#64 Schönen Abend

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Dylan

Nach zwei Wochen war ich das erste Mal wieder in der Schule und versuchte die letzte Stunde zu überleben. Es waren nur noch fünf qualvolle Minuten.

„Dylan", tippte Casper mich mit seinem Kugelschreiber an. „Party", grinste er, als ich zu ihm schaute.

Seit drei Tagen war ich die Krücken los, was Casper direkt als Grund angesehen hatte, um mich auf die nächst beste Party zu schleppen. Er freute sich natürlich mehr als ich, aber ich tat es ihm zum Gefallen.

Als es endlich zum Ende dieser Qual leutete, packte ich schnell meinen Kram zusammen. Vor der Tür wartete bereits Austin, der an einer Wand lehnte. Sofort lief ich auf ihn zu.

„Irgendwann wird mir bei euren Gefühlen schlecht", kommentierte Casper die Umarmung von Austin und mir. „Lass die beiden doch", stieß Ruby mit Riley zu uns.

Mit einem Schmunzeln löste ich mich von Austin. Casper schaute verwirrt zwischen uns vier her, bis er seinen Kopf schüttelte. Manchmal tat er mir ein wenig leid, aber er hatte sich schon viele Chancen selber verspielt.

Gemeinsam verließen wir das Gebäude, wobei wir teilweise komisch angeschaut wurden. Mich interessierte es kein Stück, aber ich merkte, dass Riley ihren Blick stur nach unten gerichtet hatte. Sie schien sich nicht sonderlich wohl zu fühlen.

Ich kannte das Gefühl, wodurch ich wusste, dass es vorbei gehen würde. Die ersten Wochen mit Alex in der Öffentlichkeit waren mir so unangenehm gewesen. Irgendwann war es so etwas wie Normalität.

Bequem lag ich auf Austins Bett, während er vor seinem Kleiderschrank stand. Riley machte sich bei Ruby fertig, wodurch Austin ihr dieses Mal nicht helfen musste. Eigentlich stand ihr alles, wodurch es wahrscheinlich egal wäre, wenn sie etwas gepunktetes und kariertes kombinieren würde.

„Hast du überhaupt Lust auf diese Party?", drehte Austin zu mir rum. „Nicht wirklich, aber Casper freut sich so", erklärte ich. „Sollen wir nicht einfach hier bleiben?" „Ich habe es ihm versprochen" „Und als nächstes gehst du wirklich Golfen", schnaubte Austin belustigt.

Ich hatte selber keine Lust, aber ich hatte es Casper versprochen. Austin könnte einfach so zuhause bleiben. Seufzend setzte ich mich auf den Rand, des Bettes.

Sein Blick machte mich unsicher. Ich konnte es schlecht Austin und Casper recht machen. Für kurze Zeit zur Party zu gehen war unsinnig. Zusätzlich würde Cas mich irgendwie dort festhalten.

„Ich bin der Meinung, dass es schlecht für dich wäre. Du bist erst seit drei Tagen ohne Krücken unterwegs. Es ist zu gefährlich", meinte Austin, womit er mich schließlich überzeugt hatte.

Mit einem Nicken quittierte ich seine Aussage, bevor ich nach meinem Handy griff. Casper sollte zumindest Bescheid wissen, dass ich nicht kommen würde.

Casper

Ich komme nicht

Warum?

Schmerzen

Brauchst du etwas?

Bin bestens versorgt

Oke

~~~

Austin freute sich fast einen Keks, als ich ihm den Chat zeigte. Eine Party war tatsächlich noch zu gefährlich, besonders in Kombination mit Alkohol. Nochmal ins Krankenhaus wollte ich nicht.

„Also, was machen wir stattdessen?", wollte ich schmunzelnd wissen. „Wir könnten das Typische machen", zuckte Austin mit den Schultern. „Zusammen kochen? Sterne anschauen?",  fragte ich, wobei ich meine Unterlippe vorschob.

Austin stimmte zu, weswegen ich mir dieses Mal einen Keks freute. Eine Serie zu schauen war immer eine gute Idee, aber ich wollte etwas anderes machen. Das letze Mal hatte ich es ein wenig durch meine Laune kaputt gemacht.

„Fischstäbchen?", fragte Austin, als wir in der Küche waren. „Bin gegen Fisch allergisch", wandte ich ein. „Gut zu wissen", durchforstete er weiter die Tiefkühlung.

Gemeinsam Kochen war eine gute Idee, wenn man vorher einkaufen war. Wir beide hatten keine Lust dazu, wodurch wir mit dem arbeiten musste, was da war.

Aus Kochen wurde dann nur eine Pizza in den Ofen schieben. Ungeduldig setzte ich mich vor den Backofen, wobei ich die Wärme genoss, die abgegeben wurde.

Auf einmal breitete sich in mir eine Sorge, wegen Casper, aus. Mir wurde schlagartig bewusst, dass er sich vollkommen betrinken würde. Eigentlich war es nicht mein Problem, aber es ließ mich ein wenig schuldig fühlen.

Schnell versuchte ich diesen Gedanken abzuschütteln, da ich mir mit Austin einen schönen Abend machen wollte. Es sollte nicht so sein, wie das letzte Mal.

„Brauchst du Hilfe?", grinste Austin, als ich es nicht schaffte aufzustehen. „Nein, ich bekomme das hin", lehnte ich ab. „Ich sitze hier, wenn du dich um entscheidest", meinte er.

Nie in meinem Leben hatte ich geglaubt, dass es so anstrengend sein konnte aufzustehen. Nach zwei weiteren Versuchen schaffte ich es endlich, um mich auf einen Stuhl zu setzen.

Austin schüttelte leicht seinen Kopf. Er konnte nicht verstehen, warum ich so stur war, obwohl ich es ihm schon mehrfach erklärt hatte. Ich wollte es selbst schaffen und keine sonder Behandlung.

Langsam stellte Austin die dampfenden Teller mit Pizza vor uns. Während wir uns auf unseren Pizzen konzentrierten, vibrierte mein Handy. Ich schaute gar nicht auf die Nachricht, sondern schaltete es aus.

„Casper hat mir gerade geschrieben", meinte Austin, als er sein Handy auf den Tisch legte. „Alles gut bei ihm?", erkundigte ich mich. „Wenn du es als gut bezeichnest, dass er anscheinend die Liebe seines Lebens gefunden hat", grinste Austin.

Es gab zwei Optionen. Erste: Casper ist vollkommen betrunken. Zweite: Er wird eine schöne Nacht haben. So oft, wie er schon die Liebe seines Lebens gefunden hatte, müsste er mindestens zehn Leben haben.

Belustigt schüttelte ich meinen Kopf, da ich vermutete, dass Casper mir wahrscheinlich die gleiche Nachricht geschrieben hatte. Austin wünschte ihm viel Glück, bevor er ebenfalls sein Handy ausschaltete.

Er tat es ungerne, wegen Riley, aber er vertraute Ruby. Zumindest versuchte er Ruby zu vertrauen. Zum ersten Mal erzählte Austin mir, warum er so vorsichtig bei Riley war. Ich konnte es verstehen, wenn Riley immer nur von ihren Freundinnen ausgenutzt wurde.

Draußen auf der Matratze kuschelte ich mich sofort an Austin, da es ziemlich kühl war. Der Sommer ging und der Herbst kam, somit war auch bald Halloween.

Ich fing an mir Gedanken zu machen, wer wen bezüglich, des Balls in der Schule fragen sollte. Tatsächlich hoffte ich, dass Austin mich fragen würde, da ich nicht wusste, ob er überhaupt Interesse an so etwas hatte.

Im letzten Jahr war ich Rubys Begleitung, was ziemlich witzig war, da viele meine Sexualität anzweifelten. Das Jahr davor, war ich mit Alex dort, obwohl er keine Lust dazu hatte. Er hatte sich auch nicht verkleidet. Während des Balls war er noch abgehauen ohne mir Bescheid zu geben.

„Es sind nicht sonderlich viele Sterne zu sehen", bemerkte Austin. „Ist ja nicht so schlimm. Schließlich kann ich auch dich anschauen", grinste ich. „Das war kitschig", schnaubte Austin, aber gab mir schließlich recht.

In den Armen von diesem Jungen zu liegen, war alles, was ich wollte. Die Welt fühlte sich wieder richtig an.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt