Austin
Konzentriert griff ich zum wiederholten Mal in die Schüssel Popcorn, die auf meinem Schoß stand. Auf einmal spürte ich, wie sich etwas gegen mich lehnte. Irritiert schaute ich zu meiner Schulter, wo Dylans Kopf ruhte. Kurz musste ich schmunzeln, denn er war eingeschlafen. Ich hatte schon zwischendurch bemerkt, dass seine Augen öfter zu fielen, aber ich dachte nicht, dass er wirklich einschlafen würde.
„Riley", wisperte ich, wodurch sie zu mir hinüber schaute. „Niedlich", kommentierte sie Dylans Anblick. „Sollte ich ihn wecken?", fragte ich unsicher. „Nein, du bist ein Gentleman und trägst ihn gleich schön in dein Bett", riet Riley mir. „Auf jeden Fall", seufzte ich.
Selbst bei Grace hatte ich das früher nie gemacht. Wenn ich so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass ich ein ziemlich beschissener Beziehungspartner war. Erneut schaute ich auf Dylan, der sich immer mehr an mich heran kuschelte. Als der Film vorbei war, griff ich behutsam unter Dylans Kniekehlen und seinen Rücken. Nachdem ich ihn in mein Bett gelegt hatte, lief ich nochmal runter, da ich mir noch etwas zu trinken holen wollte.
„Ihr seid süß", meinte Riley von der Couch aus, als ich in die Küche lief. „Ich bin immer süß", sagte ich. „Solange du schläfst, ja. Ansonsten bist du nervig und blöd. Im gesamten ein Idiot", widersprach sie mir. „Zicke", gab ich gespielt beleidigt zurück.
Mit meinem Glas Wasser setzte ich mich zu ihr, da ich noch nicht wirklich müde war. Sofort lehnte Riley ihren Kopf gegen meine Schulter. Sie schien auch müde, aber ich kannte sie, dass ich wusste, dass sie bis zum Ende, des Filmes, wach bleiben würde. Sie hasste es mitten in Filmen einzuschlafen, aber auch diese nicht zu beenden.
„Du gibst Dylan das Gefühl, dass du ihn nicht magst", murmelte Riley. „Aber ich mag ihn", seufzte ich frustriert auf. „Dann solltest du es ihm Mal zeigen. Ich weiß, dass du Sachen mit ihm macht, die sonst nie zuvor gemacht hast, aber er weiß es nicht", erklärte Riley, damit ich es auch verstand.
Mit einem Nicken nahm ich es zur Kenntnis. Kurz drückte ich ihr einen Kuss auf den Haaransatz. Riley zog sich ihre Decke, die über ihre Beine lag, noch höher, wodurch sie mich halb mit zudeckte. Vorsichtig legte ich meinen Arm um ihre Schultern, damit sie sich an mich kuscheln konnte. Irgendwie kämpfte ich mich noch durch den Film ohne einzuschlafen. Als es endlich zu Ende war, ging ich zusammen mit Riley nach oben.
Mich wunderte es, dass Mom noch nicht zurück war, aber das bedeutete für mich, dass das Date gut laufen musste. Ich gönnte es ihr, aber Verständnis hatte ich nicht wirklich. Nachdem ich mich bis auf die Boxershorts ausgezogen hatte, ließ ich mich neben Dylan in mein Bett nieder.
„Nein", murmelte Dylan im Schlaf, wobei er sich unruhig bewegte. „Mach auf", hörte ich, bevor es wieder ruhig wurde.
Ich merket, wie Dylan näher zu mir rückte, wodurch ich ihn sachte an mich zog. Sein unruhiger Schlaf beunruhigte mich leicht, aber ich schob es auf einen einfachen Alptraum, den jeder Mal hatte.
„Schlaf gut", wisperte ich.
Natürlich bekam ich keine Reaktion, aber das war mir egal. Dylan sollte ruhig weiter schlafen. Am Morgen lag Dylan halb auf mir, was mich nicht im geringsten störte. Seine Haare kitzelten mich am Kinn. Am liebsten hätte ich sein Gesicht betrachtet, aber das konnte ich leider nicht sehen, da er es in meiner Halsbeuge versteckt hatte. Ich versuchte Dylan nicht zu wecken, als ich ihm durch die Haare strich.
„Mhhh", kam es verschlafen von Dylan. „Schlaf weiter", wisperte ich, während ich ihm weiter durch die Haare strich.
Dylan drehte sich leicht, wobei er seine Augen geschlossen hielt. Endlich konnte ich einen Blick auf eine Gesichtshälfte erhaschen. Ich hatte in den letzten Tagen gar nicht bemerkt, dass er leichte Augenringe hatte. Seine Augenbrauen waren zum Verhältnis seiner Haare einen Ticken heller. Wieder einmal drehte sich Dylan, wobei er einen wohligen laut von sich gab. Ich hätte ihn bestimmt noch Stunden beobachten können, aber ich ließ meinen Kopf wieder tief ins Kissen fallen. Behutsam und zugleich unsicher strich ich Dylan über die Seite seines Oberkörpers.
„Das fühlt sich toll an", murmelte Dylan verschlafen.
Er schien gar nicht zu bemerken, wo er überhaupt war. Seine Verschlafenheit war so niedlich, dass ich schmunzeln musste. Die Atmung von ihm verlangsamte sich wieder, wodurch ich darauf schloss, dass er wieder eingeschlafen sein musste. Vorsichtig beugte ich mich über ihn, was es mir bestätigte. Aufstehen schien ganz und gar nicht sein Plan zu sein. Ich versuchte es mir auch wieder gemütlich zu machen und nochmal einzuschlafen. Mir fiel auf, dass ich die Nacht ziemlich gut geschlafen hatte, was wahrscheinlich an Dylans Anwesenheit lag, da es die letzten beiden Male auch so war.
„Austin?", hörte ich Dylan leise fragen. „Was mache ich hier?", drehte er sich zu mir um.
Ich erklärte ihn kurz, wie er in mein Bett gekommen war, wodurch er nur kurz nickte, aber dann seine Augen wieder schloss. Keine Ahnung, ob er es bewusst machte, aber er rückte noch ein Stück näher. Obwohl uns einige Zentimeter trennten, konnte ich seine Körperwärme ganz genau spüren.
„Magst du mich eigentlich?", fragte Dylan. „Würde ich dich sonst hier schlafen lassen?", lachte ich. „Keine Ahnung, vielleicht hat Riley dich gezwungen", spekulierte er. „Nein, das könnte sie nie. Ich habe dich gerne hier, kleiner", strich ich ihm verträumt durch die Haare.
Sofort riss Dylan seine Augen auf. Er schien nicht geschockt zu sein von dem Kosenamen, denn er lächelte mich zurückhaltend an. Seine Augen sahen zwar müde aus, aber strahlten auch etwas undefinierbares aus. Leider musste mein Handy den Moment zerstören, wodurch ich mich seufzend zu meinem Nachttisch drehte. Bevor ich auf den grünen Hörer drückte, erkannte ich, dass der Anruf von Dad war.
„Was gibt es?", fragte ich, wobei ich mich in Schneidersitz setzte. „Ich habe vorhin mit Mister Carter gesprochen. Er ist sehr zufrieden von deinen Leistungen", erzählte er mir, aber klang enttäuscht. „Und nun?", legte ich mein Kinn auf meine Hand. „Du wirst deine Leistungen verbessern, denn zufrieden ist nicht ausreichend. Da du eine Mitgliedskarte hast, wirst du jeden Tag trainieren", mit den Worten und ohne auf eine Antwort zu warten, legte Dad auf.
Der Morgen war bis zu diesem Telefonat wirklich schön. Ich schmiss mein Handy nur auf mein Nachttisch, wobei ich merkte, dass Dylan mich verwundert anschaute. Kurz überlegte ich mit ihm darüber zu reden, aber entschied mich dagegen, da es mir nicht helfen würde. Wahrscheinlich wusste Mom schon Bescheid, wodurch ich auch nicht um Dads Befehl herum kommen würde. Für mich waren die Ferien somit gelaufen. Ich war froh, dass ich nicht mehr täglich schwimmen musste, aber das konnte, wie zu erwarten, nicht lange anhalten.
DU LIEST GERADE
Der Verrat in Person
Teen FictionDylan Wheeler, die Vertrauensperson seiner Freundesgruppe. Seit eh und je schreibt er jegliches Geheimnis oder witziges Detail, das nicht jeder weiß, in ein Notizbuch. Das Notizbuch ist sein Heiligtum, welches niemals an die Öffentlichkeit kommen da...
