#63 Abgewiesen

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Austin

Ich war schon verwundert, als Dylan mich fragte, ob ich ihm zuhören würde, aber das, was folgte hätte ich nicht erwartet. Dylan hatte mir von seinem schreckliche ersten Mal erzählt.

„War es nur das eine Mal oder öfter?", fragte ich vorsichtig nach. „Es ist jedes Mal so gelaufen. Der einzige Unterschied war, dass es irgendwann nicht mehr so schrecklich weh tat", schniefte Dylan.

Zwar konnte ich mir nicht ansatzweise vorstellen, wie schlimm es für Dylan gewesen sein muss, aber ich hatte Verständnis, dass er Angst hatte. Seine Reaktion war komplett berechtigt.

Dylan wusste wahrscheinlich, dass ich ihn nicht so behandeln würde, wie Alex. Trotzdem traute er sich nicht wirklich zu sagen, dass er es nicht wollte. Zusätzlich verband er Sex mit etwas schlechtem.

„Ich wollte dich nicht abweisen", murmelte Dylan leise. „Es ist in Ordnung. Du hast jederzeit das Recht nein zu sagen", gab ich ihm einen Kuss gegen seine Schläfe.

Zögerlich nickte er. Behutsam kraulte ich durch seine Haare. Vorsichtig rutschte Dylan runter, damit er sich zu decken konnte. Auf einmal spürte ich seine Finger an meinem Bauch, die imaginäre Kreise zeichneten.

„Du bist mit Casper der einzige, der davon weiß", verriet Dylan mir. „Danke, dass du es mir erzählt hast", lächelte ich, obwohl er es nicht sah.

Dylan konzentrierte sich vollkommen auf die Kreise, die er auf meinem Bauch malte. Von mir aus hätten wir das noch Stunden machen können, aber er schlief nach kurzer Zeit ein. Seine Hand ruhte noch immer auf meinem Bauch.

Als ich ebenfalls runter rutschte, legte ich meinen Arm um ihn.

Als ich am Morgen aufwachte, saß Dylan an der Bettkannte. Direkt rollte ich zu ihm rüber, um meine Arme um seinen Bauch zu schlingen.

„Erschreck mich nicht so", zuckte Dylan zusammen. „Was machst du?", schaute ich zu ihm hoch. „Wollte ins Bad", griff er nach seinen Krücken.

Verwundert schaute ich ihm hinterher. Ihn schien irgendwas zu beschäftigen. Ich vermutete, dass es mit dem zusammenhängen musste, was er mir erzählt hatte.

Am liebsten würde ich nochmal mit Dylan darüber reden, aber ich wusste nicht, wie ich so ein Gespräch angefangen sollte. Es schien so kompliziert, da das Thema empfindlich war.

Als er wieder ins Zimmer kam, erkannte ich direkt, dass er geweint haben musste. Langsam kam er auf mich zu, um sich aufs Bett setzen zu können.

„Was ist los?", wollte ich wissen, als ich meinen Arm um ihn legte. „Ich fühlte mich schlecht", gab Dylan zu, was ich sofort hinterfragte. „Du bist so toll, liebevoll und vorsichtig. Ich bekomme es noch nichtmal hin, dass ich über so eine scheiße wegkomme. Es scheint mir alles zwischen uns kaputt zu machen", erklärte er.

Ich konnte nicht nachvollziehen, warum Dylan so dachte. Es machte nichts zwischen uns kaputt, was ich ihm auch sagte.

Dieses Gespräch zeigte mir nur, wie sehr Alex auf ihn gewirkt hatte. Dylan hatte in manchen Situationen einen falsches Bild von sich selber.

„Du weisst, dass ich dir deine Zeit lasse", erinnerte ich ihn. „Natürlich, aber ich fühle mich trotzdem schlecht", meinte er. „Dann vertreiben wir die schlechten Gedanken. Serie und Süßkram?", wollte ich wissen.

Ein bereites Grinsen bildete sich auf Dylans Lippen, was ich als Bestätigung nahm. Ich staunte nicht schlecht, als er etliche Süßigkeiten aus seinem Nachttisch holte.

Dylan kuschelte sich sofort an mich, als wir eine Serie ausgesucht hatten. Er schien mir noch immer einen ängstlichen Eindruck zu machen. Genau so war er in seinen Gedanken verloren.

„Ich will was trinken", murmelte Dylan nach zwei Folgen. „Alkohol ist keine Lösung", erinnerte ich ihn. „Aber ein Weg", widersprach er mir. „Reden soll auch ein Weg sein", meinte ich.

Anstatt Worte zu hören, spürte ich zwei zärtliche Küsse gegen meine Brust. Was sollte das werden? Skeptisch schaute ich zu Dylan. Als er unterhalb meiner Rippen ankam, musste ich ihn stoppen. Ich hatte eine Vermutung, was sein Plan war.

Dylan versuchte sich selber etwas zu beweisen. Als er zu mir hoch schaute, schüttelte ich mit dem Kopf. Unter den Umständen wollte ich es nicht.

„Rede mit mir", bat ich ihn. „Komm her", öffnete ich meine Arme, als er nicht antwortete.

Zögerlich rutschte Dylan hoch, um seinen Kopf auf meine Brust abzulegen. Sofort legte ich meine Arme um ihn, wodurch ich ihn über dem Rücken streichelte.

„Du wolltest du dir etwas beweisen, oder?", wollte ich wissen, wodurch Dylan nickte. „Warum?", hinterfragte ich. „Ich dachte, dass ich dann vielleicht mit allem besser klarkommen würde", erklärte er leise.

Soweit schien dann meine Vermutung zu stimmen. Nur das Warum war für mich nicht geklärt. Ich wollte es wissen, damit ich ihn besser verstand.

„Mitspracherecht", war das einzige Wort, was ich als Erklärung bekam. „Das hast du bei mir immer", meinte ich. „Ja, aber-", wollte er ansetzen. „Kein Aber. Es ist so und wird immer so bleiben. Du, ganz alleine du, entscheidest wer an deinen Körper darf. Genau so entscheidest nur du, was mit deiner Person passiert", unterbrach ich ihn.

Ein zögerliches Nicken seinerseits folgte. Wahrscheinlich war ich mir noch nie so unsicher, wie in diesem Moment, wie ich mit Dylan umgehen sollte. Alles, was ich ihm sagte, waren Sachen, die er eigentlich wusste. Zumindest vermutete ich, dass er es wusste.

Auf einmal stand Dylan und griff nach seinen Krücken. Ich folgte ihm nicht direkt, da ich dachte, dass er nur ins Badezimmer wollte. Als er nach mehreren Minuten nicht wieder kam, schaute ich nach. Bevor ich an der Badezimmertür klopfte, hörte ich seine Stimme von unten.

Sofort eilte ich nach unten. Dylan saß mit einer Flasche Whiskey am Küchentisch, während er Selbstgespräche führte. Vom Türrahmen aus beobachtete ich ihn.

„Wie konnte ich nur so dämlich sein? Ich laber, was von Mitspracherecht und nehme es gleichzeitig Austin. Selber bin ich doch kein Stück besser als Alex", redete er.

In gewisser Hinsicht musste ich ihm recht geben, aber ich hatte ihn nicht abgewiesen, weil ich nicht wollte. Dylan schien nicht zu verstehen, was mein Problem gewesen war.

Langsam schritt ich auf Dylan zu. Er schien mich erst zu bemerken, als ich meine Hände auf seine Schultern legte.

„Hör auf dir Vorwürfe zu machen. Ich wollte es nur nicht, weil du dir selber etwas beweisen wolltest. Zusätzlich solltest du es wegen deinem Bein noch nicht", erklärte ich ihm. „Wenn das nicht so gewesen wäre, hättest du es zugelassen?", hinterfragte Dylan, was ich bejahte.

Dylan legte seinen Kopf in den Nacken, um zu mir hoch zu schauen. Ein bezauberndes Lächeln lag auf seinen Lippen. Sofort gab ich ihm einen Kuss.

Nach dem Kuss setzte ich mich neben ihn. Ich hielt ihn nicht ab zu trinken, denn ich wusste, dass es nichts bringen würde. Er musste selber merken, dass es dadurch nicht besser werden würde. Oft genug hatte er es Casper selber gepredigt.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt