#11 Rausgeschmissen

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Austin

Innerhalb von wenigen Sekunden wurde mein Zimmer erobert, als Ruby und Riley hinein kamen. Mich hatte es schon gewundert, dass Riley die Konsole nicht zu sich ins Zimmer mitnehmen wollte. Nun verstand ich, dass die sie mein Zimmer belagern wollte. Beide hatten es sich mit Snacks auf meinem Bett bequem gemacht.

„Du weißt, dass du ein eigenes Zimmer hast, oder?", fragte ich nach. „Nein, das muss mir wohl entgangen sein", schaute Riley zu mir hinüber.

Ruby schaute mich entschuldigend an, aber schien nichts dazu sagen zu wollen. Oder sie traute es sich unter Riley Blick nicht. Ohne die beiden weiter stören zu wollen, setzte ich mich aufrecht gegen das Kopfende meines Bettes. Kurz schaute ich durchs Fenster, damit ich sehen konnte, ob Dylan in seinem Zimmer war. Bei ihm war alles Dunkel. Nur in der Etage darunter brannte Licht.

„Was hältst du davon uns alleine zu lassen?", fragte Riley nach einer gefühlten Ewigkeit. „Nichts. Ist mein Zimmer. Du könntest auch rüber gehen", machte ich ihr als gegen Vorschlag. „Ne. Da ist es langweilig. Zumal du hier einen besseren Ausblick hast", widersprach sie mir.

Ruby drehte sich auch zu mir. Ihr Blick schweifte als nächstes in Richtung Fenster. Ein Schmunzeln bildete sich auf ihren Lippen. Fast schon brachten mich die Blicke der beiden freiwillig dazu, dass ich rausgehen würde.

„Hast eine schöne Aussicht auf Dylans Zimmer", nannte Ruby das offensichtliche. „Passiert nur nichts interessantes", zuckte ich mit den Schultern. „So wie es aussieht, scheint er mit Calvin noch immer in der Küche zu sitzen", erklärte sie.

Erst fragte ich mich woher sie das wusste, aber dann fiel mir ein, dass sie vorhin noch bei ihm war. Weiter schaute ich aus meinem Fenster. Auf einmal bewegte sich etwas, aber unten. Drei Personen setzten sich raus in den Garten, aber davon war nur mir nur eine Person unbekannt. Bestimmt ein Freund von den beiden, dachte ich mir.

„Geh rüber, wir schmeißen dich hiermit offiziell aus deinem eigenen Zimmer", lehnte sich Riley nach hinten zu mir. „Das kannst du nicht machen", widersprach ich. „Wie du siehst, kann ich das. Also raus hier", wiederholte sie sich. „Viel spaß euch beiden", murmelte ich, als ich aufstand.

Im Normalfall hätte ich das so nicht zugelassen, aber ich wollte keiner wohlmöglichen Freundschaft im Weg stehen. Es war für mich schon fast erschreckend, wie Riley sich gegenüber mir benahm. Ihre schüchterne Seite war in der Anwesenheit von Ruby sehr schnell verschwunden. Im Wohnzimmer saß Mom, die in Ruhe ihr Buch lesen wollte. Dann hieß es wohl oder übel, dass ich wirklich rausgehen musste. Ich zog mir nur meine Schuhe an und lief rüber zu den Nachbarn. Ich kam mir schon fast dämlich vor, dass ich das zweite Mal an einem Abend bei den Wheelers klingelte. Freudig wurde die weiß lackierte Haustür von Dylan aufgerissen.

„Hey, ich wurde offiziell aus meinem eigenen Zimmer und dem Wohnzimmer geschmissen. Kann ich bei dir unterkommen, bis Ruby weg ist?", fragte ich, wobei ich mir verlegen am Hinterkopf kratzte. „So schlimm?", lachte Dylan. „Ich stehe vor eurer Haustür also anscheinend schon", lächelte ich. „Komm ruhig rein", hielt er die Tür noch ein Stück weiter auf, wobei er zur Seite trat.

Gemeinsam mit ihm lief ich mit ihm in die Richtung des Gartens. Beim letzten Mal hatte ich mich gar nicht so genau umgeschaut. Der Flur war tatsächlich sehr schlicht gehalten. Nur eine weiße Kommode mit einer geflochtenen Schüssel drauf. Des weiteren ein kleinerer Schuhschrank. Ein großer Spiegel mit goldenen Verschnörkelungen war direkt neben der Kommode angebracht.

„Möchtest du etwas zu trinken?", fragte Dylan, als wir draußen waren. „Gerne", lächelte ich. „Eistee?", bot er mir an, was ich bejahte.

Während Dylan mir etwas von dem besagten Getränk holte, stellte Calvin mir den Unbekannten, Jamie, vor. Die blauen Augen von Jamie blinzelten mich verwirrt an, aber dann fing er an mich freundlich anzulächeln, Nachdem ich mich zu den beiden gesetzt hatte, kam Dylan auch mit meinem Eistee. Unsicher schob er mir seinen Pizzakarton rüber, wovon ich dankend ein Stück entgegen nahm.

„Ich hoffe, dass ich nicht störe", meinte ich. „Nein, alles gut. Jamie ist auch spontan hier hin gekommen", deutete Calvin auf den grinsenden Jungen neben sich. „Seit doch über meine Anwesenheit glücklich", lachte Jamie. „Immer doch", gab Dylan zurück.

Dylan saß entspannt lachend neben mir. Ein Bein hatte er an sich gezogen, damit er sein Kinn darauf ablegen konnte. Die noch immer zu langen Haare hingen ihm in der Stirn, wodurch er diese immer wieder nach hinten streichen musste. Zu stören schien es ihn nicht. Mein Körper durchfuhr mir bei diesem Anblick ein Schauer, wodurch ich mir über die Handgelenke fuhr. Ich merkte, dass ich ein Haargummi um mein Handgelenk hatte, wodurch ich Dylan es entgegen hielt. Überrascht schaute er es an, aber nahm es dankend entgegen. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich es um mein Handgelenk gelegt hatte.

„Behalte es bitte. Damit erleichterst du Ruby auch ihr Leben", meinte ich. „Du klaust Ruby noch immer die Haargummis?", fragte Jamie. „Natürlich, ist doch meine Lieblingsbeschäftigung", lachte Dylan, wobei er sich seine Haare zusammenband.

Aus dem kleinen Zopf fielen noch ein paar Strähnen heraus, da seine Haare nicht gleich lang waren. Es fiel natürlich nicht auf, wenn er die so nach vorne über seine Stirn fallen ließ. Ich hatte seine Haare bisher noch nie gestylt gesehen.

„Und du bist nun nebenan eingezogen oder habe ich das falsch verstanden?", fragte Jamie mich. „Ja, aber ist auch noch nicht lange her. Dad hat sich von Mom getrennt, bevor du fragst", erklärte ich sofort. „Schade, aber zumindest ist es zu einem guten Zeitpunkt passiert. Sommerferien und so", meinte Jamie.

Jeder Zeitpunkt wäre beschissen gewesen, aber irgendwie musste ich ihm zustimmen. Es war warm, die Menschen gingen gerne raus und man konnte noch viel unternehmen. Dylan schaute mich von der Seite besorgt an, aber schien nichts zu dem Thema sagen zu wollen. Er hielt sich wohl gerne heraus.

„Cas und ich wollte morgen an den See, wollt ihr mit?", fragte Jamie in die Runde. „Auf jeden Fall", kam es von Calvin und Dylan fast Synchron. „Austin, du auch?", wurde ich von Jamie angesprochen. „Gerne, kann ich meine Schwester mitbringen?", wollte ich wissen, wodurch er einverstanden nickte.

Wie auf Kommando standen Riley und Ruby an der Mauer, die unsere Grundstücke trennte. Beide taten es sich ein bisschen schwer beim rüberklettern, aber kamen dann auf uns zu. Mit einem überprüfenden Blick schaute ich zu meiner Schwester, welche mich versichernd an nickte. Anscheinend war nichts passiert, ansonsten hätte sie mir wahrscheinlich geschrieben oder es mir mit einem Kopfschütteln klargemacht. Es war etwas positives, dass wir uns so non verbal verständigen konnten. Die beiden setzten sich jeweils an die Enden, des Tisches. Nur Ruby stand nochmal auf, damit sie sich etwas zu trinken besorgen konnte. Ohne Riley zu fragen, brachte sie ihr etwas von dem Eistee mit. Riley bedankte sich nur mit einem Lächeln. Calvin übernahm wieder seine Aufgabe in dem er Riley und Jamie miteinander bekannt machte.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt