Die Sonne begann bereits den Himmel rot zu färben, als sie endlich das Ende des Abhangs erreicht hatten. Nyria atmete erleichtert auf, als sie als Letzte ihren Huf über die Kante auf flachen Boden setzte.
Die anderen waren stehen geblieben und betrachteten die mächtige Burg die vor ihnen in den Himmel ragte. Ein Teil von ihr war direkt über dem Abrund gebaut.
Als Nyria sich neben Naur stellte, betrachtete er kritisch ihr Bein.
"Du hinkst stark. Aber dort werden sie es bestimmt verarzten. Komm."
Naur lief in die Richtung in der er den Eingang vermutete. Die untergehende Sonne gab seinem schwarz-braunen Fell einen feuerroten Schein.
In Nyria blitze es ein seltsames Gefühl auf. Vertrautheit mit einem seltsamen Beigeschmack: Angst. Aber warum? Sie kannte Naur noch nicht einmal lange... sein Fell war vielleicht ungewöhnlich, aber einen Grund für diese seltsamen Empfindungen war das in Nyrias Augen nicht. Verwirrt schüttelte sie sich, um diese Gedanken zu vertreiben.
Es viel ihr nicht schwer, denn sofort machte sich Stolz in ihr breit. Sie hatte die Aufnahmeprüfung bestanden! Und nun standen sie vor einem riesigen Tor aus schweren Metallgitter. Dahinter befand sich noch ein identisches Tor, das allerdings zur Hälfte hochgezogen war.
Nyria war aufgeregt, denn sie war auf das gespannt, was sie hinter diesem Tor erwarten würde.
Ein brauner Hengst blickte über die bestimmt eine Baumlänge hohe Mauer. Ohne ein Wort verschwand er wieder hinter den Steinen. Wenige Sekunden später öffnete sich das Tor. Krachend wurde es langsam nach oben gezogen, bis die fünf Pferde ohne sich bücken zu müssen passieren konnten. Nyria lief als erste los. Die anderen folgten ihr, während sie sich umschaute. Sie liefen durch einen kurzen Durchgang, der auf einen großen Platz führte. Jetzt erst sah sie, das hinter ihnen noch einige andere Pferde den Abhang überwunden hatten und nun durch den Eingang der Festung schritten. Sie alle standen nun in einem riesigen Innenhof, umgeben von hohen Gebäuden. Aus einem anderen Durchgang, der rechts von Nyria lag, kam nun ein Falbe ohne jegliche Art von Abzeichen auf sie zu geschritten. Er hatte an den Schienbeinen lederne Schützer und trug einen Schwertgurt.
"Folgt mir.", wieherte er ihnen kalt zu, während er schon zu einem weiteren Tunnel, gegenüber dem Eingangstor, lief. Nyria versuchte mit dem strammen Schritt der Wache mitzuhalten, aber ihr Bein konnte sie mittlerweile vor Schmerzen fast nicht mehr aufsetzen. Also überholten sie einige andere Pferde, bis sie so ziemlich in der Mitte der Gruppe stand. Sie waren nun in einem kleineren Innenhof angekommen. Auf der linken Seite hing ein kleiner Balkon, auf dem 3 Pferde standen. Ein Lichtfuchs, ein Brauner und... Ilano.
Nyria sog erschrocken die Luft ein. Sie erkannte ihn sofort. Sie hatte ihn seit vier Jahren nicht gesehen und er hatte sich in dieser Zeit beträchtlich verändert.
Aus dem Fohlen war ein stattlicher und muskulöser Junghengst geworden. Er strahlte Ruhe und Kraft aus, während er seinen Blick über die ankommenden Pferde schweifen ließ. Dann blieb sein Blick auf einmal stehen. Er blickte Nyria direkt in die Augen und sie blickte in Seine. Sofort stellten sich Nyria alle Fellhaare auf. Er stadessen zuckte zusammen und wirkte plötzlich unsicher. Dann drehte er den Kopf weg, sagte kurz ein Wort zu dem Braunen neben ihm und verschwand dann im Haus.
Nyria staubte abwertend. Feigling. Hatte nicht einmal den Mut sich ihrem Blick zu stellen...
"Willkommen auf Großheras.", sagte der Falbe, der sich mittlerweile auf ein Podest gestellt hatte. "Ihr habt die Aufnahmeprüfung bestanden. Meine Glückwünsche. Aber denkt nicht, das ihr damit schon irgendwas erreicht hättet. Nun folgt eure Ausbildung, die nur die aller Besten unter euch bestehen werden.
Denn ihr seit nun Anwärter zu einem Krieger der Garde. Die Krieger der Garde sind die Elite Cateas. Nur die stärksten und intelligentesten Pferde unseres Königreiches werden hier aufgenommen, um den König und unser Vaterland zu verteidigen und zu schützen.
Das Training wird morgen früh beginnen, wer bis dahin nicht von der Aufnahmeprüfung zurückgekehrt ist, ist tot.
Wer die Ausbildung doch nicht antreten will, kann bis morgen früh zurücktreten. Ab dann gibt es keine weitere Möglichkeit sich der Ausbildung zu entziehen. Wer es dennoch versucht, wird als Desatör beschuldigt und zum Tode verurteilt...
Ich werde euch nun zu euren Schlafräumen begleiten."
Er stieg von von seinem Podest und lief durch einen weiteren Gang auf einen kleineren Platz. Dieser war nicht von Gebäuden, sondern hohen Mauern umgeben. Der Platz wurde von 3 Steinbauten ausgefüllt. Über den Eingangstüren hingen jeweils groß die Buchstaben "X", "Y" und "Z".
"Ihr geht in Y... und ihr in Z.", sagte er und nickte den jeweiligen Pferden kurz zu. Nyria und Naur waren mit ein paar anderen Z zugeteilt worden. Naur lachelte Nyria an. Sie war froh darüber, zusammen mit ihm in einer Unterkunft zu sein.
"Bei Sonnenaufgang beginnt das Training. Ihr werdet geweckt. Ruht euch nun aus.", sagte der Falbe immer noch im selben Ton. Er musterte die Pferde, während alle begannen in Richtung ihrer Baracke zu gehen.
"Du da! Streuner!", Nyria zuckte zusammen und blieb stehen. Unsicher drehte sie den Kopf zu der Wache.
"Folge mir."
Nyria schluckte. Zögernd ging sie auf den Falben zu.
"Deine Wunde.", erklärte er sich, dann wendete er sich zum Rest der Gruppe, "Zu euch anderen wird später noch ein Heiler kommen." Dann drehte er sich auch schon um und steuerte auf den Durchgang zu, durch den sie gekommen waren. Er lief etwas langsamer als vorher, damit Nyria besser mithalten konnte. Sie folgte ihm durch zwei weitere Tunnel, dann betrat er ein Gebäude.
"Geh dort hinein. Es wird gleich jemand kommen.", er nickte in einen Raum rechts von ihm und verschwand dann wieder nach draußen.
Nyria seufzte. Diese Festung War ein einziges Labyrinth. Sie hoffte inständig, das sie den Weg zurück zu den Baracken finden würde, wenn sie niemand dorthin begleiten würde.
Sie atmete tief durch und lief in den Raum neben ihr. Ein breiter metallischer Tisch stand in der Mitte. An den Wänden, standen Regale die voll von seltsamen Gerätschaften waren. Nyria Herz klopfte schneller. Sie befürchtete unwillkürlich, dass sie nicht zum verarzten ihrer Wunde hier war, sondern wegen etwas anderem. Immerhin war sie immer noch ein Streuner. Ein Streuner, der in dieser Ausbildung eigentlich unerwünscht war.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
