Kapitel 17

248 31 2
                                        

Plötzlich war alles totenstill. Nyria blieb stehen und horchte in die Dunkelheit hinein. Keine Hufe die auf den ausgedörrten Boden schlugen, keine Schreie, keine Anzeichen auf einen dieser abnormalen Wölfe. Es war windstill und dieser tote Wald wirkte plötzlich so unreal. Das einzige was Nyria daran erinnerte, das dies kein Traum war, war ihre Lunge, die sich anfühlte als würde sie zerreißen und ihre Beine, die vor Anstrengung zitterten.

War sie entkommen? Oder kam gleich nur noch etwas viel schlimmeres?
Sie sah sich um.
Alles sah komplett gleich aus. Nichts an dem sie sich orientieren konnte. Nyria atmete tief durch. Ihr Herz beruhigte sich langsam und sie konnte klarer denken. Sie musste aus diesem höllischen Wald herausfinden.

Aber wie? Sie zog die Luft ein. Es roch immernoch nur nach totem, modrigem Laub. Langsam wurde Nyria die Stille unangenehm. In mäßigem Schritt lief sie in irgendeine Richtung. Das Rascheln der Blätter bei jedem ihrer Schritte wirkte unendlich laut.

Was war das für ein Wald?
Viel zu viele Fragen, viel zu wenige Antworten. Nyria wurde immer nervöser. Es fühlte sich an wie die Ruhe vor dem Sturm. Wobei sie nicht wusste, was der Sturm war, wenn es das Massaker vor ein paar Minuten nicht gewesen war.
Mindestens drei Pferde waren gestorben. Aber es waren sicherlich um einiges mehr.

Und dann hörte sie es. Hinter ihr Atmete irgendetwas schwer. Erschrocken drehte sie sich um und blickte einem Wolf mit Pech schwarzem Fell, der bestimmt doppelt so groß war wie ein normaler Wolf, direkt in die rot glühenden Augen, in denen sich der Wahnsinn spiegelte.

Er knurrte und setzte zum Sprung an. Doch Nyria reagierte schneller. Sie stieg und versetzte ihm einen heftigen Schlag mit dem Huf direkt auf die Schulter. Die Bestie aber zuckte nur leicht zusammen und holte sofort mit ihren Klauen aus. Nyria versuchte auszuweichen, aber das Biest war schneller und erwischte sie an der Hinterhand.

Seine Krallen hinterließen vier parallele, tiefe Kratzer auf ihrem linken Oberschenkel. Sie wieherte schmerzerfüllt und galoppierte an. Ein Kampf hatte keinen Wert. Dieses Ding war um einiges stärker als sie.

Angetrieben von plötzlicher Angst hetzte sie zwischen den Bäumen hindurch. Langsam begann ihr Hinterbein zu hinken. Sie spürte wie das warme Blut an ihrem Körper hinabrann und eine unverwechselbare Geruchsspur für den Wolf hinterließ.

Es war nur eine frage der Zeit, bis sie nicht mehr laufen konnte. Sie wurde bereits langsamer und die Bestie kam immer näher. Sie würde sterben... sie würde sterben! Warum kämpfte sie überhaupt noch dagegen an?

Aber da breitete sich plötzlich Wut in Nyria aus. Dieses grässliche Kreatur machte ihr alles kaputt. Alles, auf das sie die letzten Jahre hingearbeitet und auf das sie all ihre Hoffnung gesetzt hatte.
Nein.
Sie würde sich nicht so einfach geschlagen geben. Ein Schub von Energie strömte durch ihren Körper und sie galoppierte so schnell sie konnte. Sie konzentrierte sich auf das was vor ihr lag und blendete den Rest aus. Sie musste nur entkommen, das war alles. Der Abstand zwischen ihr und der Bestie wurde langsam aber sicher größer. Sie würde es schaffen! Krampfhaft versuchte sie ihr Tempo zu halten.

Da tauchte urplötzlich ein riesiger Baumstamm aus der Dunkelheit auf. Erschrocken sprang Nyria ab. Sie schaffte es elegant über das tote Holz und landete sicher mit den Vorderhufen auf der anderen Seite. Doch als ihre Hinterbeine wieder auf dem Boden auftrafen, knickte ihr verletztes Bein weg.

Ein grauenvoller Schmerz durchzuckte ihren Körper und sie fiel zu Boden. Sie war zu schwach um wieder aufzustehen und dann wurde ihr für ein paar Sekunden schwarz vor Augen. Die Panik, die Anstrengung und der Schmerz gaben ihr den Rest. Nun lag sie da, fast blind und an den Boden gefesselt. Krallen kratzen auf Holz. Der mutierte Wolf war auf den Baumstamm gesprungen und starrte Nyria mit seinen roten Augen hungrig an. Sie versuchte irgendwie Abstand zwischen sich und dieses Ding zu bekommen, aber sie war quälend langsam. Ihre Sicht wurde wieder komplett klar. Doch der Anblick der Bestie, die immer näher kam, ließ die Stute nur noch panischer werden.

Sie schleppte sich weiter über den Boden und hinterließ eine rot glänzende Spur aus Blut. Wie in Zeitlupe sprang der Wolf vom Baumstamm ab und landete direkt vor Nyria. Er saugte gierig den Geruch ihres Blutes ein. Dann fixierte er sie dann fixierte er sie mit seinen hungrigen, feuerroten Augen.

Nyria - Kriegerin der Garde Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt