#10 Eigenarten

113 10 0
                                        

Dylan

Da Ruby sich erst für Abend mit Riley verabredet hatte, kam sie noch mit zu mir. Ich merkte, dass etwas in der Luft lag, als wir gemeinsam im Gartenhaus saßen. Wir hatten uns ins Gartenhaus gesetzt, da wir unsere Ruhe vor Moms und Calvins Theorien haben wollten.

„Was liegt dir auf dem Herzen, mein Engel?", wollte ich wissen, als ich mein Glas mit Limo auf dem Tisch vor mir abstellte. „Die Situation eben im Einkaufscenter. Ich habe diesem Mädchen einfach aus dem Nichts ein Kompliment gemacht. Sie sah danach so verlegen aus", erklärte Ruby mir.

Ich musste kurz schmunzeln, da sie sich so einen Kopf, um diese Situation gemacht hatte. Auf der anderen Seite konnte ich Riley noch nicht einschätzen, wodurch ich nicht wusste, warum sie so reagiert hatte.

„Schätzelein, das war nichts schlimmes. Du hast ihr nur ein Kompliment gemacht. Sprich Riley doch später an, wenn du bei ihr bist", schlug ich vor. „Damit ich es noch peinlicher mache?", fragte sie empört nach. „Nein. Damit die Situation für dich geklärt ist. Du wirst dir sonst noch Wochen deinen wunderschönen Kopf darüber zerbrechen", erklärte ich. „Du hast bestimmt recht", lehnte sie sich erschöpf gegen meine Schulter.

Die Luft schien sich sozusagen wieder zwischen uns am säubern. Es war für Ruby schwer mit solchen Situationen umzugehen, wodurch sie teilweise daran noch Tage nagte, wenn niemand mit ihr darüber redete. Sie brauchte für so etwas eine zweite Meinung, damit sie wusste, ob das was sie getan hatte wirklich in Ordnung war. Teilweise waren es belanglose Themen, aber sie steigerte sich zu sehr rein. Als die Tür, des Gartenhauses, von Calvin aufgerissen wurde, schreckte Ruby von meiner Schulter weg.

„Möchte euch nicht lange stören bei was auch immer. Mom hat frischen Eistee gemacht, möchtet ihr auch?", informierte mein Bruder uns.

Wenn es nach Ruby ging, musste er das nicht zwei Mal fragen, denn sie vergötterte diesen Eistee. Ohne mit der Wimper zu zucken oder etwas zu sagen verließ Ruby das Gartenhaus. Kurz lachten Calvin und ich durch ihr Verhalten auf, bevor ich das Gartenhaus ebenfalls verließ.

„Wie war es im Einkaufszentrum?", erkundigte Calvin sich. „Ziemlich entspannt, sind auf Riley und Austin getroffen", erzählte ich. „Der Arme, der wird nie wieder Ruhe vor dir haben", lachte mein Bruder auf. „Die paar Sätze, die wir ausgetauscht haben, wird er schon verkraften", schmunzelte ich.

In der Küche saß Ruby auf der Küchenablage mit einem Glas Eistee, wobei sie diesen bei Mom in den Himmel lobte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann sie das nicht tat. Wenn Ruby krank war, brachte Mom ihr sogar welchen vorbei oder zwang einen von uns. Meistens endete es darin, dass Calvin oder ich am Ende auch krank waren. Mom schien gegen jede Krankheit immun zu sein, da ich sie noch nie krank erlebt hatte.

„Bärchen, magst du mir nicht noch etwas geben?", hielt Ruby mir ihr leeres Glas hin. „Natürlich, Prinzessin", nahm ich das Glas lächelnd entgegen.

Mom schaute uns mit hochgezogenen Augenbrauen an, da sie noch immer nicht verstand, warum wir uns andauernd mit Kosenamen ansprachen. Fast wäre ich mit Rileys Glas zur Haustür gelaufen, als es klingelte. Vor mich hin fluchend lief ich durch Riley empörtes aufstöhnen zurück. An der Tür sah ich in die braun- grünen Augen von Austin.

„Kann man dir helfen?", wollte ich wissen. „Ich sollte nur die Kiste vom Kuchen zurückbringen", hielt er besagten Gegenstand hoch. „Danke", lächelte ich, während er sich schon umdrehte.

Kurz überlegte ich Austin aufzuhalten, aber unterließ es, da ich nicht wusste, was ich hätte sagen können. In seiner Anwesenheit war ich schon fast so etwas wie nervös. Ohne wirklich etwas zu machen, warf er mich aus der Bahn. Schon lange hatte ich nicht mehr so ein Gefühl bei jemanden. Unheimlich.

„Dylan", fuchtelte Calvin mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum. „Ja, was?", fragte ich verwirrt nach. „Wo bist du denn mit deinen Gedanken?", wollte er wissen. „Nirgendwo", log ich, während ich mich gegen die Küchenablage lehnte.

Riley schaute mich von der Seite wissend an, wobei sie schmunzelte. Ich wollte gar nicht wissen, was sie sich in ihrem Kopf zusammen gebastelt hatte. Calvins Blick sah zu meinem Leidwesen nicht besser aus. Bevor Riley von der Ablage runter sprang, stellte sie ihr leeres Glas neben sich.

„Ich gehe jetzt rüber", verabschiedete sie sich von uns.

Zur Verabschiedung schenkte sie Calvin und mir eine Umarmung. Ich hoffte, dass zwischen ihr und Riley alles gut laufen würde.

„Jamie hat mir vorhin geschrieben, dass er heute Abend vorbei kommt. Mit Pizza", meinte Calvin. „Super, wann genau?", wollte ich wissen. „Keine Ahnung, aber bestimmt gleich. Er hatte mir das nämlich schon vor einer Stunde geschrieben", erklärte er.

Mit einem Nicken signalisierte ich ihm, dass ich seine Antwort wahrgenommen hatte. Jamie hatte es sich über die Zeit abgewöhnt genaue Uhrzeiten zu nennen, da er es dann immer schaffte viel zu spät oder viel zu früh zu erscheinen. Es war schon vorgekommen, dass er sich beschwert hatte, dass wir zu spät seien, nur weil er zwei Stunden vorher am Treffpunkt war. Manchmal fragte ich mich eher, ob Jamie die Uhr lesen konnte.

„Hat Jamie eigentlich einen Grund genannt, warum er vorbeikommt?", wollte ich wissen. „Jamie und eine Begründung? Wir können froh sein, dass er sich überhaupt ankündigt hat. Wie oft stand er schon mit irgendwelchem Essen vor der Tür?", machte Calvin sich über Jamies Eigenarten witzig.

Kaum hatte Calvin seinen Satz beendet, klingte es an der Haustür. Sofort stand er auf. Nach wenigen Sekunden konnte ich Jamies Stimme im Flur und den Geruch von Pizza vernehmen. Mit einem Handschlag begrüßte ich Jamie, als er mit Calvin in die Küche kam.

„Garten? Wohnzimmer?", fragte Calvin in die Runde. „Garten", kam es gleichzeitig von Jamie und mir.

Bei dem sonnigen Wetter konnte man doch kaum drinnen Essen, dachte ich mir. Mit etwas zu trinken machten wir es uns am Gartentisch gemütlich. Dem Gespräch zwischen Calvin und Jamie verfolgte ich nicht so ganz, da ich immer wieder zum Nachbarhaus schaute. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich zum Glück noch keine Nachricht von Ruby, die darauf hindeutete, dass etwas schief gelaufen sei.

„Du hörst mit Lacrosse auf?", fragte Jamie aufeinmal empört. „Ja, macht keinen Spaß mehr. Zusätzlich gehen meine Noten richtig in den Keller", erklärte ich. „Krasse Worte. Dafür, dass du eine Zeit lang nur für diesen Sport geatmet hast. Also gefühlt", meinte er. „Mittlerweile nicht mehr, aber ist auch nicht schlimm", sagte ich.

Ausnahmsweise war ich froh, als es erneut an der Tür klingelte. Bevor Calvin aufstehen konnte, war ich schon auf dem Weg zur Tür. Als ich diese aufriss, blickte ich in die braun- grünen Augen von Austin.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt