Leo
Nachdem Liam und ich zusammen etwas gegessen hatten, liefen wir wieder zum Haupttor des Schlosses Muderia, um die Antwort der Wachen zu erfahren. Unbeeindruckt standen sie vor uns, währenddessen sie uns gleichzeitig aufmerksam beäugten.
Ihre Rüstungen waren stabil angefertigt worden und ihre Waffen glichen denen aus den früheren Geschichten. Das metallgrau spiegelte sich auf ihren Rüstungen, sodass man den Anschein hatte, sie wären gerade neu angefertigt worden. Eine der Wachen räusperte sich und begann zu sprechen.
,, Wir haben uns geeinigt. Unsere Antwort lautet.....okay. Ihr dürft das Fliegen erlernen, aber nur unter 2 Bedingungen! ". Leicht runzelte ich meine Stirn, doch blieb ich konzentriert.
,, Welche zwei Bedingungen?", fragte ich ihn mit einer emotionslosen Stimme.
Die Wache schien in keiner Weise beeindruckt zu sein und fuhr fort.
,, Erstens : Ihr werdet nicht wegfliegen, außer wir fordern euch dazu auf!
Zweitens : Ihr werdet bei unserem Training auf jede unserer Anweisungen hören! Verstanden?", fragte er uns streng.
Einverstanden nickten Liam und ich ihm zu. Seufzend wandte er sich wieder um, nickte, als Zeichen, dass er es verstanden hatte.
,, Wann fängt das Training an?", fragte Liam nachdenklich.
,, Na jetzt. Sofort ", lachte die Wache auf. Überrascht sah ich meinen Gefährten an, der mich ebenfalls ungläubig anstarrte.
Wir waren zwar darauf eingestellt, dass unser Training früh losging, doch damit hatten wir nicht gerechnet.
,, Steht nicht wie angewachsen da und folgt mir", rief die Wache von eben. Sein Kamerad schien sein Lachen unter Krampf zurück halten zu müssen, wobei ich mir denken könnte, weshalb dieser lachte.
Schnell folgten wir dem namenlosen Mann in glänzender Rüstung. Er führte uns zu einer großen freien Fläche, an einer Klippe. Dieser Bereich gehörte noch immer zu dem Schlossgelände dazu, welches übernatürlich groß war.
,, Hier auf diesem Platz werden wir ab sofort trainieren! Jeden Tag wenn die Sonne den Berggipfel erreicht, startet unser Training! Ich werde keine halben Sachen machen, also strengt euch an! ", rief uns der Mann in Rüstung zu. Ich fragte mich weshalb er so selbstbewusst sprach, immerhin wurde die ganze Zeit über das Thema Auserwählte gesprochen.
Ihm schien es egal zu sein, wer wir waren oder woher wir stammen. Wenn ich so darüber nachdachte, war mir diese Art von Kommunikation gerade die richtige. Ich hatte einfach die Schnauze voll von dem ganzen überheblichen Sprechen.
,, Verstanden! Wir werden unser bestes geben ", antwortete Liam für uns beide.
Unbewusst fing ich an zu schmunzeln. Liam einmal selber entscheiden zu hören, war ein großartiges Gefühl. Er klang so sicher und überzeugend zugleich. Dieser Mann war schon etwas ganz Besonderes.
,, Gut dann fangen wir mal an! Zuerst einmal eine Frage. Habt ihr euch schonmal verwandelt? ", fragte die Wache mit kräftiger Stimme.
,, Nein", antwortete Liam schulterzuckend.
,, Nur....in...einen...Xylmer ", stammelte ich etwas herum. In mir kam diese Angst um meinen Flügel wieder in den Sinn. Was wäre, wenn ich nicht fliegen kann? Der Arzt sagte zwar, dass mein Flügel geheilt war, aber auch Ärzte konnten falsch liegen.
,, Gut. Kannst du es mir zeigen?", fragte er mich prüfend. Meine Hände wurden schwitzig und mein Herz raste in einer enormen Geschwindigkeit. Was ist wenn etwas schief geht? Wie ging das eigentlich nochmal? Ich hatte das bei meinem ersten Mal aus Instinkt getan...das war viel zu schnell.
,, Nein. Ich hatte es aus Instinkt gemacht, aber habe nicht mitbekommen wie ich das getan hatte ", beichtete ich beschämt. Ein Seufzen war zu vernehmen, welches offensichtlich von der Wache stammte. Wer würde denn nicht anfangen zu Verzweifeln, wenn man zwei komplett unerfahrene, sture Jungen das Fliegen beibringen musste.
,, Na dann müsste ich euch erstmal beibringen, wie ihr euch verwandelt. Ohne Drachenform wird das ganz gewiss nichts mit fliegen ", berichtete er uns unmotiviert. Seine geradezu unaushaltbare schlechte Laune ignorierte ich gekonnt. Fliegen war sicherlich großartig.
Ich stellte es mir großartig vor, wie man in der Morgendämmerung am Himmel glitt und das Farbenspiel, welches sich am Himmel bot bewundern konnte. Da ließ ich mich doch nicht vom diesem Mann ärgern.
,, Wer möchte sich als erstes verwandeln? ", fragte der Mann plötzlich mit verschränkten Armen.
Sein Gesicht zierten ein paar Falten und wenn man genau hin sah, konnte man seine beigen Haare erkennen. Anscheinend hatte er sie sich hochgesteckt, doch der Helm versperrte mir die genauere Sicht auf sein Aussehen.
,, Ich möchte anfangen ", meldete sich Liam freiwillig, doch sah man ihm seine Unsicherheit an.
Ermutigend sah ich meinen Gefährten an, der mir dankend zurück lächelte.
,, Folge mir", forderte der Mann Liam auf, lief mit ihm zu der Klippe und blieb stehen. Ich stand ungefähr 20 Meter entfernt von ihnen, und beobachtete sie neugierig. Liams silberne Haare wehten im Wind, wo hingegen meine nur leicht über meine Stirn strichen.
Mir war schon früh aufgefallen, dass man hier lange Haare als Symbol der Macht trug. Umso prachtvoller sie aussahen, umso besser. Wenn sie dann auch noch der Gabe so gerecht waren, wie man es verlangte, wurde man als etwas Höheres bezeichnet.
Die Menschen, die hier als Sklaven oder einfache Dorfbewohner lebten, hatten kurze und sehr schmutzige Haare, was sie umso niedriger erscheinen ließ. Ich hielt nicht sehr viel von diesem Brauch, aber groß was ausrichten konnte ich auch nicht. Eigentlich sollte jeder selbst entscheiden, wie man sich kleidete oder wie man die Haare trug, aber hier gab es sowas wie Rechte nicht.
So ein System, welches wir im Jahr 2070 hatten, gab es hier nicht einmal annähernd. Wenn ich es mir recht überlege, wäre ich ja mit meinen Haaren auch nichts besonders. Sie waren kurz, aber weil ich der letzte Naturdrache war, den es auf dieser Welt gab, war das natürlich wieder etwas anderes.
Ich mochte solch einen Umgang mit anderen Lebewesen nicht. Es war einfach diskriminierend, doch würde ich hier jemanden fragen, was dieses Wort bedeutete....würden mich wahrscheinlich alle für einen Idioten halten.
Sachte schüttelte ich meinen Kopf, um mich dann wieder zu konzentrieren. Der Mann sprach mit Liam, der ihm aufmerksam zuhören. Eine seiner silbernen Strähnen hing ihm in seinem Gesicht herum. Plötzlich verspürte ich den Drang danach, diese bösartige Strähne hinter sein Ohr zu streichen, doch musste ich mich zurückhalten.
Ich war mir bewusst, dass Liam sicherlich kein Problem damit hätte, aber hier draußen beim Training, konnte ich doch nicht einfach zu ihm gehen und seine Strähne hinter seinen Ohr wegstreichen! Die Wache wäre wahrscheinlich etwas angepisst, wenn ich da plötzlich hineinplatze.
Angst davor er wäre homophob hatte ich nicht, weil hier fast jeder einen Mann als Ehepartner hatte. Diesbezüglich hatte ich schon wieder ein Unterschied zwischen den Zeiten gefunden. Im Jahr 2070 könnte man nicht einfach so in der Öffentlichkeit als Mann einen anderen Mann küssen, ohne schräg angesehen zu werden.
Hier hingegen war es anders. Die Leute kannten es nicht anders und akzeptierten dies auch, wobei es natürlich immer Ausnahmen gab. Diese Ausnahmen jedoch, konnten ihre Meinung nicht einfach offen sagen. Niemand wollte sich hier jemanden zum Feind machen, besonders nicht, wenn man in der Unterzahl wäre.
Deswegen hielten alle diejenigen, die etwas dagegen hatten ihren Mund. Das 2070 Jahrhundert war natürlich genau anders rum. Diejenigen die nicht hetero waren, waren bei vielen Leuten gleich andere Menschen. Nur weil sie nicht das bevorzugten, was Heteros bevorzugten. Viele versteckten sich deswegen und outen sich selten.
Maxi hatte sich bisher nur bei seinem besten Freund geoutet, der ich seit wir denken konnten war. Über sein Vertrauen mir gegenüber, war ich sehr berührt gewesen und ihn natürlich unterstützt. Niemals würde ich ihn einfach so hängen lassen.
Nur merkte ich gerade eben wieder, dass ich in meinen Gedanken vertieft war. Mit den Blick zu Liam, betrachtete ich die beiden wie sie etwas sprachen und Liam immer wieder konzentriert nickte.
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Dragon's eyes (bxbxb)
FantasyEin Junge Namens Leo lebte als Mensch im Jahre 2070. Oft bekam er als kleiner Junge Geschichten über die mächtigsten Wesen auf der Erde vorgelesen. ~Die Drachen~ Obwohl er weiß, dass er oder niemand anderes auf der Welt jemals einen Drachen gesehen...
