Kapitel 25: Das geheime Versteck I

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Am selben Abend, 20:52 Uhr, Lyiapatazia

Palk und Lakran waren in den Turm gegangen, nachdem sie dafür gesorgt hatten, dass sich der Ältestenrat außerplanmäßig getroffen hatte. Der Angriff auf den Oberältesten, hatte für eine ganze Menge Aufruhr gesorgt und einige Fragen aufgeworfen. Allen voran die Wichtigste: Warum hatte keiner geholfen?

"Wie geht's Viyalān?" wollte Lakran wissen, als sich die Tür öffnete und ein dunkel gekleideter Mann im schwarzen Mantel eintrat. Seine Schritte waren elegant und seine lässige Art beeindruckte die beiden irgendwie. Palk nickte Makkatū zu und wandte sich Lakran zu.

"Er wird es wohl überstehen. Unglaublich, wie robust er für sein Alter noch ist."

"Ist er nicht sogar der älteste Mensch der Welt?" fragte Lakran weiter und Makkatū setzte sich zu ihnen auf den Boden. Von der Kälte vollkommen unbeeindruckt, verzog er keine Miene.

"Er gilt als ältester Mensch, der je gelebt hat. Auch in Meluhha." bestätigte Makkatū.

"Hey, du hast wirklich ganz allein rausgefunden, dass dieser Rāvakum was mit Tiraitān zu schaffen hatte?" wollte Lakran von seinem Sitznachbarn wissen, der nur stumm nickte.

"Und ich brauche deine Hilfe noch einmal, wenn du dich dazu bereit erklärst." meinte Palk und stand auf. "Kannst du jemanden für mich verfolgen?"

"Wen?" war alles, was Makkatū wissen wollte. Palk ging in dem Raum auf und ab. In seinem Gesicht konnte Lakran lesen, dass er intensiv über etwas nachdachte. 

"Erinnerst du dich an die Nacht, als wir den Telepathen verfolgt haben, der uns beobachtet hat?" fragte Palk.

"Der, der ganze Bäume aus der Erde gerissen hat? Wie könnte ich den Vergessen?" antwortete Makkatū interessiert.

"Ich bin ihm noch ein paar mal begegnet." erklärte Palk und Makkatūs Augen wurden groß. "Er war derjenige, der die weißen Kristalle geklaut hat und es spricht wirklich alles dafür, dass er mit Tiraitān zusammenarbeitet hat. Aber sie sind nicht allein, sie bekommen Befehle."

"Von wem sollte einer wie Tiraitān Befehle entgegen nehmen?" skeptisch verzog Makkatū die Mundwinkel. 

"Ich weiß nicht mal, ob ich das wissen will." mischte sich Lakran ein und Palk grinste schief.

"Da sagst du was. Tiraitān ist viel zu überheblich, um sich von jemand x-Beliebigen etwas sagen zu lassen. Er oder sie muss verdammt mächtig sein." gab er zu bedenken. 

"Oder" begann Makkatū mit einer wirkungsvollen Pause, in der sich selbst die dünne Luft anzuspannen schien, "wer auch immer es ist, hat ihn unter Kontrolle." Sowohl Palk als auch Lakran zogen je eine Augenbraue hoch.

"Sprechen wir nicht gerade davon?" fragte Lakran irritiert und Makkatū schüttelte den Kopf. Nun verstand Palk.

"Du meinst, dieser mysteriöse Boss im Hintergrund, ist der eigentliche Hypnotiseur, von dem wir bisher nur vermuten konnten, dass er hier mitspielt." sagte er ruhig und bedächtig.

"Das würde in jedem Fall erklären, wieso dieser andere Telepath, die Leute nicht einfach aufgefordert hat, ihm die Kristalle zu geben." fasste Makkatū zusammen, doch Palk wusste es besser.

"Exakt das hat er getan." Niemand sagte etwas. Dann fuhr er fort. "Ich hab mit den Ältesten geredet, weil Viyalān den Telepathen wiedererkannt hat. Laut Yurenas heißt er Āmak und er hat sich den Kristall von Merkuri und Makarik gewaltfrei geholt. Am helllichten Tag hat er bei ihnen geklopft und im Namen des Oberältesten darum gebeten, den Stein mitnehmen zu dürfen. Das Gleiche hat er auch bei Yurenas versucht, aber der ist nicht darauf reingefallen und deswegen wollte dieser Āmak ihn umbringen." Makkatū rieb sich nachdenklich die Schläfen, während er seine nächste Frage stellte. 

"Merkuri und ihr Mann sind doch nicht bescheuert. Warum haben sie diesem Kerl das abgekauft?"

"Laut ihnen hat er den beiden zum Beweis, den Kristall des Oberältesten gezeigt und das hätte sie überzeugt." klärte Palk ihn auf.

"Und woher hatte er den wieder?" wollte Lakran wissen wühlte in seiner schrägen Frisur herum. 

"Das ist die einzige Frage, die mir Viyalān nicht beantworten wollte." antwortete Palk und stieß genervt die Luft aus. 

"Ich sage dir jetzt, was ich von dem ganzen halte." kündigte Makkatū an und erhob sich ebenfalls, um ans Fenster zu gehen. "Viyalān war von Anfang an total durch den Wind, weil er Tiraitān wieder bei sich haben wollte. Dann taucht auf einmal dieser Āmak auf und sagt ihm, dass er genau weiß, wo er Tiraitān finden kann, was auch der Wahrheit entspricht, schließlich arbeiten sie ja zusammen. Im Tausch für diese Information, überlässt der Oberälteste ihm den Kristall und den benutzt Āmak dann, um die Restlichen einzusammeln. So weit, so gut. Das heilige Schwert verschwindet kurz darauf auch, was bedeutet, dass es einen dritten Mann gibt, der es in der Zwischenzeit abgeholt hat."

"Mach mal kurz 'ne pause." unterbrach Lakran ihn. "Warum muss es einen Dritten geben? Das Schwert hätte sich doch Tiraitān oder der Telepath holen können."

"Irrtum!" säuselte Makkatū. "Das heilige Schwert kann nur von Menschen mit gutem Herzen getragen werden und deshalb ist es einem wie Tiraitān nicht möglich, es zu berühren. Außerdem hätte man den Blitz garantiert gesehen, wenn er in der selben Nacht auftaucht, nachdem das ganze Theater angefangen hat." erklärte er.

"Und als Telepath mit zerstörerischen Tendenzen" fügte Palk hinzu, "kann auch Āmak das Schwert nicht tragen."

"Was wiederum die Frage aufwirft, wer in der Lage ist, all dieses Chaos zu verursachen, wenn er ein gutes Herz hat. Das leuchtet mir nicht ein." grübelte Makkatū. 

"Vielleicht hat er ja eine Möglichkeit gefunden, dieses Problem zu umgehen." vermutete Lakran. "Also, dass er es irgendwie trotzdem geschafft hat, das heilige Schwert zu klauen, auch wenn er böse ist."

"Das halte ich für Unsinn." widersprach Palk. "Was sollte jemand Böses mit einem Schwert, das dazu geschmiedet wurde, um das Böse zu vernichten?"

"Ach, diese Spekulationen bringen uns nicht weiter." ächzte Makkatū und ging zur Tür.  "Palk, wenn du noch Informationen hast, die ich verwenden kann, gib sie mir, dann kümmere ich mich darum, dass wir endlich mal stichhaltiges Wissen sammeln können." sagte er entschlossen und Palk grinste.

"Das heißt, du bist dabei?"

"Das heißt, ich bin dabei. Aber wenn ich das machen soll, brauch ich eine Rückendeckung. Lakran, willst du mich begleiten?" fragte Makkatū und Lakran war anzusehen, wie unwohl er sich gerade fühlte. Er schüttelte heftig seinen Lockenkopf.

"Ich würde dir gern helfen, aber für so ein Abenteuer bin ich wohl eher der Falsche. Warum fragst du nicht...äh...Mizlok?"

"Weil der auch garantiert besser ist als du." meinte Palk und seine Worte trieften vor Sarkasmus. 

"Findest du wirklich, ich bin ein nützlicher Teamkamerad?" Lakran klang fröhlich.

"Mein lieber," holte Palk aus, "Du hast dich im letzten Monat zu einem sehr talentierten und ehrgeizigen Kämpfer entwickelt und auch wenn du manchmal etwas seltsam und schwer von Begriff bist, bist du meiner Meinung nach, ein super Freund und der denkbar beste Kamerad für eine so wichtige Mission." Lakran sah ihn einige Sekunden an und konnte die leichten Freudentränen kaum verbergen, die ihm in die goldenen Augen schwappten. Nie zuvor hatte jemand etwas wirklich Nettes zu ihm gesagt und so etwas von jemandem zu hören, den man mal gehänselt hatte, war ein absolut schönes, wenn auch merkwürdig unbehagliches Gefühl. Er holte tief Luft, um die Fassung zu behalten und sah seinen Freund an.

"Danke. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Aber ich bring mich trotzdem nicht um. Entschuldige, Makkatū." sagte er und grinste blöd.

Palk - Finde dein Schicksal [Überarbeitung seit 08.2023]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt