Palks Faust traf Merkuri im Gesicht, doch sie zeigte praktisch keinerlei Rührung. Er fragte sich, ob sie keine Schmerzen spüren konnte, oder sie ihr ganz einfach egal waren, solange sie von ihrem Sohn kontrolliert wurde. Jetzt hatte auch Irichon gehört, dass am Fuße des Turmes ein kleiner Aufruhr begonnen hatte und trat – das heilige Schwert noch immer tapfer erhoben – ebenfalls an das Fenster, an dem Tiraitān stand.
„Nenn' mir nur einen Grund, warum ich dich nicht alle machen soll!" brummte der genervt, als er den Dreiäugigen aus dem Augenwinkel sah. Irichon kicherte gehässig.
„Weil du deine kleine Schwester viel zu sehr liebst, um zu riskieren, dass sie einen schmerzhaften Tod stirbt, während du mit mir beschäftigt bist." sagte er und Tiraitān drehte ihm ruckartig den Kopf zu.
„Ich grill dich durch, bevor du auch nur einen Ton gesagt hast, du unbedeutendes Stück D...-"
„Spar dir den Atem, Kleiner. Du hast nichts weiter zu befürchten, wenn du dich schön aus der Sache raushältst." unterbrach Irichon die Hasstirade des Jungen. Tiraitān war durchaus klar, dass in der Menge vor dem Gebäude, noch ein halbes Dutzend seiner geheimen Anhänger warten konnte.
„Was ist eigentlich der Zweck von diesem ganzen Scheiß hier?" wollte Tiraitān wissen, verschränkte wieder die Arme vor der Brust und zog eine Augenbraue hoch, während er auf die Antwort wartete. Irichon entschied sich für den weniger aufwändigen Weg, bei dem er die unten stehende Menge gleich in seine Erklärungen miteinbezog.
„Hört mir gut zu, Volk von Lyiapatazia!" rief er salbungsvoll nach unten, nachdem er das Fenster mit dem gesplitterten Glas vollständig geöffnet hatte. „Heute ist ein großer Tag für uns alle. Der Tag, an dem ich, Irichon Atokēla, diese Welt ein für alle Mal, von dem Dasein der dunklen Götter und all ihren Nachkommen befreien werde!" Die Menschen horchten auf, einige von ihnen schrien unverständliches Zeug zur Turmspitze hinaus, andere rannten davon und holten weitere Zuhörer dazu.
Katāla hatte ihre Erklärungen an den Ältesten Makarik so kurz wie möglich gehalten und eben beendet, als dieser verzweifelt gegen die aufgebrachte und verwirrte Meute anzubrüllen versuchte. Immer wieder rief er den Namen seiner Frau und hustete anschließend eine halbe Minute lang, doch das war ihm scheinbar egal.
Sie beobachtete den jungen Mann, den sie als ihren Bruder zu erkennen glaubte und den eigenartigen Typen neben ihm, der sich Irichon nannte und das heilige Schwert in seiner Rechten nach oben hielt, um dessen gleißend helles Licht am Himmel, zu einer Art gigantischen, ovalen Sonne werden zu lassen. Das Mädchen überlegte einen Moment, dann rannte sie auf die Eingangstür des Turms zu und schoss so schnell wie möglich die Treppe rauf, während Irichon seine Ansprache fortführte.
„Vor zwanzig Jahren hat in genau dieser Stadt, an fast genau diesem Platz, ein dunkler Gott sein Unwesen getrieben. Er hat weit über tausend Menschen getötet, hat Familien und Gebäude zerstört und es war ihm dabei auch noch vollkommen egal, wer sein Ziel gewesen ist. Hauptsache töten, töten töten! Diese Bestien dürfen nicht weiter existieren und das gilt auch für diejenigen, die ihr törichterweise als 'göttliche Auserwählte' bezeichnet."
Ein raunen ging durch die Menschenmasse, die immer größer und größer wurde. Inzwischen waren auch der Älteste Uvāri und Ältester Muriyet unter den Leuten, die so gebannt zwischen Irichon und dem strahlen weißen Himmel hin und her schauten, dass sie den Männern nicht einmal Beachtung schenkten, die ihr Land quasi regierten.
„Diese beklagenswerten Geschöpfe stehen unter dem Fluch, als Halbgötter leben zu müssen und damit sind sie potentielle Nachfolger der dunklen Götter." fuhr Irichon seine Rede fort, während sich Lakrans Großvater und dessen Freund Muriyet, durch die Menge zu kämpfen bemühten, um in den Turm zu gelangen. „Somit müssen sie alle vernichtet werden, um alle Gefahren für die zukünftige Menschheit zu beseitigen. Oder wollt ihr etwa, dass noch einmal all eure Lieben von so einer Bestie abgeschlachtet werden?"

DU LIEST GERADE
Palk - Finde dein Schicksal [Überarbeitung seit 08.2023]
FantasyDer gerade volljährig gewordene Meluhhaner Palk plant, seine Heimat zu verlassen und die Welt zu entdecken. Doch während er zu diesem Zweck einige Verbündete um sich schart, geschehen schreckliche Dinge und finstere Geheimnisse kommen allmählich ans...