#27 Nur Mal anschauen

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Austin

Frustriert über die Abfuhr von Dylan lag ich am Nachmittag mit einer ganzen Packung Eis in meinem Bett. Die Vorhänge hatte ich zugezogen und mir eine Serie, Türkisch für Anfänger, angemacht. Es war bestimmt schon das zehnte Mal, dass ich mir die Serie anschaute, aber das war mir egal, denn irgendwie konnte ich mich mit Lena identifizieren. Als es an meiner Tür klopfte, ignorierte ich es gekonnt. Die Person versuchte herein zu kommen, aber hatte keine Chance, da ich abgeschlossen hatte. Jemand glitt seufzend die Tür hinab, während ich mich weiter auf den Fernseher konzentrierte. Ich pausierte die Serie erst, als ich die Stimme von Dylan hörte. Es verwunderte mich, dass er vorbei gekommen war.

„Mir tut mein Benehmen leid. Ähm ich habe mich zu sehr darein gesteigert, weil ich mich zu sehr auf dich verlassen habe", versuchte Dylan sich zu entschuldigen. „Ach scheiße, das klingt total bescheuert. Vergiss es, es war bescheuert hier her zu kommen", schmiss er seinen Kopf gegen meine Tür.

Ich wusste, was er sagen wollte, aber ich wollte ihn auch ein wenig zappeln lassen. Zwischenzeitlich hatte ich aus meinem Bett bewegt und mich mit meinem Eis an die Wand neben der Tür gesetzt. Es schien so als ob Dylan nachzudenken schien. Seine Entschuldigung war wirklich nicht sonderlich gelungen, aber für mich zählte der Wille.

„Keine Ahnung, wie ich es so wirklich formulieren soll, aber eins weiß ich. Es tut mir leid", kam es leise von Dylan. „Ich würde gerne wissen, warum du nicht da warst", hörte ich.

Ohne groß drüber nachzudenken, ließ ich meinen Löffel in die Packung Eis fallen, damit ich die Tür aufschließen konnte. Dylan schaute mich erstaunt an, aber betrat mein Zimmer. Ich wies ihn mit einem Handzeichen dazu an, dass er sich neben mich setzen sollte.

„Ich wollte zu deinem Spiel", begann ich, damit er wusste, dass ich dazu den Willen hatte. „Was hat dich denn abgehalten?", wollte Dylan verständlicherweise wissen, während er seine Knie an sich zog.

Sein Seitenprofil war für mich kaum zu ertragen. Er hatte seinen Kopf auf den Knien abgelegt, wodurch er mich von der Seite anschaute. Durch den Druck auf seine Wangen drückten diese leicht gegen sein Auge. Die Haare fielen ihm in die Stirn. Ich musste tief durchatmen, da es mir noch nie einfach fiel über Dad zu sprechen. Während ich erzählte, versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, wie es mir an dem Tag ging. Jeglichen dummen Spruch von Dad hatte ich ausgelassen.

„Ich habe mich echt wie das letzte Arschloch aufgeführt", schmiss Dylan seinen Kopf gegen die Wand. „Ist schon in Ordnung. Ich hätte mich auch durchsetzen können", warf ich mir selber vor. „Nein, Familie geht vor", widersprach er mir empört. „Aber es war dir wichtig", meinte ich. „Klar, aber trotzdem geht Familie vor. Besonders weil du deinen Vater kaum siehst", zeigte er Verständnis, obwohl ich dieses nicht gebraucht hätte, aber ich nickte.

Grinsend griff Dylan nach meinem Löffel, damit er sich was von dem fast geschmolzenen Eis nehmen konnte. Natürlich tropfte es runter, wodurch es sein Kinn hinab lief. Unsicher wischte ich es weg und leckte es von meinem Finger hinab. Dylan musste lachen, was mir ein schmunzeln ins Gesicht beförderte. Als ich auf die Uhr schaute, zerfiel mein schmunzeln. In einer Dreiviertelstunde sollte ich mir den Schwimmverein anschauen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen im Bett liegen zu bleiben, aber Dylans Anwesenheit änderte meine Meinung.

„Dylan? Steht es noch, dass du mit mir zu diesem dämlichen Verein fährst?", fragte ich unsicher nach, da seine Antwort von meiner Entscheidung abhing. „Wenn du es dann endlich Mal auf die Reihe bekommst mir zu schreiben, damit ich deine Nummer habe", stellte er mir als Bedingung, was ich sofort machte.

Wir aßen schnell die letzten Löffel vom Eis, bevor ich meine Tasche packte. Mom hatte am Morgen mit dem Trainer telefoniert, der verlangte, dass ich sofort mitmachen müsste. Auf der eine Seite freute ich mich, da mir das Schwimmen spaß machte, aber es fühlte sich noch immer so an, als ob ich es nur für Dad machen würde. Er sollte zumindest in einem Punkt auf mich stolz sein, wenn ihn schon alles andere nicht interessierte. Als ich meine Sporttasche schulterte, war Dylan klar, dass wir los konnten.

„Mom, ich bin weg, bis später", verabschiedete ich mich von ihr, als wir unten waren. „Du gehst wirklich?", fragte Mom verdutzt. „Sieht wohl so aus", sagte ich.

Ich machte mich mit Dylan auf den Weg zum Auto. Als er das Auto startete, lief ganz laut Musik, welche Dylan sofort leise machte. Er bot mir sogar an, dass ich mein Handy über Bluetooth zu verbinden, was ich sofort tat. Wenige Sekunden später drang meine Musik durch das Auto. Ich hatte mich für einen einfachen beliebten Song von Eminem entschieden. Fast jeder, den ich kannte, mochte seine Musik. Auf dem Navi standen 17 Minuten, bis zur Ankunft. Wir waren viel zu früh losgefahren, aber das schien Dylan nicht zuströmen.

Ich war froh, dass zwischen uns beiden anscheinend wieder alles geklärt war. Immer wieder schaute ich zum Navi, was mich nur noch nervöser machte. Am liebsten wäre ich aus dem fahrenden Auto gesprungen, aber das wollte ich Dylan nicht antun.

„Wie lange geht das?", fragte Dylan, während er einparkte. „Keine Ahnung, aber ich werde schon zurück finden", meinte ich. „Brauchst du nicht, ich komme einfach mit mir. Sollen meine Anwesenheit akzeptieren", lachte er zum Ende hin. „Du musst das nicht", sagte ich. „Ich will aber, also los", stieg er aus.

Von seinem Verhalten stieg ich kopfschüttelnd aus. Mit schnellen Schritten lief Dylan auf das großen Hallenbad zu. Die Front bestand nur aus riesigen Fenstern bis unters Dach. Über der Eingangstür, die ebenfalls aus Glas bestand, zog sich ein großer schwarzer Schriftzug.

Sumville Hallenbad

Mit zittrigen Händen öffnete ich die Tür. Ich wusste, dass der Trainer auf mich warten würde im Eingangsbereich. Sofort entdeckte ich ihn am Tresen, wo er mit einer jüngeren Dame unterhielt. Unterhalten war wohl das falsche Wort, denn es sah mehr nach flirten aus. Dylan unterbrach die beiden in dem er sich eine Eintrittskarte kaufte, wodurch der Blick, des Trainers auf mich fiel.

„Du musst Austin Hunter sein, oder?", sprach er mich an, wodurch ich nickte. „Super, ich bin Mister Carter, aber die meisten aus dem Team sagen nur Coach oder Trainer", stellte er sich mit ausgestreckter Hand vor.

Mit ein bisschen mehr Selbstvertrauen nahm ich seine Hand entgegen. Erst in dem Moment hob ich meinen Blick so wirklich an. Ein Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.

„Ich hoffe, dass du so gut bist, wie dein Vater mir berichtet hat", sagte er, aber ich unterbrach ihn sofort. „Mein Vater?", fragte ich ungläubig. „Ja, er hatte mich vor einer Stunde angerufen. Ich war schon verwundert, da ich heute morgen noch mit deiner Mutter telefoniert hatte. Naja, auch egal. Die Gemeinschaftsumkleide ist am Ende des Ganges, die vorletzte Tür links. Rebecca wird dir am Ende des Trainings eine Mitgliedskarte aushändigen, damit du jederzeit Kostenfrei in die Halle kommst", informierte er mich, wobei er zum Ende auf die Blondine hinter dem Tresen deutete.

Überflutet von den ganzen Informationen konnte ich nur nicken. Ich konnte es kaum glauben, dass mein Vater sich schon wieder eingemischt hatte. Egal, wie weit er entfernt war, schaffte er es sich in meine Angelegenheiten einzumischen. Mir wurde bewusst, dass ich es mir nicht nur anschaute, sondern schon fest im Team zu sein schien, denn sonst würde ich niemals eine Mitgliedskarte erhalten.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt