzen Last, die ich jahrelang mit mir herumschleppte. Mein Blick war auf die offene Tür gerichtet, trotz meines Körpers, der sich zusätzlich zu meinem Schock auch noch verkrampfte, konnte ich klar und deutlich Becks schmerzverzerrtes und tränenüberströmtes Gesicht erkennen. Selbst Chris schien die ganze Situation nicht kalt zu lassen, sein Blick war nicht zu deuten, dennoch in seinen Augen funkelten Tränen. Während mein Körper weiter krampfte, stach es mir erneut ins Herz und ein weiterer Schrei erklang aus meiner zugeschnürten Kehle. Erst nachdem der Doktor das Adrenalin mit einer Spritze in meinen Oberschenkel gerammt hatte, entspannte sich mein Körper langsam. Ein weiter Blick zu meinen Freunden blieb mir jedoch verwehrt, da die Tür geschlossen und die Jalousien, des Fensters herunter gelassen wurden. Innerlich betete ich, das keiner von beiden Andreas angerufen und über das hier informiert hatte. Denn das letzte was ich jetzt brauchte, war er.
Eine Ultraschalluntersuchung an meinem Herzen stellte fest, dass mein Herz mehr Schaden genommen hatte, als das letzte Mal. „Frau Wolf, es sieht nicht gut aus." seufzte Herr Doktor Meier. Wie ich von seinem Namensschild entnehmen konnte, war er Chirurg, „Ihr Herz wird es nicht mehr lange durchhalten, entweder sie setzten sich keinen Stress mehr aus oder ich sehe schwarz." „Was meinen sie damit?" meine Augen weiteten sich, „Frau Wolf, Sie könnten sterben." er sprach meine Vermutung aus, dennoch setzt er ein „Aber!" hinzu. „Ich habe Sie auf die Warteliste gesetzt, wenn Sie die Chance bekommen und ein neues Herz erhalten, dann können Sie wieder leben. Sophie, Sie sind noch so jung, sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich." der Arzt lächelte mich einem sichtlich gequältem Lächeln an, drückte einmal aufmunternd meine Hand und verließ mit den Worten „Alexandra, bring bitte Frau Wolf auf ihr Zimmer." den Raum.
„Wieso auf die Intensiv?" fragte ich an die Krankenschwester gewandt, nachdem sie mich samt der Infusionen, Schläuche und sonstigen Technischen Geräten, durch die Gänge des Krankenhauses schob. Von meiner besten Freundin und Chris fehlte jede Spur. „Die Ärzte wollen sicherstellen, dass es ihnen gut geht. Auch wenn sie im Moment in einem stabilen Zustand sind, könnte sich dies durch Ihr angeschlagenes Herz schnell ändern." sagte sie und steuerte weiter auf den Eingang zu. „Dürfte ich kurz telefonieren?" es war mehr eine Bitte, als eine Frage. „Ich werde Ihnen ein Telefon bringen." Alexandra lächelte und stellte mein Bett in mein neues Zimmer, ehe sie mich alleine lies.
„Freddy, schön das du dran gehst." begrüßte ich meinen alten Freund und Kollegen erfreut. „Lia, schön von dir zu hören." drang die dunkle Stimme, des Anwalts durch den Lautsprecher. „Ich brauche dringend deine Hilfe." irgendwie fühlte ich mich schlecht dabei. Doch er war meine einzigste Rettung. „Schieß los Kleine." lachte er, „Könnest du meine Mandanten übernehmen, nur für ein paar Wochen." ich versuchte möglichst ruhig zu blieben. „Ja klar, aber warum das denn?" Frederick schien mehr als verwirrt zu sein. „Danke, ich bin dir echt was schuldig." seufzte ich, „Ich muss zu meinen Eltern nach Bayern." log ich. „Ich hoffe, es ist nichts ernstes." frage er, seine Stimme klang etwas besorgt. „Nein, keine Sorge, es ist nichts schlimmes. Ich muss dann auch los, den Schlüssel für die Kanzlei hast du ja noch." sagte ich und legte ohne auf eine Antwort zu warten auf. Meine zweite Entscheidung fiel mir nicht besonders schwer, dennoch Herr Meier versuchte alles mögliche, doch ohne Erfolg. Gegen den Rat der Ärzte entließ ich mich noch am gleichen Tag meiner Einlieferung. Ja, das Risiko, dass damit bestand, war ich mir mehr als bewusst. Dennoch es war mein Körper und somit auch meine Entscheidung.
„Wollen Sie noch auf ihre beste Freundin und ihren netten Begleiter warten?" fragte mich Alexandra, „Die Beiden wollten ihnen ein paar Sachen von Zuhause holen.", „Nein, dass ist nicht nötig, ich schaffe das auch alleine." ich lächelte und dieses Mal war es tatsächlich ein aufrichtiges, „Könnten Sie Rebecca bitte diesen Zettel geben?", Alexandra nickte mir zu. Dies war mein Zeichen, dass ich nun gehen und das Krankenhaus hinter mir lassen sollte. Ich brauchte Abstand, musste erst einmal mit allem klar kommen, was mir in den letzten vierundzwanzig Stunden passiert war.
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By your side || EhrlichBrothers
Fanfiction„Ich werde immer an deiner Seite sein, vergiss das nicht." sagte Andreas, ehe er mich alleine zurück ließ.
