Dylan
Dunkel. Es war das letzte, woran ich mich noch wirklich erinnerte. Dunkelheit. Sie schien mich zu umzugebenden und nicht frei lassen zu wollen. Zumindest für den Moment.
Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Körper, als die Helligkeit mich in ihren Bann zog. Ich wollte zurück in die Dunkelheit, denn dort schmerzte nichts mehr. Nur mein Körper war da anderer Meinung.
Es kam mir vor, als ob eine Menge Adrenalin durch meine Adern fließen würde. Wie automatisch riss ich meine Augen auf. Ein dunkles Zimmer kam mir zum Vorschein.
Verwirrt tastete ich umher, bis mir der Schmerz wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Scheiße. Was war passiert? Blind tastete ich weiter. Meine Finger verfingen sich in Haare. Haare?
Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, aber es war nicht mehr die gleiche, wie vorhin. Ich spürte einen Zugang, der mir auf den Handrücken gelegt wurde.
„Was ist passiert?", fragte ich ins Nichts.
Die Person, dessen Haare ich noch immer festhielt, schreckte hoch, wobei ihr ein schmerzender Ton entwich. Mehr als einen Umriss erkannte ich nicht, wodurch ich noch immer nicht wusste, wer es war. Gab es hier etwa kein Licht?
„Wie geht es dir?", fragte die Person, welche ich als Ruby identifizierte. „Prächtig, ich würde am liebsten aufstehen und einen Salto machen", gab ich sarkastisch von mir. „Man hätte lieber deinen Kopf treffen sollen", seufzte sie.
Ganz ehrlich, ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich etwas am Kopf hatte. Da meine Frage unbeantwortet blieb, wusste ich nämlich noch immer nicht, was passiert war. Mein sonst so gutes Gedächtnis ließ mich im Stich.
„Spürst du dein Bein?", erkundigte Ruby sich. „Mehr als mir lieb ist", gab ich zu.
Kleine Fetzen meiner Erinnerungen kamen wieder. Alex. Messer. Ich hatte mich selber in Gefahr gebracht, obwohl Austin mich weggeschickt hatte. Austin? Wo war er? Wurde er auch verletzt? Sofort stellte ich meine Fragen Ruby, die nur genervt seufzte.
„Die wandelnde Leiche holt Kaffee", verriet sie mir schließlich. „Warum sitzen wir hier eigentlich im Dunkeln?", wollte ich wissen.
Kaum hatte ich die Frage gestellt, wurde das Licht eingeschaltet. Die Deckenleuchten wurden über zwei Lichtschalter betätigt, wodurch nur der vordere Teil, des Zimmer beleuchtet wurde.
Austin sah fertig mit der Welt aus. Seine Augen waren mit leichten Augenringen geziert. An seiner Schläfe befand sich eine kleine Platzwunde. Das Oberteil so wie die Hose mit Blut befleckt.
„Warum sagt mir denn niemand, dass du wach bist?", kam Austin schnellen Schrittes auf mich zu. „Dann weißt du es jetzt", grinste ich.
Kurz schüttelte er seinen Kopf, bevor er sich neben mich setzte. Über mich drüber reichte er Ruby einen der beiden Kaffees, welchen sie dankbar annahm. Austin erkundigte sich nun ebenfalls nach meinem Zustand, den ich ihn kurz beschrieb.
„Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, dass du schmerzen in deinem Bein fühlst", gab Austin erleichtert zu. „Danke", murrte ich.
Ich wusste worauf er hinaus wollte, aber ich war genau so froh drum. Die beiden klärten mich schließlich auch auf, was überhaupt zu der ganzen Situation geführt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich, als ob ich Alex jemals etwas schuldig gewesen wäre, aber selbst das war vergangen.
Meinem Bruder hätte ich das alles niemals zugetraut. Calvin konnte sich auf etwas gefasst machen, wenn ich ihn sehen würde. Am liebsten hätte ich ihn in kleine Stücke zerrissen. Es verletzte mich, wie er über mich dachte. Nie hatte ich ihn aus Mitleid oder ähnlichem irgendwo mit hin geschleppt.
„Du solltest schlafen", legte Austin seine Hand auf meine. „Ich habe ja bloß nichts anderes die letzten keine Ahnung wie viel Stunden gemacht", keifte ich ihn an. „Idiot", schmunzelte er. „Bist du dir ganz sicher, dass er nichts am Kopf abbekommen hat?", fragte Ruby. „Ihr seid blöd", seufzte ich.
Beide fingen an zu lachen. Ich wusste nicht, wen ich eher verstört ansehen sollte, wodurch ich nur gerade aus auf die Wand starrte.
„Bekommt man hier eigentlich auch so etwas wie Schmerzmittel?", fragte ich schon fast verzweifelt. „Du hast da einen wunderschönen Knopf, den man dafür benutzt, um eine Schwester zu rufen", wies Austin mich hin.
Mit hochgezogenen Augenbrauen schaute ich ihn an. Zwar hatte ich schmerzen, aber ich wollte auch keinen damit belästigen. Die Schwestern waren froh, wenn sie ihre Ruhe hatten. Zusätzlich hatte ich noch nichtmal eine Ahnung wie viel Uhr wir hatten.
Es war irgendwie komisch. Komisch toll. Mit meinem Freund und meiner besten Freundin zusammen in diesem Krankenzimmer zu sein. Zumindest schätzte ich, dass Ruby mir wieder verziehen hatte. Anders könnte ich mir ihre Anwesenheit nicht erklären.
„Weiß eigentlich jemand, wie lange ich hier bleiben muss?", interessierte ich mich. „Fünf bis sechs Wochen", nannte Ruby den Zeitraum.
Das waren fünf bis sechs Wochen zu lang. Ich langweilte mich schon zu viel, wenn ich nur krank war. Ruby schaute mich mit einem aufmunternden Lächeln an, obwohl ihr klar war, dass man nichts an der Situation ändern konnte.
Zögerlich hob ich die Decke an, um das Ergebnis, der ganzen Aktion, anzuschauen. Leider befand sich an meinem Oberschenkel ein Verband, wodurch ich keine Einsicht hatte. Ich wollte den Verband schon abwickeln, aber Austin hielt mein Handgelenk fest.
„Pfoten weg", befahl er mir. „Du bist wie ein kleines Kind." „Nein, er ist leichtsinnig", widersprach Ruby ihm.
—
Schließlich war ich trotz der Schmerzen und der Rederei von Ruby so wie Austin eingeschlafen. Erst am Mittag wurde ich wach, da ich spürte, wie mir etwas über den Zugang gespritzt wurde.
„Was war das?", wollte ich perplex wissen. „Schmerzmittel", antwortete die Schwester ganz schlicht. „Wann bekomme ich den Verband ab?", nervte ich sie weiter. „Das kann ich Ihnen gerade nicht so genau sagen", gab sie ehrlich zu.
Die Schwester nahm mir noch kurz Blut ab, bevor sie aus dem Zimmer verschwand. Super, das waren ja Mal sehr viele Informationen. Die Frau kam mir so desinteressiert und nicht bei der Sache vor. Naja, jeder hatte einen schlechten Tag. Ich wollte schon gelangweilt nach meinem Handy greifen, aber die Tür öffnete sich.
„Austin", freute ich mich. „Hast du mich schon so vermisst?", lachte er, wobei er irgendwas hinter seinen Armen versteckte. „Mir ist so langweilig", schmollte ich, obwohl ich noch nicht lange wach war. „Glaube ich dir", setzte er sich neben mich.
Im nächsten Moment holte Austin einen kleinen Blumenstrauß hinter seinem Rücken raus. Ungläubig schaute ich zwischen ihm und den Blumen her. Ich wollte Austin schon um den Hals fallen, aber ein schmerzender Stich hielt mich mitten in der Bewegung auf. Seufzend ließ ich mich wieder zurückfallen.
„Danke", wisperte ich lächelnd. „Ist zwar nichts großes, aber sehr gerne", meinte er.
Kurz ärgerte ich mich, dass ich keine Vase hatte. Lange hatte ich dazu keine Zeit, denn Austin setzte sich zu mir aufs Bett, damit er mich küssen konnte. Vorsichtig stützte er sich neben meinem Oberschenkel ab, wobei er darauf achtete, dass er diesen nicht berührte.
Mittlerweile war mir die helle Seite des Lebens lieber als die dunkle.
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Der Verrat in Person
Teen FictionDylan Wheeler, die Vertrauensperson seiner Freundesgruppe. Seit eh und je schreibt er jegliches Geheimnis oder witziges Detail, das nicht jeder weiß, in ein Notizbuch. Das Notizbuch ist sein Heiligtum, welches niemals an die Öffentlichkeit kommen da...
