"Nyria!", drang es dumpf zu ihr hervor. Sie war nach dem Treffen mit Ilano in einen ruhelosen und unruhigen Schlaf gefallen.
"Komm schon! Wach auf!" Mit jedem Wort, klang der Ton deutlicher zu der Stute durch.
"Nyria! Die Ansprache! Sie beginnt gleich!" Und schon war sie hellwach. Die Ansprache! Die Ernennung zum Anwärter! Die durfte sie nicht verpassen! Als sie sich kurz umschaute, sah sie wie die anderen Pferde bereits zum Ausgang der Kaserne drängten. Dort stand ein Krieger, der sie grimmig betrachtete.
"Danke fürs wecken.", sagte die Stute mit einem Kopfnicken zu Naur, während sie aufstand und sich den anderen anschloss.
"Klar.", antwortete er fröhlich.
Mehrere Krieger begleiteten die Pferde aus den drei Kasernen in den Innenhof, auf dem am letzten Tag auch schon ein Hengst zu ihnen gesprochen hatte. Auf dem Balkon standen ein schon älterer Fuchs und ein etwas jüngerer brauner Hengst.
Nyria ließ ihren Blick schweifen, um die anwesenden Pferde zu zählen. 39. Also hatten demnach wohl 8 Pferde im Wald ihr Leben gelassen. Ein Schauer rann ihr über den Rücken. Aber sie hatte nicht lange Zeit weiter darüber nachzudenken. Denn aus Richtung des großen Platzes kamen nun 21 weitere Pferde. Die Adligen, die nicht an der Aufnahmeprüfung hatten teilnehmen müssen. Da sie einen höheren Stand hatten, mussten sie sich nicht zu Beginn der Ausbildung beweisen. Immerhin war ihre Würde durch das blaue Blut bereits besiegelt.
Sie stellten sich zu den übrigen Pferden und blickten wie die anderen zu einem muskulösen Grullohengst. Er stand auf der Empore und blickte auf sie hinunter. Sein Körper war bedeckt von Rüstung und Schwertgurt. An den Beinen trug er Bandagen aus Leder. In seinem linken Huf, der Seite sie näher am Herzen lag, steckte eine goldene Nadel, das Zeichen der Krieger.
Er stand einfach nur da und ließ seinen Blick über die Menge gleiten.
Er strahlte eine enorme Autorität aus, die kühl aber auch bewundernswert wirkte. Ohne ein Wort zu sagen schaffte er es die Menge zum Schweigen zu bringen. Die Pferde wurden langsam leiser, Gespräche verstummten und immer mehr Blicke richteten sich auf den Grullohengst.
"Pferde von Catea! Ihr habt euch dazu entschieden die Ausbildung zum ehrenhaften Amt des Kriegers anzutreten. Ihr habt die Aufnahmeprüfung bestanden, Angst, Gefahr und Tod getrotzt. Und nun steht ihr hier, bereit zu eurer Ernennung zum Anwärter zum Krieger." Er machte eine kurze Pause bevor er weiter redete:
"Euer König, Gasabo von Catea, ist eigens zu eurer Ernennung angereist."
Er richtete seinen Blick empor zum Balkon auf dem im selben Moment Gasabo hinaustrat. Die Pferde knieten sich auf ihre Vorderbeine, um dem König mit einer Verbeugung ihre Ehre zu erweisen. Mit einem fast unmerklichen Kopfnicken bedeutete er ihnen, dass sie sich wieder aufrichten konnten.
"Hengste und Stuten! Bürger Cateas! Ich sehe hier vor mir einige starke und kräftige Pferde. Und das müsst ihr auch sein. Denn die Ausbildung wird nicht leicht. Aber ihr habt den Respekt des ganzen Volkes, das ihr sie antretet.
Denn die Garde ist für unser Land so wichtig wie das Wasser für die Pflanzen.
Catea ist in ganz Miträa für sein starkes Heer bekannt und wird auch auf Grund dessen geachtet und respektiert.
IHR seid die Zukunft von Catea.
IHR werdet euer Volk vor jeder Gefahr mit dem Leben verteidigen.
IHR werdet unser Land in Ehren halten und seinen Namen für den Rest eures Lebens in euren Herzen tragen.
Hiermit ernenne ich euch offiziell zu Anwärtern der Garde Cateas! Ab dem heutigen Tage soll eure Ausbildung beginnen, bis zu eurer Ernennung zum Kriger!"
Er sprach laut und mit tiefer, fester Stimme. Sein Blick gleitete zufrieden und zugleich überlegen über die Menge. Für einen Moment hatte Nyria das Gefühl, das sein Blick bei ihr stehen blieb. Sie schüttelte den Kopf. Natürlich. Sie war immerhin die wahrscheinlich erste Streunerin in dieser Ausbildung. Und das...
Doch Nyria konnte ihren Gedanken nicht zu Ende führen, denn Gasabo begab sich wieder in das imposante Gebäude und der Grullohengst übernahm das Wort wieder:
"Die Ausbildung wird wie folgt aussehen:
Ihr werdet in verschiedenen Disziplinen ausgebildet. Diese wären Überleben, Ausdauer, Kampf und Wissen.
Ihr werdet darin trainiert, damit ihr die nötigen Fähigkeiten zum Antritt des Ranges des Krigers besitzt.
Desweiteren wird es weitere Prüfungen geben.
3 wichtige Zwischenprüfungen und eine Endprüfung, die darüber entscheidet, ob ihr das Amt des Kriegers antreten könnt oder nicht.
Die ersten Trainingseinheiten werden nun stattfinden. Ihr werdet eingeteilt, welche Disziplin euch heute erwartet."
Mit einem Nicken strömten vier Krieger in die Menge und forderten ausgesuchte Pferde auf ihnen zu folgen.
Eine Stute lief mit hoch erhobenem Kopf auf sie zu und schaute Naur im vorbei gehen direkt in die Augen.
"Und du auch!", befahl sie. Naur nickte schnell und schloss sich mit einem kurzen Blick zu Nyria den andern Pferden an, die der Stute bereits folgten.
Neugierig schaute sich Nyria um, um zu sehen, welcher Krieger sie mitnehmen würde. Ein Großteil der Pferde war bereits schon verschwunden, als ein großer brauner Hengst auf sie zukam.
"Und du kommst auch mit mir." bestimmte er, mit einem Blick auf ihre Verletztung.
Sie nickte und folgte ihm. Die anderen zehn Pferde die dem Hengst folgten, hatten ebenfalls alle kleine und größere Wunden.
Der Braune führte sie in ein Gebäude im anderen Teil der Festung.
Neben einer schweren Flügeltüre blieb er stehen.
"Da rein.", war alles was er sagte, bevor er wieder verschwand. Also von Freundlichkeit hatten viele hier gefühlt auch noch nie etwas gehört, dachte sich Nyria schnaubend, während sie auch an den Hengst dachte, der sie zum Arzt eskortiert hatte. Selbst sie als Streuner, hatte schon mehr Höflichkeit erlebt als hier.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AvontuurHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
