Kapitel 68

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,,Es zählt, wer du bist, als du wieder aufgestanden bist, nicht wer du warst, als du hingefallen bist."
~Aurora




Die Wohnung war ein einziger Traum und zeigte auf das weite dunkle Meer. Ich saß mit einer Kuscheldecke, Tee und einem Mac Book welches ich hier auf dem Esstisch entdeckt hatte auf der weißen rießigen weichen Couch. Die großen Schiebefenster zur Terrasse waren weit geöffnet, sodass ich das Rauschen des Meeres hören konnte.

Ich war schon durch alle möglichen Nachrichtenseiten gegangen, um zu erfahren was ich in meiner isolierten Zeit verpasst hatte, wobei ich bewusst das Handy auf dem Couchtisch ignorierte, da ich Angst hatte welche Leichen ich noch alle von Leandro entdecken würde.

Unruhig stand ich auf und wusste das ich mich bald diesem Scheiß stellen musste, sodass ich nochmal kurz auf die Terrasse ging um aufs Meer zu schauen, bevor ich erfahren würde wie meine Stiefeltern gestorben waren.

Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, setzte mich auf den Kuschelteppich und öffnete das Handy welches noch keine Pin hatte, zuerst ging ich auf WhatsApp wo nur Cleo eingespeichert war, danach öffnete ich die Dateien App und fand wie versprochen zahlreiche Dateien welche mit Namen beschriftet waren.

Tief durchatmend klickte ich zuerst auf Sofias Namen, es erschien ein Bild von ihr und ein kleiner Bericht, konzentriert lass ich ihn und fand heraus das sie gerade noch irgendwo in Matteos Haus war, aber psychologisch betreut wurde.

Ich klickte weiter auf Tylers Namen, nervös kaute ich auf meiner Unterlippen und eine unglaubliche Last fiel von meinen Schultern als ich realisierte das er komischerweise nicht Tod war sondern Schwerverletzt im Krankenhaus lag.

Mein Herz raste als ich auf die Datei meiner Stiefeltern drückte und Bilder von ihren erschossenen Körpern auftauchten. Er hatte ihnen kaltblütig in den Kopf geschossen, meine Stiefmutter hatte die Hand fest um die Hand meines Stiefvaters umschlossen und ich konnte ihre Angst und Panik spüren.

Fröstelnd liefen mir tausend Tränen über die Wangen, während eine kalte Wut in mir mich motivierte das was ich ohnehin schon geplant hatte durch zu ziehen.

Leandro würde für das was er mir und jedem der mir nahe Stand angetan hatte bluten. Ich würde es diesem Mörder nicht ermöglichen ein friedliches Leben in einer Zelle zu leben, denn er hatte das selbst niemanden seiner Opfer gegönnt, warum sollte er ein Anrecht auf Gerechtigkeit haben? Diese Welt war nicht gerecht, doch ohne ihn würde sie es vielleicht ein bisschen werden.

Entschlossen holte ich mir Papier und Kugelschreiber aus einer Schublade und setzte mich zurück auf den weichen Teppich. Ich begann damit stichpunktartig wichtige Informationen, wie wann die Wachen immer wechselten, auf zu schreiben solange sie noch in meinem Gedächtnis ungefähr hängen geblieben waren.

Drei Stunden später lagen Tausend voll geschmierte Blätter um mich herum und mein Schädel brummte, während ich zu dem Punkt kam das ich nicht an Leandro heran kam wenn Cleo das nicht wollte, also musste ich sie belügen, selbst wenn mein Gewissen mich auffraß.

Ich würde selbst wenn ich zu ihm dürfte überwacht werden, weshalb sein Tod möglichst schnell eintreten musste. Ich hatte keine Ahnung von Medikamenten und das Risiko es nicht schnell genug ihm geben zu könnte war zu groß.

Schließlich entschied ich mich für eine andere Waffe und wusste genau das wenn das Schiefgehen würde ich nie mehr an ihn heran kommen würde.

Draußen hörte man Menschen lachen und Musik spielen während ich auf dem Balkon die Blätter meiner Überlegeungen in der Feuerschalle verbrannte.

Mein Plan war ziemlich unspektakulär dafür das ich drei Stunden lang an ihm gefeilt hatte und ließ mich deshalb etwas dumm fühlen, als ich das simple scharfe kleine Küchenmesser in den Nachtschrank neben meinem Bett legte, dennoch würde vielleicht diese einfache Option jemanden umzubringen niemand von einem traumatisierten Schulmädchen erwarten.

Unruhig lag ich unter der weißen Bettdecke und starrte an die Decke, während es unheimlich ruhig in der Wohnung war, der Gedanke jetzt einfach ganz normal einzuschlafen war so absurd und surreal das ich immer mehr das Gefühl bekam stark zu träumen.
War die Wohnungstür wirklich nicht abgeschlossen?

Immer wieder beschlich mich dieses Gefühl keine Luft zu bekommen, als würde Leandro nur unterwegs sein und mich solange hier einsperren.

Genervt schlug ich die Decke zurück und ging zu dem großen Kleiderschrank in welchem sich jede Menge Klamotten in meiner Größe befanden, ich zog eine sommerliche schwarze Leinhose heraus und ein stylisches dunkelblaues Oberteil, schnell lief ich in das große Bad und begann mich zu schminken und zu frisieren, bevor ich meine Sneakers anzog und raus in das Stadtleben lief.

Ich hatte keine Ahnung wo ich genau war als ich ziellos ohne Handy oder sonstiges das mich orten könnte durch die vollen Gassen zog. Unbekannte Gesichter zogen in Dauerschleife an mir vorbei und ich hatte das Gefühl mir wäre alles egal als ich in den ersten dunklen Club lief.

Der Bass trommelte in meinen Ohren, Menschen lachten, tanzten und tranken, während die Luft stickig nach einer Mischung aus Schweiß, Alkohol und Parfüme roch, überall waren Lichter und ein DJ vorne sorgte für passende Musik, ich klaute mir von einem Tablett zwei kleine Glässer in welchen Shots waren und schüttete sie ohne nach zu denken runter, bevor ich zu tanzen began.

Der Alkohol schoss durch mein Blut, da ich ansonsten keinen Tropfen vertrage, weswegen die Wirkung der zwei Shots riesig war und meine Sinne benebelte, während eine Wärme in meiner Brust mich alle Bilder vergessen ließ die sich in mein Gedächtnis wie Kaugummi fest geklebt hatten.

Immer mal wieder tanzten mich Männer an, doch ich wehrte sie alle ab, bis ein hübscher Unbekannte mir mit hellblauen Augen zu zwinkerte.

Er war attraktiv, dennoch war das letzte was ich wollte Kontakt zu Männer, genervt wollte ich mich schon umdrehen als ich inne hielt.

Warum eigentlich nicht? Ließ ich mir von Leandro jetzt auch noch meine ersten eigenen sexuellen Erfahrungen nehmen, oder warum wollte ich nicht einfach mal machen worauf ich Lust hatte? War ich wirklich so ängstlich geworden?

Der Alkohol verstärkte meine Wut auf Leandro und mich selbst und steigerte mein Selbstbewusstsein, weshalb ich noch einen Shot trank bevor ich auf den Unbekannten zutrat. Seine Statur war muskulös und sein Gesicht markant, lächelnd beobachtete er mich wie ich auf ihn näher zukam.

Immer wieder munterte ich mich innerlich auf bis ich schließlich vortrat, er wollte gerade den Mund aufmachen um irgendeinen männlichen Scheiß zu labern, welcher mich wahrscheinlich zur Flucht gebracht hätte, weshalb ich ihn nicht zu Wort kommen ließ und meine Lippen auf seine drückte.

Er schmeckte nach Alkohol und einer Mischung aus Minze, während mir sein angenehmes Parfüme in die Nase stach. Zuerst war er überrumpelt bevor er den Kuss intensiv erwiederte, während ich mit meinen Händen seinen Nacken umschlang und auf den Zehenspitzen stand.

Mein innerer Dämon jubelte als er mich daran erinnerte wie sehr Leandro in die Luft gehen würde könnte er mich jetzt sehen. Zufrieden mit meiner Leistung beendete ich den Kuss und beugte mich zu seinem Ohr um sicherzustellen das er sich nicht mehr erhoffte und mir nicht folgte wenn ich ging.

,,Schönes Leben noch."

Cosa Nostra 2Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt