Dylan
Noch nicht ganz nüchtern vom Vortag wachte ich in meinem Bett auf, wo ich fast einen Schock bekam. Ich hatte längst wieder vergessen, dass Austin bei mir eingeschlafen war.
So langsam kamen mir die Erinnerungen wieder ins Gedächtnis, aber ich versuchte es direkt zu unterdrücken. Lieber beobachtete ich die gleichmäßigen Atemzüge von Austin. Er sah so friedlich und ohne Sorgen aus, wenn er schlief, aber ich wusste, dass dieser Eindruck täuschte.
Zwar hatte er noch immer nicht mit mir geredet, aber er verhielt sich seit dem Kontakt mit seinem Vater so anders. Austin schien so angespannt.
„Warum redest du bloß nicht mit mir", fragte ich in Richtung Decke, wobei ich wusste, dass ich keine Antwort bekommen würde.
Seufzend griff ich nach meinem Handy, da es angefangen hatte zu vibrieren. Dieses Geräusch konnte man wahrscheinlich mit dem Brummen in meinem Kopf vergleichen. Auf dem Display erkannte ich den Namen von Casper, wodurch ich schon nichts gutes ahnte.
„Warte kurz", nahm ich den Anruf an.
Ich schaute nochmal kurz zu Austin, bevor ich mich das Zimmer verließ. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass mein Notizbuch auf einmal auf meinem Schreibtisch lag. Obwohl ich darüber verwundert war, wollte ich mich erstmal um Casper kümmern, wodurch ich nur ein Schulbuch auf das Notizbuch legte, damit man es nicht direkt sah.
„Was ist los?", wollte ich wissen. „Keine Sorge. Ich wollte nur fragen, ob es mit dem Hallenbad heute noch steht?", erkundigte Casper sich. „Was?", fragte ich verwirrt, da ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach. „Wir hatten doch gestern mit Austin ausgemacht, dass wir heute Schwimmen gehen", klärte er mich auf. „Ach so, ähm ja klar. Natürlich", bestätigte ich. „Super", legte Casper aus.
Verwirrt schaute ich auf das Display. Ich verstand gar nichts mehr, wodurch ich es auf den Alkohol schob, der sich noch in meinem Körper befinden musste. Leise betrat ich mein Zimmer wieder, da ich Austin nicht wecken wollte, aber der saß schon augenreibend im Bett.
„Alles gut?", fragte Austin. „Klar, bin nur ein bisschen verwirrt", meinte ich.
Auf Austins Nachfrage hin, erzählte ich ihm von dem Telefonat mit Casper. Er klärte mich erneut auf, dass wir das ausgemacht hatten. Das verwunderlichste für mich an der ganzen Sachen war, dass Casper anscheinend ohne große Diskussion zugestimmt haben musste. Meistens kam er nämlich nicht mit oder saß nur an der Seite, da er sich einmal im Schwimmbad durch den Alkohol übergeben musste. Ich schob es noch immer auf die Sonne an dem Tag, die durch das verglaste Dach schien und für eine Hammerhitze sorgte.
—
Austin wollte ein wenig später zum Schwimmbad kommen, wodurch ich schon Mal Casper abgeholt hatte. Als er einstieg, fiel mir auf, dass er nicht nach Alkohol, sondern nach Parfüm roch. Er sah schon die letztens Tage viel fitter aus.
Gemeinsam fuhren zum Hallenbad, wo wir schnell bezahlten und uns umzogen. Der Bademeister vom letzten Mal hatte mich direkt im Visier, als er mich bemerkte.
„Schneller", hörte ich einen Mann schreien. „Du machst hier nicht das Seepferdchen", folgte kurz darauf. „Ist das nicht Austin?", deutete Casper auf den Schwimmer. „Es sieht so aus", meinte ich. „Wenn das sein Vater ist, ist der auf jeden Fall voll das Arschloch. Schrecklich, wie der den über die Bahn hetzt", sprach Casper seine Gedanken aus, was ich nur mit einem Nicken bestätigte.
Langsam stiegen Casper und ich über die Leiter in das kalte Schwimmbecken. Wir versuchten uns nicht von Austins Vater ablenken zu lassen, was sich als schwieriger herausstellte als Gedacht. Da ich wieder einmal zu Austin hinüber schaute, bekam ich den Wasserball, den wir uns beim Bademeister ausgeliehen hatte, gegen den Kopf.
„Ich hau dem Typen gleich eine rein", meinte ich gereizt, als ich zu dem Ball schwamm. „Ich habe noch nie gesehen, wie du jemanden eine reingehauen hast", fiel Casper auf. „Nicht mehr lange und du wirst es sehen" schüttelte ich mit dem Kopf.
Es war selten, dass ich jemanden eine reinhaute. Außerhalb von Lacrosse war ich gegen Gewalt, da ich fand, dass es keine Lösung war. Wenn ich Austins Vater beobachtete, war ich kurz davor meine Meinung zu ändern. Wie konnte man bloß so versessen sein, fragte ich mich. Da war es für mich kein Wunder, dass Austin sich letztens so reingegangen und sich selber Druck gemacht hatte.
Ich sagte Casper Bescheid, dass ich sofort wieder bei ihm wäre, denn ich wollte zu Austin schwimmen. Austins Vater funkelte mich schön böse an, als er bemerkte, was mein Plan war.
„Dylan, oder?", sprach er mich an. „Ja, ich wollte nur kurz mit Austin reden", meinte ich. „Nein, er muss sich konzentrieren", wies er mich ab. „Austin", rief ich. „Was ist?", fragte Austin, als er bei mir ankam. „Wir sprechen gleich, gib mir noch eine halbe Stunde. Dann ist er weg", sagte er schließlich leise zu mir, wodurch ich kurz nickte.
Ich wollte mir dieses Tortur keine weitere halbe Stunde anhören, aber ich hatte anscheinend keine andere Wahl. Zögerlich bewegte ich mich zurück zu Casper, der seine Augenbrauen gehoben hatte. Schnell erzählte ich ihm, was Austin mir gesagt hatte.
„Was machen wir die halbe Stunde noch?", versuchte Casper den Wasserball auf einem Finger zu balancieren. „Lass uns an die Tische vom Restaurant setzen. Ich kann mir Austins Vater nicht weiter anschauen", gab ich zu.
Casper nickte einverstanden, aber leider mussten wir an Austins Vater vorbei gehen, damit wir zum Restaurant kamen.
„Du wirst immer langsamer", maulte Austins Vater rum.
Ich wusste nicht woher ich mir das Recht nahm, aber es machte mich alles so wütend, dass ich ihn ins Wasser schubste. Von Casper hörte ich ein erschrockenes auf keuchen, aber dann ein Lachen. Von Austin wurde ich erschrocken angeschaut, aber dann lächelte er mich ebenfalls an. Sein Vater zog sich schon den Rand wieder hoch.
Mir entkam ein erstickter Laut, als er mich wütend in den Schwitzkasten nahm. Mit aller Kraft versuchte ich uns in das Becken zu ziehen, was auch funktionierte. Aus Schreck ließ Austins Vater direkt los, wodurch ich wieder vernünftig atmen konnte. Bevor ich überhaupt zu einem Schlag ansetzen konnte, spürte ich Austins Arm um mich, der mich zurückhielt.
„Alle sofort raus", schrie der Bademeister. „Sie beide haben Hausverbot", deutete er auf mich und Austins Vater. „Bleib ruhig", flüsterte Austin mir von hinten ins Ohr, als ich zum reden ansetzen wollte.
Angepisst stieg ich aus dem Becken und lief zu den Umkleiden. Ich merkte, dass mir jemand dicht auf den Versen war, aber es interessierte mich nicht. Eine Hand hielt mich fest, aber ich schüttelte diese nur ab, bevor ich mich umdrehte.
„Danke", lächelte Austin. „Habe ich gerne gemacht", erwiderte ich nur. „Jetzt hast du wegen mir Hausverbot", schaute er mich entschuldigend an. „Zumindest bin ich nicht der einzige", meinte ich lächelnd, damit er merkte, dass es nicht so schlimm sei. „Casper kommt gleich bestimmt auch noch", sagte Austin.
Passend in dem Moment bekam besagter um die Ecke. Austin bedankte sich nochmal bei mir, bevor ich dann in die Umkleide verschwand.
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Der Verrat in Person
Fiksi RemajaDylan Wheeler, die Vertrauensperson seiner Freundesgruppe. Seit eh und je schreibt er jegliches Geheimnis oder witziges Detail, das nicht jeder weiß, in ein Notizbuch. Das Notizbuch ist sein Heiligtum, welches niemals an die Öffentlichkeit kommen da...
