Nyria schloss die Augen und drehte ihren Kopf weg. Sie konnte den Anblick nicht mehr ertragen. Der Geruch des Wolfes, der an
verwestes Fleisch erinnerte, brannte in ihren Nüstern. Seine quälend langsamen Schritte hallten in
ihren Ohren, obwohl sie fast kein Geräusch verursachten.
Es war vorbei.
Sie hatte den Kampf bestritten und verloren. Sie entspannte ihre verkrampften Muskeln.
Doch dann schlugen hinter ihr plätzlich Hufe auf den ausgelaugten Boden. Im nächsten Moment strich jemand in vollem Galopp an Nyria vorbei. Sie riss den Kopf hoch und sah wie ein schwarzer Hengst sich zwischen sie und die Bestie stellte. Er stieg und traf den Wolf beim runtergehen heftig mit beiden Vorderhufen am Kopf. Dieser taumelte allerdings nur leicht zurück.
Doch bevor die Bestie zum gegenschlag ausholen konnte, war der Hengst bereits zur Seite gesprungen und rammte dem Wolf die Hinterhufe in den Magen. Die Kreatur heulte schmerzvoll verzerrt auf und bewegte sich wimmernd einige Schritte weg. Dann drehte sie sich noch einmal um und knurrte den Hengst boshaft an, bevor der Wolf in der Dunkelheit des Waldes verschwand.
Nyria betrachtete den Hengst mit einer Mischung aus Verwirrung und Bewunderung. Er atmete schwer, seine Beine zitterten und über seinen Körper waren vereinzelt einige tiefe Kratzer verteilt.
Dennoch strotze seine Haltung geradezu vor Kraft und Anmut. Er hatte den Kopf hoch erhoben und blickte aufmerksam in die Richtung, in die der Wolf gerade verschwunden war.
"Danke.", hauchte Nyria, unfähig mehr zu sagen.
"Diese Dinger haben Knochen wie aus Stein, aber dort wo keine sind, sind sie ziemlich empfindlich.", sagte er mit tiefer, melodischer Stimme. Sein Blick wanderte nun von den Weiten des Waldes zu Nyria. Er betrachtete sie besorgt.
"Geht es dir gut?", fragte der Rappe erschrocken, als er die glänzende Blutspur am Boden entdeckte.
"Ich weiß es nicht.", antwortete Nyria ehrlich.
"Kannst du aufstehen?"
Ohne seine Frage zu beantworten stemmte sie sich mit ihren Vorderbeinen hoch. Während sie versuchte auch mit den Hinterbeinen hoch zu kommen, stützte sie so viel Gewicht wie möglich auf das unverletzte Bein. Als sie dennoch wankte und fast wieder hinfiel, stellte sich der Hengst neben sie und unterstützte die Stute auf ihrer verletzten Seite. Sobald Nyris sicher stand ging er einen Schritt zur Seite, um ihr den Weg frei zu machen. Vorsichtig machte sie einen Schritt nach vorne. Sie biss die Zähne zusammen, denn ihre Wunde schmerzte höllisch. Nach ein paar Schritten, hatte Nyria sich so gut wie es ging auf den Schmerz eingestellt, dennoch hinkte sie stark. Aber wenigstens hatte es aufgehört zu bluten.
"Okay, komm wir müssen uns beeilen. Dieses Vieh kommt bestimmt bald zurück... aber dann sicher nicht alleine.", während er sprach schaute er sich unaufhörlich in der Dunkelheit um. In seiner Stimme schwang ein Hauch von Angst. Nyria versuchte zügiger zu laufen, aber ihre Wunde verlangsamte sie doch um einiges.
"Warum hast du mich gerettet?", sagte Nyria kalt. Diese Frage brannte ihr bereits schon die ganze zeit auf der Zunge. Denn sie kannte niemanden der sein Leben einfach so für einen Streuner riskieren würde. Und das Nyria ein Streuner war, wusste jeder, der Augen im Kopf hatte.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
