#17 Spazieren

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Austin

Ich dachte, dass Dylan mich von sich wegschubsen würde, wenn ich ihn für so einen Mist küsste. Es wunderte mich, dass er es sogar erwiderte. Entweder es machte ihm wirklich nichts aus oder er spielte nur gut mit. Im gesamten war die Situation schon ziemlich peinlich. Als wir uns voneinander lösten, waren Dylans Auge mit einer großen Priese Schock gezeichnet.

„Ekelhaft, ich gehe", verließ Grace das Wohnzimmer und daraufhin auch das Haus. „Danke", flüsterte ich Dylan verlegen zu. „Du kannst von Glück reden, dass ich das so mitgespielt habe", schaute er mich mit hochgezogen Augenbrauen an. „Du hättest das wirklich nicht machen müssen. Möchtest du etwas dafür haben?", fragte ich ihn. „Darauf werde ich nochmal zurückkommen", lief er Richtung Terrassentür.

Riley stand noch immer geschockt an der gleichen Stelle. Das Glas auch noch am Boden zersplittert. Vorsichtig schritt ich auf sie zu, wobei ich aufpasste mir keine Scherbe in die Haut zu stechen. Sachte legte ich meine Arme um ihren zitternden Körper. Ich verstand nicht so genau, warum sie so geschockt war.

„Alles gut, ich bin bei dir", streichelte ich ihr beruhigend über den Rücken. „Warum hast du dich nicht gewehrt?", fragte Riley. „Weil ich mich nicht auf das Niveau hinab lassen wollte. Zusätzlich war das meiste eh gelogen", erklärte ich. „Wenn es darum geht, mich zu verteidigen hast du so eine Riesen Fresse, aber bei dir selber nicht", entfernte sie sich wütend von mir. „Gott Riley. Grace ist und bleibt mein Problem", seufzte ich, wobei ich meine Hände theatralisch in die Luft warf.

Wütend stampfte Riley nach oben. Meiner Meinung nach hatte sie eindeutig ihre Tage. Genervt kratzte ich mir am Hinterkopf, bevor ich mir einen Handfeger für die Scherben besorgte. Wenn Mom da gewesen wäre, hätte sie sich wahrscheinlich wegen dem Verlust eines Glases aufgeregt, aber sie war zum Glück zur Arbeit gefahren. Nachdem ich die Scherben entsorgt hatte, setzte ich mich raus in den Garten. Achtlos landete mein Shirt neben dem Liegestuhl. Mein Blick schweifte rüber in den anderen Garten, wobei ich mich in Grund und Erde hätte schämen können. Dylan saß mit Calvin am Tisch und tat so als ob nichts gewesen wäre. Vielleicht wäre es besser, wenn ich genau so dachte.

„Austin", stand Calvin auf einmal an der Mauer, wodurch ich zu ihm schaute. „Kommst du am Wochenende mit auf eine Party? Ein paar andere Menschen kennenlernen", fragte er. „Mal schauen, aber ich denke schon", antwortete ich. „Auf jeden Fall", kam es von Riley, die auf einmal hinter meinem Stuhl stand.

Verwundert drehte ich mich zu ihr um. Riley war normalerweise die letzte, die einer Party zustimmte. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Bevor Calvin sich von der Mauer entfernte, lächelte er uns nochmal freudig entgegen. Ich spürte Rileys Hände auf meinen Schultern, als sie sich zu meinem Ohr hinab lehnte.

„Du darfst mein Outfit aussuchen", flüsterte sie mir zu. „Gerne, wen möchtest du denn beeindrucken?", fragte ich dreist nach. „Ruby", gestand sie mir offen. „Ich wusste es", drehte ich mich schlagartig um. „Klappe, ich bin wenigstens nicht so auffällig wie du", zog sie ihre Augenbrauen hoch. „Was? Nein", empört schaute ich sie an.

Über Rileys Gesicht zog sich ein wissendes Grinsen, was mich nervös machte. Ihre Grübchen stachen, wie lange schon nicht mehr, heraus. Faszinierend studierte ich ihre Gesichtszüge, die ich so an ihr liebte, aber zu selten sah. Sie war fast schon ein Abbild unserer Mutter. Im Gegensatz zu mir, hatte sie vieles von ihr geerbt. Die Haare, die Augen, die Grübschen und ihre wundervollen vollen Lippen. Ich hatte im Gegensatz viel von Dad. Wir waren die Mini Versionen unserer Eltern.

„Ist Grace wirklich dreihundert Kilometer gefahren, damit sie dir die ganze unnötige scheiße an den Kopf schmeißen konnte?", wechselte Riley das Thema. „Scheint so", zuckte ich mit den Schulter. „Psycho", kreiste ihr Finger neben ihrem Kopf, wodurch ich kurz auflachte.

Grace hatte schon immer so komische Anwandlungen. Sie zwang mich sogar ihre meine ganzen Passwörter für meine Social Media Accounts zu geben. Die Liebe zu ihr überstieg meinen eigenen Willen, wodurch sie alles bekam, was sie wollte. Ein Psychologe wäre der lieben Grace wärmsten zu empfehlen, aber der müsste sich am Ende selber Therapieren.

„Was machen wir heute noch?", fragte ich interessiert. „Wir könnten die Gegend ein bisschen erkunden", schlug Riley vor. „Hört sich nicht schlecht an", hob ich mein Oberteil vom Boden auf, damit ich es mir überziehen konnte.

Als wir rein gingen, stellte ich die Terassentür auf Kippe. Ich schnappte mir noch meine Cap aus dem Wohnzimmer, bevor ich Riley hinterher lief. Sie hatte sich auf die schnelle die blonden Haare zusammengebunden, um weniger im Nacken zu schwitzen. Lächelnd hielt sie mir eine Tube Sonnencreme entgegen, die ich dankend ablehnte.
Gemeinsam liefen wir die Straße, in der lebten, entlang. Erst bei diesem Spaziergang fiel mir auf, dass es recht viele Grünflächen gab. Ein paar Menschen schmissen sich gegenseitig eine Frisbee zu, während andere Fußball spielten. Die meisten Häuser sahen ziemlich neu und modern aus. Ein kleiner Spielplatz war nicht weit von unserem Haus entfernt. Wenige Eltern saßen am Rand auf Sitzbänken und beobachteten ihre Kinder beim spielen und klettern. Eine Mutter hockte bei ihrem Kind, welches weinte, da der Arm aufgeschürft war.

„Ich hasse Kinder", seufzte Riley. „Wir waren auch mal welche", erinnerte ich sie. „Klar, aber wir waren doch nie so nervig", widersprach sie mir. „Hatten wir auch nie die Möglichkeit zu", gab ich ihr recht.

Die meiste Zeit unserer Kindheit hatten Mom und Dad uns mit ins Büro genommen. Selten hatten wir Spielplätze besucht, da dafür nie die Zeit war. Die Erinnerung an solche Tage waren in meinem Kopf sehr verschwommen, aber ich wusste, dass ich dadurch eine Abneigung gegen diesen Ort entwickelt hatte. Es hatte mir nie großen spaß gemacht, weil es mir zu viele Reize aufeinmal waren. Ich war die kalten, weißen Büro Räume gewöhnt in denen man sich am besten nicht bewegte.

„Schau Mal, eine Eisdiele", zeigte Riley fröhlich auf einen Laden, als wir um eine Ecke bogen. „Kann es sein, dass du deine Tage hast?", fragte ich ganz direkt. „Ja und deswegen brauche ich jetzt ganz viel Eis", nahm sie meine Handy, um mich Richtung Eisdiele zu ziehen. „Und weil es warm ist", fügte sie noch hinzu.

Wir ließen uns an einem Tisch nieder, an dem wir ziemlich schnell bedient wurde. Riley bestellte sich einen riesigen Eisbecher, während ich mich mit nur einer Kugeln zufrieden gab. Eigentlich wollte ich gar nichts, aber ich wusste, dass Riley es nicht mochte, wenn sie alleine etwas in der Öffentlichkeit aß.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt