Kapitel 28: Die Beschwörung III

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Palk war nie in seinem Leben so froh gewesen wie jetzt, dass ihm jemand beistehen wollte. Doch ausgerechnet jetzt, konnte er das nicht zulassen. Die Sache war einfach viel zu gefährlich, um Unschuldige mit hinein zu ziehen.

„Bleibt weg!" rief er gegen das Zischen des Lichts an. „Es ist zu riskant."

„Ich hab hier was für dich." rief Makkatū zurück und stopfte die Hände in die Manteltaschen. Als er sie wieder herauszog, kamen zwei kleine, glänzende Steinchen zum Vorschein, die Palk auf der Stelle wiedererkannte. Ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht und im nächsten Moment fing er den Rubin und seinen heißgeliebten Saphir auf, den seine Eltern ihm hinterlassen hatten und den Makkatū ihm irgendwie hatte beschaffen können.

„Woher hast du die, du törichtes Kind?" schrie Älteste Merkuri zu Makkatū herüber.

„Ich bin mal schnell in Ihrem Versteck gewesen und hab die Dinger da raus geholt. Es ist wohl besser, wenn sie in den Händen von jemandem sind, der auch damit umzugehen weiß." entgegnete Makkatū gelassen.

„Ich danke dir!" rief Palk ihm zu und drückte die beiden Steine in die dafür vorgesehenen Einkerbungen des Schwertgriffs.

„Junge, du solltest lieber clever sein und mir das Schwert mitsamt den Kristallen freiwillig überlassen. Mahnte Merkuri streng. „Von meinem Erfolgt hängt die gesamte Zukunft ab. Ich werde es noch brauchen."

„Wozu, wenn Sie den dunklen Gott mit dem heiligen Schwert bekämpfen wollen?" fragte Palk etwas spöttisch.

„Weil seine Kraft gebraucht wird, um das Siegel wieder zu festigen." erklärte Merkuri verärgert. Währenddessen vergrößerte sich der inzwischen fast drei Meter breite Lichtkegel immer weiter und nahm eine ovale Form an. „Beeil dich endlich! Er wird bald kommen!" schrie sie ihn an, wobei sich das dritte Auge auf ihrer Stirn öffnete. Diesmal schloss sie es jedoch nicht wieder, sondern es funkelte unscheinbar und Palk hob eine Augenbraue.

Er kämpfte innerlich mit sich selbst, ob er ihr das Schwert nun überlassen sollte, oder ob das Alles nur noch schlimmer machen würde. Lakran und Makkatū beobachten das spannende Ereignis mit einer Mischung aus Faszination und Sorge. Merkuri begann zu lächeln.

„Ich bin mir wirklich nicht ganz sicher, ob es nun die Hirnmanipulation war, die ich bei dir angewendet habe, ohne dass du es bemerkt hast", begann sie und die drei jungen Erwachsenen, rissen, auf die Situation unvorbereitet, die Augen auf. „oder ob es wirklich deine alberne Vorstellung von Gerechtigkeit war, mich unbedingt aufhalten zu müssen. In jedem Fall bin ich äußert froh über die Tatsache, dass du meiner Einladung hierher gefolgt bist." beendete sie ihren merkwürdigen Satz.

Palk hatte sie fragen wollen, was sie damit nun wieder gemeint hatte, doch Makkatū brachte sich in das Gespräch ein, um einige offene Fragen selbst zu beantworten.

„Ich hab da ein paar Sachen herausgefunden, die dich interessieren müssten, Palk." rief er ihm zu.

„Fass dich kurz, ja? Wir haben wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit." gab Palk zurück und drehte sich leicht in Makkatūs Richtung.

„Wir Telepathen benutzen verschiedene Arten von Telepathie, wie Telekinese, Psychokinese, Hypnose und so weiter." erklärte Makkatū. „Aber es gibt auch eine Fähigkeit, die sich Parasitismus nennt. Eine Körperliche Macht, die das eigene Leben verlängert, indem man das eines Anderen verkürzt. Man braucht den zu benutzenden Menschen dazu lediglich zu berühren, während man ihm die Lebensenergie aussaugt."

„Aber wer würde denn einfach nur blöd dastehen, während ihm jemand das Licht ausschaltet?" wunderte Palk sich und erneut wurde das Zischen ein Wenig lauter.

„Es ist soweit!" schrie Merkuri und es war nicht leicht zu erkennen, ob es der Triumph war, der sie laut werden lies, oder ob es mit der Angst zusammenhing, die immer größer in ihr wurde, je näher der Auftritt des Gottes rückte. Sie versuchte mit Hilfe ihrer hypnotischen Fähigkeiten, Palk schneller dazu zu bringen, ihr das Regenbogenschwert zu bringen, oder es ihm per Telekinese aus der Hand zu reißen, doch es gelang ihr nicht.

Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie hatte es selbst gesagt, als sie mit Āmak und Tiraitān über ihren Plan gesprochen hatte. Das heilige Schwert, welches sie in diesem Augenblick in die Höhe hielt, unterband jegliche psychischen und magischen Kräfte. Jetzt konnte sie nur noch hoffen, dass der Resteinfluss, den sie noch immer auf Āmak und Tiraitān hatte, dazu ausgereicht hatte, um sie mit ihrem dritten Auge herbeizurufen.

Ein abscheulicher, Dimensionen durchdringender Schrei erklang und die vier Anwesenden mussten ihre Ohren bedecken, um nicht von dem Beben, das die Häuser zum Wackeln und die kleinen Stände in der Nähe zum Einstürzen brachte, ohnmächtig zu werden. Selbst Palk verlor beinahe den Verstand, als er sich ein Bild über die Ausmaße der brüllenden Bestie zu machen versuchte, die schließlich noch nicht einmal in ihre Welt eingedrungen war.

Der weiße Schimmer wurde langsam zu einem Rosa, das immer dunkler und dunkler wurde, bis es beinahe Lila war. Palk kannte dieses bedrohliche lilafarbene Leuchten am Himmel. Es war ihm beinahe so vertraut, als sei es nicht mehr als ein paar Wochen her, dass es über Lyiapatazia, an vermutlich genau der selben Stelle entstanden war, um Sekunden später die Bestie zu entfesseln, die die Stadt in Angst und Schrecken stürzen und tausende von Menschen töten würde.

Nun sah er sich gezwungen zu handeln. Er hob das Schwert und stürzte sich in letzter Verzweiflung auf die verdutzte Merkuri. Schneller als er gucken konnte, zuckte der hellblaue Blitz über seine Freunde hinweg, eine menschliche Gestalt materialisierte sich exakt zwischen Merkuri und Palk und fing den tödlichen Schlag mit den gekreuzten Armen vor dem Gesicht ab.

Tiraitān hätte nun keine Hände mehr und vermutlich eine tiefe und unschöne Narbe im Bereich zwischen Brust und Hals gehabt, wenn er nicht die silbernen Armreife getragen hätte. Seit vielen Jahren trug er sie von seinen Mitmenschen unbemerkt unter den langen Ärmeln seiner schwarzen Jacke, um ihn in Fällen wie diesem zu schützen. Als das Regenbogenschwert noch ausschwang, versetzte Tiraitān seinem verhassten Gegner einen brutalen Faustschlag und ließ ihn einen guten Meter durch die Luft fliegen, wo er unsanft landete und das Schwert beinahe hätte fallen lassen.

„Tiraitān?!" rief Palk fassungslos und konnte nicht glauben, dass sich ausgerechnet ein ignoranter und egoistischer Typ wie Tiraitān gerade vor eine Frau geworfen hatte, die ihn...Das war es also! Sie manipulierte ihn doch!

„Du störst!" antwortete der blitzschnelle Retter von Merkuri und grinste süffisant auf Palk herunter. „Gib mir das Schwert und dann verpiss dich, bevor ich dich in deine Einzelteile zerlege."

„Hallo, Tiraitān." sagte Merkuri freundlich zu ihrem kleinen Gehilfen. „Wo hast du denn Āmak gelassen?"

„Der wird auch gleich da sein. Er braucht etwas länger, Gebieterin." antwortete Tiraitān gegen das Zischen an und hüllte seine Faust in Blitze.

Palk - Finde dein Schicksal [Überarbeitung seit 08.2023]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt