#50 Warum jetzt?

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Dylan

„Hey, mein hübscher", sprach mich jemand an, als ich die Küche betrat.

Sofort knipste ich das Licht an, um mich zu überzeugen, ob es er war. Kaum erhellte das Licht den Raum drückte ich mich feste an die Wand.

„Was machst du hier? Und wie verdammte scheiße bist du hier reingekommen?", fragte ich perplex. „Ach Dylan", seufzte er nur.

Es reichte wohl nicht, dass er in meiner Küche saß, denn er hielt in seiner Hand ein Strauß Rosen. Warum war ich nicht bei Austin geblieben?

„Du hast noch immer nicht meine Fragen beantwortet", stellte ich fest. „Ihr solltet die Terassentür abschließen", grinste Alex zufrieden.

Innerlich verfluchte ich Calvin, denn er war der einzige, der so etwas vergaß. Zusätzlich waren nur Mom und Dad zuhause gewesen, als ich das Haus verlassen hatte. Am liebsten würde ich Calvin in kleine Stücke reißen, aber ich hatte erstmal ein anderes Problem.

„Ich habe dir Blumen mitgebracht, denn wir sind doch Freunde. Nicht wahr?", stand er auf, damit er sich auf mich zubewegen konnte, wobei er die Blumen auf den Tisch ablegte. „Nein", wisperte ich leise, denn er stand nur noch wenige Zentimeter vor mir.

Ein ekelhaft schiefes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, als er mit seinem Zeigefinger meinen Kiefer entlang streifte. Meine Atmung beschleunigte sich unter seiner Berührung. Obwohl die Berührung zärtlich war, fühlte es sich wie ein einziges brennen an. Mir war bewusst, dass ich dieses Gefühl die nächsten Stunden oder sogar Tage nicht von mir bekommen würde.

„Hast du mich vermisst?", grinste Alex, als er mein Kinn unsanft zwischen seine Finger nahm.

Mir kam kein Wort mehr über die Lippen, wodurch ich nur mit dem Kopf schüttelte. Kaum hatte ich mich versehen, spürte ich den kalten Boden an meiner Wange. Scheiße, warum bekam das denn keiner mit? Mit der Hand, welche mich am Boden hielt, kraulte er durch meine Haare.

„Du warst nichts ohne mich und jetzt tust du so als ob du der King wärst", Alex Stimme glich schon fast einem Knurren. „Soll ich dir Mal sagen, was du warst? Ein manipulatives Arschloch", zischte ich.

Sofort bereute ich meine Worte, denn er hob meinen Kopf an, um ihn erneut auf den Boden zu hauen. Sofort spürte ich das warme Blut, welches auch schnell in mein Blickfeld floss. Endlich schien uns jemand gehört zu haben, denn ich vernahm Schritte auf der Treppe. Das typische knarzen von der dritten Stufe oben.

„Wehe du erzählst irgendjemanden, dass ich hier war", mit diesen Worten ließ Alex von mir ab „Sonst bringe ich dich um".

Ich konnte mir gut vorstellen, dass Alex dazu in der Lage war. Seufzend setzte ich mich auf, als er die Küche durch die Terassentür verließ. Wie zu erwarten, brummte mein Schädel. Mir wurde durch die schnelle Bewegung kurz schwindlig, aber das legte sich sofort wieder.

„Was ist denn hier passiert?", fragte Mom, als sie die Küche betrat. „Bin über meine eigenen Füße gefallen", log ich. „Du blutest", fiel ihr auf.

Beim aufstehen verlor ich fast mein Gleichgewicht, aber Mom hielt mich rechtzeitig fest. Mit ihrer Hilfe schaffte ich es mich auf einen Stuhl zu setzen. Durch meine Handy Kamera konnte ich die kleine Platzwunde erkennen, die knapp über meine Schläfe war. Mom hatte den Verbandskasten geholt, damit sie mir ein Pflaster aufkleben konnte, nachdem sie die Wunde desinfiziert hatte.

„Hast du getrunken?", fragte sie. „Nein, ich war einfach tollpatschig", log ich erneut. „Du musst aufpassen. Irgendwann verletzt du dich schlimmer. Stell Mal vor, du wärst gegen die Platte gefallen", schob sie meine Haare über das Pflaster.

Anscheinend war es doch positiv, dass ich bis jetzt noch immer nicht beim Frisör war. Seufzend stütze ich meinen schmerzenden Kopf auf meine Hände ab. Wahrscheinlich konnte ich von Glück sprechen, dass Mom heruntergekommen war. Ich wusste nicht, wie es sonst geendet wäre. Alex konnte unberechenbar sein. Viel zu oft hatte ich es schon am eigenen Leib erlebt. Wie konnte so ein schöner Abend so Enden? Besonders, warum kam Alex genau jetzt wieder in mein Leben? Gerade wo ich glücklich war.

„Schaffst du es hoch oder möchtest du hier unten schlafen?", fragte Mom besorgt. „Ich schlafe hier unten", entschied ich.

Als ich aufwachte, dröhnte mein Kopf noch immer. Ich war noch viel zu lange wach, da ich nicht einschlafen konnte. Die verschiedensten Fragen waren mir durch den Kopf geschwirrt.

„Sind die Rosen etwa von Austin?", fragte Mom, als ich mich an den Tisch setzte, wodurch ich nickte.

Sie hatte die Blumen in eine Vase umgepackt, welche nun auf dem Küchentisch stand. Ich musste mich beherrschen, damit ich das Porzellan nicht vom Tisch wegschlug. Diese bescheuerten Blumen würde mich noch die nächsten Tage an Alex erinnern. Durch Moms Neugier erzählte ich ihr von dem Abend mit Austin. Natürlich war sie sehr begeistert.

„Guten Morgen", kam Calvin fröhlich in die Küche. „Ekelhaft", murmelte ich leise, was ich auf seine Stimmung bezog.

Mir fiel wieder ein, dass Austin und Casper den Plan durchziehen wollten am Abend. Schnell schrieb ich beiden, dass wir es verschieben müssten. Mittlerweile waren 12 Geheimnisse auf Instagram veröffentlicht. Mom schaute mich mahnend an, denn bei einer Kopfverletzung sollte man nicht auf so kleine Bildschirme starren.

„Du hast da was", deutete Calvin auf mein Pflaster. „Ist mir noch gar nicht aufgefallen", zischte ich genervt. „Dylan", mahnte Mom. „Ist gut", hob ich unschuldig meine Hände.

Am Mittag hielt ich es nicht mehr im Haus aus, wodurch ich zu Austin gegangen war. Zusammen saßen wir bei ihm im Garten. Natürlich hatte er mich sofort auf das Pflaster angesprochen, aber ich hatte ihm genau die gleiche Lüge erzählt. Ich wollte nicht, dass er etwas über die Begegnung mit Alex wusste. Zum Glück glaubte er mir.

„Hast du heute Abend etwas vor?", fragte Austin, wodurch ich mit dem Kopf schüttelte. „Dann könnten wir heute Abend das Date zu ende bringen", lächelte er mit einer Vorfreude.

Ich fand es niedlich, wie viel Mühe er sich gegeben hatte. Als er auf die Idee mit dem Date kam, schien er mir total nervös gewesen zu sein, aber vor Ort war er sich so sicher. Ich wusste, dass er sich mit Casper getroffen hatte, wodurch ich vermutete, dass er sich beraten lassen hatte.

„Was machen wir denn schönes?", fragte ich, obwohl ich mir die Antwort denken konnte. „Eine Sache kann ich dir schon sagen, wir kochen zusammen. Das zweite wirst du nicht erfahren", verriet er mir. „Sind schon Mal mehr Informationen als gestern", grinste ich.

Austin nickte zustimmend. Meine Freude war wieder kaum in Worte zu fassen, zumal ich mir vorstellen konnte, dass zusammen kochen witzig werden würde. Ich, alleine, konnte schon in der Küche eine Katastrophe werden, wodurch ich sehr auf Austin vertraute.

Der Verrat in PersonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt