Austin
Vorsichtig versuchte ich Dylan zu wecken, da wir schon fast zwölf Uhr hatten. Wir waren noch viel zu lange draußen geblieben. Erst als Dylan fast eingeschlafen war, sind wir reingegangen. Ein genervtes Brummen entkam ihm, wodurch ich ihm einen weiteren Kuss gegen den Hals gab.
„Lass mich liegen", murrte er. „Wir haben schon Mittag", wies ich ihn hin. „Das ist kein Grund, um aufzustehen", widersprach er mir müde. „Wusstest du, dass du niedlich bist, wenn du so verschlafen bist?", raunte ich in sein Ohr.
Langsam öffnete Dylan seine Augen, wodurch ich direkt in das endlose Braun sehen konnte. Ein schiefes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, als er seine Hände hinter meinem Nacken verschränkte.
Sachte zog er mich zu sich heran. Vorsichtig schwang ich mich auf ihn, damit ich mich auf seinen Schoß setzen konnte. An seiner Mimik erkannte ich, dass ich ihm nicht weh tat, denn das war das letzte, was ich wollte.
„Du hast recht, das war kein Grund zum aufstehen", gab ich zu. „Ich habe immer recht", grinste Dylan. „Nein", widersprach ich ihm, wobei ich mich zu ihm runter lehnte.
Das nächste Wort von Dylan wurde von einem zufriedenen Geräusch übertönt, als ich ihn am Hals küsste. Vorsichtig biss ich in die empfindliche Haut.
Dylans Hände fingen an meinen Oberkörper zu studieren, bis sie an meiner Hüfte verblieben. Langsam küsste ich mich weiter an seinem Hals hinab.
Wahrscheinlich hätte mich nichts mehr aufhalten können, aber zu meinem Leidwesen hörte ich die Klingel. Ich versuchte das nervtötende Geräusch zu überhören, aber spürte Dylans Hand unter meinem Kinn.
„Schau nach, wer es ist", bat er mich. „Aber-" „Kein aber, es könnte Riley sein", unterbrach er mich sofort.
Seufzend erhob ich mich von Dylan, denn er konnte recht haben. Ich würde mir ansonsten nur selber Vorwürfe machen. Wo war überhaupt Mom? Sie wollte eigentlich nach dem Essen mit ihren Kolleginnen nach Hause kommen. Genervt öffnete ich die Haustür.
„Ich hoffe, dass ich nicht störe", drängte Casper sich an mir vorbei. „Nein, komm mit hoch", murrte ich.
Kurz bereute ich es, dass ich auf Dylan gehört hatte. Casper setzte sich mit mir zusammen aufs Bett. Erwartungsvoll schauten Dylan und ich ihn an.
„Erzähl schon, bevor du gleich platzt", forderte Dylan grinsend. „Du glaubst nicht, was ich für eine fantastische Nacht hatte. Er war sogar noch da, als ich wach geworden bin", fing Casper an. „Und warum bist du dann hier?", wollte ich wissen. „Weil er zur Arbeit musste", schmollte er.
Verwirrt schaute ich zu Dylan, aber er lächelte nur. Es war irgendwie niedlich zu sehen, wie enttäuscht Casper war, aber es uns unbedingt erzählen wollte.
„Casper, Details", seufzte Dylan. „Du möchtest wirklich Details über seine Nacht haben?", hob ich meine Augenbrauen an. „Ähm, ja? Sonst bekomme ich die auch. Normalerweise muss ich eigentlich nicht nachfragen", meinte er.
Casper musste lachen, aber fing schließlich an zu erzählen. Im Nachhinein wünschte ich mir, dass ich mir das nicht angehört hätte. Dylan hörte noch weiter interessiert zu, als ich mein Zimmer verließ.
Im Badezimmer spritzte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht, da die Details nicht spurlos an mir vorbei gegangen sind. Ein paar Minuten blieb ich noch am Waschbecken stehen, bis ich mich dazu entschied zurück zugehen.
„Hast du wenigstens seine Nummer?", fragte Dylan. „Natürlich, für wie blöd hälst du mich denn?", lachte Casper. „Oke, ist gut", hob er seine Hände, als Dylan ihn nur skeptisch anschaute.
Die beiden hatten es wirklich verdient beste Freunde zu sein. Trotz des ganzen Vorfall vertraute Casper ihm noch immer alles an. Er war der erste, der überzeugt war, dass es nicht Dylans Schuld war. Er hatte ihm als erster verziehen.
Casper war ein toller bester Freund. Selbst mir war er sehr ans Herz gewachsen. Wahrscheinlich hätte ich ihn sonst schon längst rausgeschmissen. Ich selber würde ihn auch als meinen besten Freund bezeichnen.
„Du lügst mich nicht mehr an, wenn du Zweisamkeit haben möchtest. Nun möchte ich auch Details", forderte Casper. „Wir haben Pizza gegessen und haben versucht die Sterne zu betrachten", erzählte Dylan.
Den ungläubigen Blick von Casper hätte ich am liebsten Fotografiert, aber er änderte es zu schnell. Er fing an zu lachen, da er es nicht glauben wollte. Ich bestärkte Dylans Aussage in dem ich es bejahte.
„Du willst mich verarschen", schnaubte Casper. „Nein, wirklich", meinte Dylan. „Cas, wir hatten doch darüber ein Gespräch", erinnerte ich ihn. „Wir treiben es halt nicht direkt nach zwei Stunden, wie du gestern", grinste Dylan. „Eyy", kam es gespielt beleidigt von Cas.
Ja, es hatte nur zwei Stunden und vier Drinks benötigt. Wie Casper neue Bekanntschaft hieß, hatte er uns bisher noch nicht verraten, aber es war im Grunde unwichtig. Er war glücklich und das zählte.
—
Nachdem Casper gegangen war, hatte ich mich mit Dylan nach draußen gesetzt. Er wollte dann doch unbedingt aus dem Bett raus. Der kleinere lag zwischen meinen Beinen auf der Liege. Seinen Kopf hatte er auf meiner Brust abgelegt.
„Ich hoffe, dass Casper es sich nicht versaut. Er braucht auch Mal jemanden in seinem Leben", hoffte Dylan. „Er wird es schon hinbekommen. Letztens hat er sich noch über mangelnden Sex beschwert", meinte ich. „Ja bestimmt", lächelte er verträumt.
Manchmal fragte ich mich, was in Dylans Kopf passiert. So verträumt erlebte ich ihn selten. Ihn schien die Sache mit Casper mehr zu beschäftigen, als es sollte.
In gewisser Hinsicht war ich froh, dass Casper und Dylan nie etwas miteinander angefangen hatte. Ein wenig zweifelte ich manchmal daran, aber wenn es so wäre, wäre es Vergangenheit.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Calvin über die Mauer, der Grundstücke, kletterte. Ich wusste, dass er und Dylan noch immer nicht viel geredet hatten. Dylan mied ihn ziemlich, wodurch er viel bei uns war. Der Umstand war zwar nicht gut, aber ich sah es positiv, da ich mehr Zeit mit ihm hatte.
„Dylan, können wir Mal reden?", fragte Calvin, während er sich nervös über die Arme rieb. „Ja, ich komme gleich rüber", meinte Dylan. „Ich warte auf dich", verließ der jüngere uns wieder.
Dylan seufzte genervt auf. Ich hinterfragte es nicht sofort, da ich mir schon den Grund dafür denken konnte. Wenn er ehrlich wäre, wüsste er, dass es ihn irgendwo tief in seinem Herzen verletzt hatte. Der Verrat. Die Distanz. Das Calvin sich nicht entschuldigt hatte.
„Mal schauen über was Calvin mit mir reden möchte", meinte Dylan mit einem belustigten Unterton, wobei er aufstand. „Lass ihn reden. Vielleicht möchte er sich endlich Mal entschuldigen", meinte ich. „Kann sein, ich komme wieder, wenn wir mit dem Gespräch fertig sind", sagte er.
Zum Abschied gab er mir noch einen Kuss, bevor er dann auch verschwand. Ich schaute ihm noch hinterher, bis er das Haus betrat. Kurz musste ich stolz schmunzeln, da er ohne Murren gegangen war.
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Der Verrat in Person
Ficção AdolescenteDylan Wheeler, die Vertrauensperson seiner Freundesgruppe. Seit eh und je schreibt er jegliches Geheimnis oder witziges Detail, das nicht jeder weiß, in ein Notizbuch. Das Notizbuch ist sein Heiligtum, welches niemals an die Öffentlichkeit kommen da...
