Meine Haare kitzeln mich in der Nase, als ich aufwache. Blinzelnd blicke ich in Tims schlafendes Gesicht. Ein Lächeln liegt auf seinen schmalen Lippen, während die Sonne durch das fast abgedeckte Fenster der Schlafnische fällt; doch er wacht nicht auf. Auch nicht, als ich vorsichtig unter der Decke hervorrutsche und am Boden nach meiner Unterwäsche angele. Möglichst leise klettere ich von den Matratzen, als ich mir auch meinen Hoodie wieder übergezogen habe. Beinahe seufze ich, als ich an dem dunklen Stoff schnuppere – auf die Clubluft hätte ich verzichten können. Der Club. Verdammt. Hastig setze ich mich auf den Boden und suche nach meinem Smartphone, bis mir einfällt, dass es gestern kaputtgegangen ist. „Was genau tust du da?", nuschelt Tim müde. Zerknirscht drehe ich mich zu ihm. Er stützt sich gähnend auf seinen Oberarmen ab und betrachtet mich verschlafen. „Ich wollte dich nicht wecken, sorry", diesmal seufze ich laut, doch Tim lässt sich natürlich nicht beirren. Oder vielleicht ein bisschen. „Um abzuhauen, wenn du dein ganzes Zeug zusammengesucht hast?" Ich bin mir nicht sicher, ob er es als Scherz meint. Ein klitzekleines bisschen seiner Unsicherheit ist immer noch da, aber ich finde sie fast niedlich. Schon alleine deswegen muss ich grinsen. „Ne, deine Sachen würde ich auch noch mitnehmen", bei meinen sarkastischen Worten grinst er breit. „Du weißt schon, dass ich der beste Kommissar von ganz Braunschweig bin und dich sofort finden würde?", er zieht lachend die Augenbrauen hoch, sodass ich auch lachen muss. „Oh Gott, ich hätte nicht mit dir schlafen sollen. Jetzt bist du ja so ekelhaft arrogant", ich gebe es auf nach dem Handy zu suchen und lasse mich stattdessen wieder auf den Rand der Matratze bei Tim fallen. „Wow, das ist traurig, so schnell bereust du es schon", brummt Tim und lässt sich deprimiert in die Kissen fallen. Aber ich klopfe ihm nur auf den nackten Bauch und reiße ihm den Rest der Decke auch noch weg. Doch er macht keine Anstalten sich irgendwie zu verdecken. Nicht einmal seine Narben. „Wo ist dein Handy?", frage ich stattdessen, bevor ich noch wegen so eines kitschigen Bildes wie etwa einem nackten Tim in der Sonne im Wohnwagen auf dem weiten Feld dahinschmelze. „Benutze doch – fuck. Oh man, es tut mir echt leid, dass deins auf dem Weg hierher den Geist aufgegeben hat", Tim fährt sich mit dem Handrücken über das Gesicht. Ich folge ihm mit dem Blick und betrachte die kräftigen Finger, die sich gestern – nein, darüber sollte ich jetzt nicht nachdenken, sonst endet das hier nicht nach meinem eigentlichen Plan. „Halb so schlimm – wenn du mir dein Handy gibst", lächele ich scheinheilig. Tim deutet gähnend auf sein Smartphone, das auf der Küchenablage liegt. Sofort greife ich danach und tippe auf den Sperrbildschirm. „Code?", grinse ich ihn an. „Geht dir das nicht etwas zu schnell?", scherzt er, ich verdrehe spaßeshalber die Augen. „Haha. Sag oder tipp ihn mal ein", lasse ich ihm die Wahl, Tim verschränkt nur amüsiert die Arme im Nacken. „3155", brummt er dann, während er mich beobachtet. Wenn er denkt, dass ich gleich verträumt grinse, hat er sich geschnitten. „Das ist nicht dein Ernst! Das ist so etwas von kitschig! Wer kann denn da bitte nicht einfach dein Handy entsperren?", schimpfe ich mit ihm. „Jeder der nicht weiß, wann unser erster Kuss war? Oder unsere Zahl", schmunzelt Tim mich an. „Das ist trotzdem ... du bist viel zu romantisch!", während ich mit der linken Hand sein Handy entsperren will, greife ich mit der rechten nach dem zweiten Kissen und werfe es Tim ins Gesicht. Er lässt sich nicht beirren, natürlich nicht, und richtet sich auf um mich an der Hüfte zu packen. Strampelnd wehre ich mich gegen ihn, doch Tims Griff ist gekonnt eisern, als er mich an sich zieht. Kaum berühre ich seine nackte Haut, laufen mir Schauer über den Rücken, als er mich auf seinen Schoß zieht. „Wage es nicht", keuche ich außer Atem vom Wehren, doch Tim lächelt nur. Seine Lippen nähern sich meinen langsam an und berühren mich sanft, ich knurre wie er gestern Nacht. Für ihn ist es das Signal, mich fester zu umfassen und mir zärtlich das Smartphone aus der Hand zu schlagen, sodass ich die Arme um seinen Nacken lege, als ich eine Sekunde zu verwirrt von ihm bin. „Was darf ich nicht wagen?", flüstert Tim unschuldig zurück, als er mich diesmal fester küsst. Seine Zunge streift über meine Lippen und zu gerne würde ich nachgeben und es zulassen, wie er unter meinen frisch angezogenen Hoodie fährt. „Das", erwidere ich schlicht, Tim hält in der Bewegung inne. „Jedenfalls nicht, bevor du dich nicht angezogen und dein Zeug gepackt hast", ergänze ich meinen Satz, auch wenn mein Körper es mir ziemlich übelnimmt, dass ich mich nicht darauf einlasse. „Das ist Erpressung", protestiert Tim laut, ich lache. „Richtig. Also komm, bei Fuß und ziehe dich an", versöhnlich drücke ich meine Lippen noch ein letztes Mal auf seine, dann rutsche ich widerwillig von seinem warmen Schoß. „Was haben wir denn vor?", murmelt er frustriert. Diesmal versucht er nicht zu verbergen, dass er noch nicht bereit zum Aufstehen ist. „Hättest du mich die Nachricht an Luna und Maik schreiben lassen, wüsstest du einen Teil davon", ärgere ich ihn absichtlich und grinse über die Schulter, während ich mich an die kleine Spüle lehne. „Luna und Maik klingt so, als würdest du wollen, dass ich wieder einziehe", stellt Tim fest, als er in eine frische Boxershorts schlüpft und eine Jeans aus den Kartons angelt. „Kluger Tim", necke ich ihn und verschränke die Arme abwartend, er lächelt mich an. „Angenommen ich würde ja sagen ... dann würdest du mit deinem Freund zusammenwohnen. So richtig, sogar mit Sex", schmunzelt er und tritt nah an mich heran. Dann verschränkt er in aller Seelenruhe ebenfalls die Arme vor der Brust. „Wer sagt, dass wir wieder zusammen sind?", spanne ich ihn auf die Folter, doch mein Freund grinst nur weiterhin. Ich glaube, der Sex bekam ihm wirklich nicht. „Du bist niedlich, wenn du sprachlos bist, Em", flüstert Tim mir warm ins Ohr, ich boxe ihn hart gegen den Arm. „Aua." „Geschieht dir recht. Also, ziehst du wieder ein? Oder sag einfach nichts, das ist schon entschieden", höre ich mich lässig sagen, Tim nickt. „Klar ziehe ich wieder ein. Es sei denn ich muss mir mit deiner Mutter ein Zimmer teilen", bei seinen Worten muss ich mir das Lachen verkneifen. Er schaut mich unbeirrt an. „Und du bist niedlich, wenn du doch nicht auf dem neuesten Stand bist. Im Ernst, sie ist schon wieder ausgezogen. Im Gegensatz zu mir hat sie mal Glück mit den Wohnungen gehabt, der Vermieter wollte sofort eine künftige Chefredakteurin bei sich einziehen lassen", der Stolz in meiner Stimme schwingt hörbar mit. Einerseits, dass sie so eine hohe Position erreicht hat, die sie glücklich macht und andererseits, dass ich ihr diesen Job vermittelt habe. „Das ist ...", Tim nickt bei seinen Worten, aber stockt unsicher, „ich freue mich für euch beide." „Hey, du musst nicht so nett tun. Du kannst ihr das auch immer noch übelnehmen, wie sie mit dir umgegangen ist", meine Worte entspannen Tim wirklich etwas, sodass er seine Schultern wieder in sich zusammensacken lässt. „Ich habe es verdient", murmelt Tim dann, ich schüttele den Kopf. „Komm her", bevor er sich weigern kann, umarme ich ihn. Tims Geruch ist nicht mehr ganz so vertraut, darunter hat sich auch mein eigener Geruch gemischt, was mich grinsen lässt. Tims Umarmung ist warm und fest, kein einziges Zucken von einem von uns. Es fühlt sich zum ersten Mal so komplett richtig an. Weil es so echt ist und klar ist, dass sich wirklich nichts mehr an uns rütteln lässt. Wir haben alles, aber auch alles bisher überstanden und einander nicht losgelassen. Tim legt seinen Kopf auf meiner Schulter ab und drückt mich fest an sich, ich lasse meinen Kopf an seiner Halsbeuge ruhen. „Tim, so kann es nicht weitergehen. Du musst das aufarbeiten. Ganz. Und diesmal wirklich und diesmal gehe ich den ganzen Weg mit dir, wenn du das willst", verspreche ich ihm halblaut, Tims Herzschlag wird ein wenig schneller. „Okay. Ich gehe wieder regelmäßig hin. Em, ich will doch auch trocken werden. Ganz", wiederholt er mein Wort von eben leise an meiner Schulter. „Ich weiß", ich streiche ihm über den Rücken und löse mich dann von ihm. „Und jetzt komm, du musst wieder einziehen. Und dich beim Oles melden. Und mit meiner Mutter reden, vorausgesetzt du willst das", ich kann gerade so meinen Satz zu Ende bringen, da nickt Tim schon. „Natürlich will dein zweitwichtigster Mensch nochmal mit deinem drittwichtigsten Menschen reden. Ich will mich wirklich mit ihr verstehen", Tim schaut mir tief in die Augen. „Ich weiß", höre ich mich flüstern.
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Hey
RomanceTiefe, intensive, brennende Blicke bis in die Seele. Die hat Emma damals hinter sich gelassen - doch sie kehrt nach elf Jahren zurück. Wie das Schicksal es will, gibt es keinen anderen Ausweg, als in die WG ihres Exfreundes Tim, ihrer Ex-BFF Luna u...
