Irgendwann hatte ich mal einen wunderschönen Satz aufgeschnappt. Heute hatte ich längst vergessen, von wem ich den Satz hatte, und doch hatte ich ihn nicht vergessen. Manchmal musste man sich einfach daran erinnern, dass man ein Teil der Welt war und diese wunderschöne Welt das Wunderschönste auf der ganzen Erde war. Eigentlich war es nicht nur ein Satz sondern zwei und doch fand ich sie wirklich besonders schön. Zwischendurch sollte man sich auch immer mal wieder die Zeit nehmen einmal durch zu atmen und sich umzuschauen. Sich etwas Zeit zu nehmen, um genau diese Schönheit zu betrachten. Diese Welt war so wunderbar und sie sollte es immer sein.
Doch dann fragte ich mich, was es bedeutete. Jeden Tag sah ich unsere Stadt und doch fand ich sie nicht wunderschön. Mir fehlte etwas, etwas das dieser Satz in mir auslöste. Diese Sehnsucht nach etwas, dass ich nichtmal kannte. Es machte mich verrückt und deswegen hatte ich mich seit Jahren nicht mal mehr versucht mich an diese Sätze zu erinnern und trotzdem konnte ich sie einfach nicht vergessen. Es war fast so als hätten sie sich in mein Hirn gebrannt. Es war zum verrückt werden.
Ich hatte so häufig versucht diese verdammten Sätze zu vergessen und ich dachte, dass ich es endlich geschafft habe. Nun lief ich hier durch die Staßen und sah diese ganzen Menschen, wie sie selbst am letzten Tag der Woche, unserem Ruhetag, durch die Straßen hetzten. Dann blickte ich in ihre Gesichter und sah diesen komischen Ausdruck, der mir irgendwie so überhaupt nicht gefiel. Dieser Ausdruck, diese Unruhe, musste mich dann ausgerechnet an diese Sätze erinnern. Mir kamen sie so vor wie eine Plage, aber ich konnte nicht mehr länger über sie nachdenken, denn ich konnte meine lieben Freundinnen schon sehen.
Lächelnd schauten sie mich an und Lissa winkte sogar noch. Auch ich musste mir ein Lächeln verkneifen und legte noch einen Zahn zu.
Paar Minuten später ließ ich mich auf dem Stuhl neben Lissa und Glory fallen. Die beiden trugen zwei neue Kleider, die ich noch nie vorher an ihnen gesehen habe. Sie waren wohl beide mal wieder einkaufen gewesen. Es war schon fast normal. Immer wenn wir uns nach der Versammlung trafen trugen sie ihre neusten Designerkleider zur Schau. Irgendwie fand ich das lustig. Ich trug stets meine Kleider mehrere Male. Ich könnte nichts nur einmal tragen, dies wäre Verschwendung. Für Lissa und Glory waren Kleider ein Zeichen ihres Lebensstandarts und für mich war Kleidung nur eine Sache zur Nutzung.
"Schon wieder dieses Kleid. Man wir sollten wirklich mal mit dir shoppen gehen."
Direkt musste Lissa ihr natürlich zu stimmen. Doch ich schüttelte wie immer meinen Kopf. Unser Gespräch fing immer, aber wirklich immer mit diesem Satz an. Es war ungefähr Glorys persönliche Begrüßung nur für mich.
"Du weißt das ich das niemals zulassen würde. Ich bin nicht mehr vier und kann mir meine Kleidung selbst kaufen."
"Das wissen wir doch, aber es geht auch um unseren Status."
"Glory, sei doch mal leise. Du siehst immer gut aus. Egal in welchen Kleidern."
"Danke Lissa." lachend umarmte ich meine besten Freunde und bestellte mir eine Eisschockolade.
"Weißt du wie viele Kalorien diese Eisschokolade hat?"
"Weißt du wie viele Kalorien dieses Tortenstück hat?"
"Nein, habe ich nicht."
Auch ein kleiner Scherz zwischen Lissa, Glory und mir. Es war so unsere Sache, dass wir uns immer aufzogen und jeder von uns wusste, dass wir es nicht ernst meinten.
Genüsslich schlürfte ich also meine Eisschokolade und genoss es das kalte Getränk meine Kehle hinunterlaufen zu lassen.
So verlief unser Gespräch noch eine ganze Weile. Es war jetzt nun wirkich nicht langweilig. Obwohl ich es nicht so interessant fand, Lissas Hochzeitsplänen zuhören zu müssen und auch Glorys Geschichten über einen neuen Typen bei ihr im Büro erzählt zu bekommen. Aber dafür verbrachten wir mal wieder Zeit miteinander und dies war mir so viel mehr wert als mich zu langweilen. In unserer Schulzeit haben wir uns jeden Tag gesehen und nun sahen wir uns, wenn es hoch kommt, nur dreimal in einem Monat.
Eine Zeit lang haben wir versucht uns häufiger zu dritt zu treffen, aber seitdem Lissa verlobt war, hatten wir einfach Schwierigkeiten einen gemeinsamen Termin zu finden.
Nachdem wir uns fast drei Stunden lang unterhalten hatten, wurde es für jeden von uns Zeit uns auf den Nachhauseweg zu machen.
Meine Eltern wunderten sich bestimmt schon wo ich denn blieb. Schnell schnappte ich mir also meine Tasche und verabschiedete mich von meinen Freudinnen. Auch diese griffen nach ihren Taschen und so verließen wir noch gemeinsam das Café, bevor wir uns wieder erstmal für mehrere Wochen trennten.
Während wir noch im Café saßen, ist es draußen schon dunkler geworden. Zwar ist die Sonne theoretisch noch nicht untergegangen, aber sie versteckte soch hinter dunklen Wolken, sodass es draußen düsterer geworden ist. Von dem schönen Wetter am Morgen war nichts mehr zu entdecken. Missmutig reckte ich mein Kinn in die Höhe und schaute in den Himmel. Es regnete zurzeit noch nicht, aber es könnte jeder Zeit zu regnen beginnen. Mein Weg war nicht der Längste und es würde von der Zeit keinen großen Unterschied machen, ob ich mit dem Bus fuhr oder zu Fuß nach Hause ging. Im Zweifel war der Fußweg sogar kürzer.
Ich entschied mich also für den Fußweg. Selbst wenn es zu regnen anfangen würde, wäre es nicht so wichtig, da es draußen immernoch relativ warm war und auch ein bisschen Regen nicht zu tragisch für mich wäre. Ich war immerhin nicht aus Zucker, wie meine Großmutter vor ihrem Tod immer zu sagen pflegte.
Meine Großmutter war eine tolle Frau gewesen. Sie war früher immer meine Bezugsperson gewesen. Leider starb sie vor zehn Jahren. Damals war sie erst 73 Jahre alt. Dies war kein wirklich hohes Alter. Rein von dem Standart unserer Medezin konnten wir Menschen eigentlich viel länger leben, aber man sah nur selten Menschen, die über 75 waren, in unserer Stadt.
Was mich aber schon immer verwundert hat war, die Todesursache meiner Großmutter. Unsere Medezin war so weit vorgeschritten und doch starb meine Großmutter an einer Lungenentzündung. Damals hatte meine Mutter sie ins Krankenhaus gefahren, da sie selbst keine Zeit hatte sich um sie zu kümmern. Vier Tage später erhielten wir den Anruf aus dem Krankenhaus, dass sie verstorben sei. Ein trauriger Tag in meinem Leben war das.
Durch diese Erinnerungen trübte sich meine vorherige gute Laune ziemlich. Eine gedrückte Stimmung machte sich in mir breit und ließ meine Schultern und meinen Kopf nach unten hängen. Ich vermisste sie so sehr.
Um vom Café aus nach Hause zu kommen, musste ich durch ein paar Nebengassen. Diese wurden nur selten von Fußgängern genutzt, sodass ich mal wieder die einzige in der Gasse war. Langsam schlenderte ich durch die Straßen und ließ meine Gedanken kreiseln.
Solange bis ich ein lautes Geräusch hörte. Es waren Hilferufe einer Frau und das Weinen eines Kindes.
Sofort lief ich los. Wahrscheinlich wurde die Frau von zwei Unwürdigen angegriffen und auch wenn ich wusste, dass ich wohl nicht viel ausrichten konnte, musste ich ihr einfach helfen. Meine Fußschritte hallten durch die Straßen, während ich mich selbst dazu anspornte noch schneller zu rennen. Ich bekam das Gefühl, als würden meine Füße nur so über den Asphalt fliegen.
Schlitternd rannte ich um die Ecke und erstarrte. Das Bild, das sich mir dort bot, ließ mich verharren. Mein Körper gehorchte mir nicht mehr und ich konnte mich nicht mehr bewegen.
Das war doch nicht möglich. Wie konnte soetwas wahr sein? Es konnte nicht war sein! Aber das Geschehen vor mir sprach für sich.Es wird spannend... Wie findet ihr ihre Freundinnen und was denkt ihr sieht sie in der Gasse?
~Liv
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Paradise
Science FictionWie sieht das Paradies aus? Ich kann es euch sagen. Im Paradies gibt es genau fünf Regeln. Brichts du eine davon, dann verschwindest du aus unseren Reihen. Diese Regeln machen das Paradies aus. Sie machen es perfekt. Kein Ort der Welt ist so wie uns...