Nyria blickte betrübt zu Boden. Was für ein grauenvolles Schicksal.
"Das... das ist furchtbar...", sagte sie monoton.
"Ach. Das ist doch nur eine Geschichte. Ich denke nicht das das alles je wirklich passiert ist. Geschweige denn, das der Fluss von ihren Tränen salzig geworden ist. Dafür gibt es bestimmt eine richtige Erklärung. Aber wenn was wahres an der Geschichte ist, dann müssen die Ruinen, die wir gesehen haben Valyia sein..."
Nyria schnaubte. Ob wahr oder nicht, es war eine traurige Geschichte.
"Wow... sieh dir das an!", Naur blieb plötzlich stehen und blickte erstaunt über die Bäume hinweg.
Während er erzählt hatte, waren sie ein ganzes Stück gelaufen. Jetzt standen sie inmitten einer Lichtung und blickten auf eine riesige Felswand, die in der Ferne in die Höhe ragte. Sie war mindestens sieben Baumlängen hoch und hob sich mit einer überwältigenden Wirkung von der sonst so flachen Umgebung stark ab. Ganz oben stand eine Festung aus massivem dunklem Stein, die direkt an den Abgrund gebaut war.
"Ich denke mal, da müssen wir hin.", sagte Nyria entschlossen und setzte sich wieder in Bewegung.
Naur nickte und lief ebenfalls los, wendete den Blick aber nicht von der steinernen Festung. Wie es kommen musste, stolperte er über eine Wurzel, konnte sich aber gerade noch abfangen. Nyria konnte ein belustigtes Schnauben nicht unterdrücken, wofür sie einen bösen Blick von Naur kassierte, bis auch er anfing zu lachen.
"Jetzt komm aber... ich will nicht die letzte sein, die da oben ankommt.", wieherte sie.
"Jaja...", erwiderte der Rappe und trabte erst an und viel dann in einen langsamen Galopp.
Nyria tat es ihm gleich. Sie konnte die Luft in ihrer Mähne spüren und fühlte sich so lebendig wie seit langem nicht mehr. Immerhin war Sie dem Tod heute einige Male nur knapp entkommen. Aber darüber wollte sie gerade gar nicht mehr nachdenken. Sie war gespannt auf das, was sie an ihrem Ziel erwarten würde.
Als sie jedoch zum Hochstand der Sonne an der Felswand ankamen, blieb ihr Herz fast stehen. Es war nur ein einziger schmaler Pfad, der in die schwindelnde Höhe führte.
"Also ich hoffe du hast keine Höhenangst?", fragte Naur, während er sorgenvoll den Weg betrachtete.
"Nein... aber hoch ist das trotzdem...", sagte sie Gedankenverloren, während sie an den Felsen hinaufblickte. Wenn sie abrutschen... sie schüttelte sich und wendete den Blick ab. Gar nicht erst darüber nachzudenken war wahrscheinlich das beste.
Plötzlich raschelte es im Gebüsch neben ihnen und Nyria drehte sich erschrocken um. Nyrias Herzschlag begann zu rasen. In ihren Gedanken sprang bereits ein schwarzer Wolf aus den Büschen. Doch es waren nur drei weitere Pferde, die zum Fuß des Pfades gelaufen waren. Nyria atmete tief durch. Sie sollte sich besser unter Kontrolle haben. Immerhin konnten diese Biester nicht aus dem toten Wald raus.
"Hallo", sagte Naur und musterte die Neuankömmlinge.
"Hallo", antwortete ein Falbe mit vier fesselhohen Abzeichen und einer Schnippe zwischen den Nüstern unsicher. Hinter ihm stand eine Fuchsstute und ein dunkelbrauner Hengst. Sie besaß zwei halbhohen Abzeichen an den Hinterläufen und eine dünne Blesse, während der Hengst eine Laterne und ein Kronen-Abzeichen an einem seiner Vorderbeine trug.
"Ihr habt auch keinen anderen Weg gefunden?", fragte die Stute neugierig.
Naur schüttelte den Kopf. Enttäuscht ließ der Braune schnaubend den Kopf hängen. An seiner Körperhaltung konnte man die Angst erkennen, die ihn quälte.
"Du schaffst das schon...", redete die Stute daraufhin leise auf ihn ein. Hatte er etwa Höhenangst? Dann konnte einem dieser Hengst wirklich leid tun. Obwohl Nyria kein Problem mit Höhe hatte, schluckte sie bei diesem Weg.
"Wir könnten alle zusammen gehen.", sagte Naur nach kurzem Überlegen.
Nyria sog erschrocken die Luft ein. Sie kannten sich doch erst seit ein paar Minuten. Naur bemerkte ihren wenig erfreuten Blick und versuchte sich zu erklären:
"Gemeinsam haben wir bessere Chancen. Wenn einer abrutschen sollte, kann man sich besser helfen. Alleine ist es schwer jemand anderen zu halten. Oder wieder hoch zu ziehen..."
Auch wenn er Recht hatte. Nyria war das nicht geheuer. Doch die drei Pferde schauten sich kurz an und nickten daraufhin. Als die Blicke erwartungsvoll auf Nyria fielen, nickte auch sie widerwillig.
"Ich gehe zuerst und schaue ob der Stein irgendwo locker ist.", sagte Naur und setzte den Huf auf den blanken Fels, ohne auf eine Antwort zu warten. Die anderen drei Pferde liefen an Nyria vorbei auf den engen Pfad. Sie lief als letztes, denn freiwillig würde sie keinem dieser Pferde den Rücken zudrehen. Direkt vor ihr lief der Hengst mit Höhenangst. Nyria hoffte zu tiefst, das alles gut gehen würde...
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Nyria - Kriegerin der Garde
AbenteuerHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
