#39 Simpel, aber kompliziert

100 10 0
                                        

Austin

Nach Dylans plötzlichem Verschwinden blickte ich ihm verwirrt hinterher. Ich vermutete, dass er  wahrscheinlich nur etwas vergessen hatte, wodurch ich mir keine weiteren Gedanken machte. Riley schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, woraus ich deutete, dass ich anscheinend etwas falsch gemacht haben musste.

„Sei ehrlich, irgendwas läuft zwischen dir und Dylan", behauptete Riley. „Keine Ahnung", seufzte ich. „Wie kann man da keine Ahnung haben? Du müsstest doch am besten wissen, was ihr macht", fuchtelte sie aufgebracht mit ihren Händen vor mir herum. „Riley, es ist kompliziert", legte ich mein Gesicht in die Hände.

Ich konnte mir schon vorstellen, dass Riley mich hochgezogenen Augenbrauen anschaute, aber ich wollte gar nicht sehen. Sie musste mich für irre halten, wenn ich so etwas eigentlich simples als kompliziert bezeichnete. Für mich war es schwer die ganze Situation einzuschätzen. Zwar wollte ich Dylan seine Zeit lassen über seine letzte Beziehung zu reden, aber ich spürte, dass diese Information zwischen uns stand.

„Ruby hat mir von einer Party erzählt. Wieder bei diesem Brandon", wechselte Riley das Thema, da sie merkte, dass ich nicht über Dylan reden wollte. „Heute?", fragte ich, wodurch sie einen bestätigenden Laut von sich gab. „Ich bin dabei", lächelte ich.

Am Abend saß ich vor dem Haus des Gastgebers. Casper hatte sich zu mir gesetzt, als er mich entdeckt hatte. Dieses Mal war er nicht so betrunken wie bei der letzten Party. Entspannt nippte ich erneut an meinem Drink, welcher ein brennen in meinem Hals auslöste. In dem Moment wollte ich nur die Situation mit Dylan am Mittag vergessen. Ich hatte es so verhauen, wie mir später bewusst wurde. Zwar hatte ich ihm geschrieben, aber keine Reaktion zurückbekommen, was mein Gedankenchaos nicht besser machte.

„Du siehst mir nicht wie der Typ Mensch aus, der sich so das Zeug hinter kippt", merkte Casper an. „Manchmal ist es nötig", schwankte ich den Drink in meiner Tasche hin und her. „Möchtest du drüber reden?", fragte er. „Nein, außer du kannst mir sagen, was in Dylans letzter Beziehung passiert ist", schnaubte ich.

Wie zu erwarten bekam ich keine Antwort. Es schien so, als ob ich die Antwort wirklich nur von Dylan erhalten könnte. Die Wahrheit schien mir so weit entfernt, aber auch zum Greifen nahe.

„Komm wir gehen rein", stand Casper auf, wobei er mir gegen die Schulter schlug.

Da ich einen neuen Drink brauchte, folgte ich Casper in das Innere des Hauses. Die Musik wurde ein wenig leiser gedreht. Die improvisierte Tanzfläche war durch einen Sitzkreis geweicht. Erst als ich die Flasche in der Mitte sah, wurde mir bewusst, was der Sitzkreis bedeutete. Wahrheit oder Pflicht. Nachdem ich einen neuen Drink hatte, zog Casper mich mit in den Kreis.

Bei jeder Drehung der Flasche, hoffte ich, dass mich nicht traf. Ich hatte keine Lust auf dieses blöde Spiel, aber mir blieb nichts besseres über. Das erste Mal ließ ich meine Augen durch den Kreis gleiten, als ich Calvins Stimme hörte. Meine Vermutung ging auf, denn Dylan saß schräg gegenüber von mir. Noch nichtmal hier konnte ich vor ihm flüchten.

„Austin", riss mich eine Stimme aus meinen Beobachtungen. „Pflicht", gab ich abwesend von mir. „Mit der Person auf die die Flasche als nächstes zeigt, musst du in den Wandschrank. 5 Minuten. Einer muss mit einem Knutschfleck rauskommen", erzählte sie mir.

Ich kam mir wie in einem bescheuerten Film vor. Die letzten Pflichten hatte ich nicht wirklich mitbekommen, was meine Entscheidung geändert hätte, wenn ich es gewusst hätte. Gespannt beobachtete ich die Flasche, wobei ich hoffte, dass sie nicht auf Dylan zeigen würde. Die Umdrehungen wurden langsamer. Fast hätte ich gejubelt, als sie bei einem Mädel stehen blieb.

„Bringen wir es hinter", wollte sich das Mädel im Wandschrank zu mir hoch strecken, aber ich drückte sie leicht von mir. „Wie heisst du?", wollte ich wissen.

Verwirrt musterte sie mich. Es war das letzte, was sie erwartete. Ich wollte zumindest einen Namen zu der mir unbekannten Person.

„Kate", streckte sie sich wieder zu mir hoch. „Schöner Name", hauchte ich ihr gegen den Hals, als ich sie gegen die Wand vom Schrank drückte.

Ich wollte vergessen und das war wohl die perfekte Situation dafür. Zumindest dachte das mein in Alkohol getränktes Gehirn. Zu der Tatsache war ich der Typ Mensch, der Knutschflecken hasste.

Wie automatisch hob Kate ihre Beine an, um diese um meine Hüfte zu schlingen. Erst vorsichtig, aber dann verlangend küsste ich ihren Hals. Meine Hände wanderten unter ihr Oberteil, während ich unsere eigentliche Pflicht erledigte. Ein leises stöhnen ertönt aus ihrem Mund, als ich meine Hand unter ihren BH schiebe. Erst als ich Schritte höre, lass ich sie von mir runter. Die hellbraunen Haare waren verstrubbelt, aber meine sahen wahrscheinlich nicht besser aus. Das Mädel von vorhin öffnete die Tür, womit klar war, dass die fünf Minuten vorbei waren.

„Lass uns wo anders weiter machen", flüsterte Kate mir ins Ohr, als wir aus dem Schrank traten.

Kurz blickte ich zum Sitzkreis. Meine Augen suchten nur eine Person, Dylan. Nirgendwo war eine Spur von ihm. Scheiße. Kate winkte mich von etwas weiter zu sich. Kurz überlegte ich, aber kam zum Entschluss, dass es nichts mehr an der Situation ändern würde.

„Wo möchtest du hin", strich ich ihr eine Strähne hinters Ohr. „Wir könnten zu mir, ich wohne nur zwei Häuser weiter", verriet sie mir.

Einverstanden nickte ich. Ohne weitere Umschweife folgte ich ihr. Während ich noch über meine Entscheidung nachdachte, standen wir schon vor der Haustür. Ein wenig unbeholfen öffnete Kate diese. Verlangend griff sie nach meiner Hand, um mich in ihr Zimmer zu ziehen. Ziemlich direkt schmiss sie mich auf ihr Bett und setzte sich auf meinen Schoß.

„Ich war noch nie einer Flasche so dankbar", wisperte Kate während zwei Küssen. „Weniger reden", vereinte ich unsere Lippen wieder.

Wie im Wandschrank wanderten meine Hände unter ihr Oberteil. Vorsichtig fuhr ich ihre Kurven entlang. Zwischen zwei Küssen, zog sie mir das Oberteil über den Kopf, was ich ihr gleich tat. Als meine Finger den Verschluss des BH's berührten, durchfuhr ein Schauer meinen Körper. Mir wurde etwas bewusst. Das hier war falsch und das konnte kein Alkohol der Welt rechtfertigen. Vorsichtig schob ich Kate von mir herunter. Irritiert schaute sie mich an.

„Entschuldige, aber ich kann das nicht", schnappte ich mir mein Shirt. „Arschloch", rief sie mir hinterher.

Scheiße, wie konnte ich nur so blöd sein. Ich ging nicht mehr zurück zur Party, denn ich wusste, dass Dylan nicht mehr dort war. Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, was ich ihm sagen sollte, wenn ich ihn sehe. Ich war mir noch nicht mal sicher, ob er überhaupt mit mir reden wollte. Wie konnte so etwas simples auf einmal so kompliziert sein?

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt