Der weiß glitzernde Schnee knirschte unter Nyrias Hufen. Wie Schmuck hing die weiße Pracht auf den Ästen der Bäume, sodass der ganze Wald zu strahlen schien. Die gesamte Umgebung war in eine beruhigende Stille gebettet. Es hatte am Vortag kurz nach dem Ende der dritten Prüfung angefangen zu schneien und erst diesen Morgen aufgehlrt. Und heute hatten sie zum ersten mal seit Ewigkeiten einen komplett freien Tag, da die Krieger sich den Vormittag über besprachen, wer die Prüfung nun bestehen sollte. Dabei richteten sie sich nicht nur nach Sieg oder Niederlage. Sondern auch nach Kampftechnik und Strategie. Außerdem beachteten sie die Stärke der unterschiedlichen Gegner. Und aus diesem Grund machte Nyria sich auch keine großen Sorgen. Zwar hatte sie die ersten beiden Kämpfe verloren, doch sie hatte den letzten Kampf gegen Heros gewonnen. Und dass obwohl der Palomino um einiges Stärker war und mehr Kampferfahrung als sie hatte. Auf jeden Fall brauchte die Entscheidung bei ein paar Dutzend Auszubildenden eine Weile. Und so nutzen Nyria und die anderen diese, um die weitere Umgebung etwas zu erkunden. Denn außer die wenigen Exkursionen die sie manchmal mit den Kriegern in die nähere Umgebung machen, waren sie noch nie wirklich raus gekommen. Sie mussten erst am Abend wieder zurück sein, also entfernten sie sich heute etwas weiter von Fort Macar.
Nyria lief zwischen Alerias und Elana. Etwas vor ihnen schritten Naur und Alden. Der Dunkelfuchs redete munter auf den anderen Hengst ein, der leicht niedergeschlagen den Kopf hängen ließ.
"Das Blümchen sieht aus als hätte es heute irgendwie nicht genügend Wasser bekommen...", sagte Alerias mit einem leicht amüsierten Unterton.
"Sei still! Du bist eine Blume die nicht mal Blüten hat, weil deine schlechte Laune sie inner verwelken lässt.", zischte Elana zurück. Ihr Blick fiel auf den Braunen und sie seiftze leise. Sie schütze ihn immer wieder wie einen kleinen Bruder. Doch nun hatte Alden in allen drei Kämpfen verloren. Und auch so hatte er nicht gerade einen guten Eindruck abgegeben.
"Er ist sich sicher, dass er die Ausbildung heute Abend verlassen muss. Das bedrückt ihn etwas... aber eigentlich glaube ich nicht, dass es so eine große Niederlage für ihn ist.", sagte Elana mit plötzlich ganz sanfter Stimme.
"Keine große Niederlage? Ha! Er hat gestern auf ganzer Linie versagt...", warf Alerias mit hoch erhobenen Kopf ein.
"Aber immerhin war er nicht den ganzen Tag beleidigt, nur weil er gegen eine Stute verloren hat.", neckte die Fuchsstute den Hengst wieder ihrem herausfordernden Tonfall. Nyria musste leicht schmunzeln. Die beiden hatten im Schwertkampf gegeneinander antreten müssen. Und Elana war daraus als Siegerin hervorgegangen.
Alerias zog scharf die Luft ein.
"Das war reines Glück.", entgegnete er knapp und blähte die Nüstern. Elana schüttelte amüsiert den Kopf.
"Naja, wie auch immer... Wegen Alden, ich denke das er ganz froh ist, von hier wegzukommen... Er wollte hier nie so richtig hin. Und der Wald hat ihm auch ziemlich zugesetzt. Eigentlich ist er nur zur Ausbildung gekommen, weil sein Vater ihn mehr oder weniger gezwungen hat. Er ist sein ältester Sohn, und seiner Meinung nach ist es eine Schande, dass Alden sich schon immer für alles mögliche außer für Schwerter interessiert hat... Also hat er ihn aus dem Haus geschmissen, mit der Aufforderung, dass er nicht wieder zurück kommen soll bis er ein Krieger ist. Aber wenn er jetzt von der Ausbildung ausgeschlossen wird, dann enttäuscht er seinen Vater erneut. Und ich denke das ist, was ihm wirklich Sorgen bereitet. Er hat außer hier nun kein Zuhause mehr."
Nyria seufzte und sogar Alerias hatte keinen Kommentar dazu. Sie verstand Alden gut. Kein Zuhause zu haben war anstrengend. Aber es war dennoch möglich. Immerhin hatte sie fünf Jahre ohne Hilfe auf den Straßen Ajagaras überlebt.
"Hey!", kam plötzlich ein Ruf von hinten. Nyria drehte den Kopf und sah einen kleineren Dunkelfuchs auf sie zugallopieren. Als er näher kam konnte sie erkennen, dass es Eson war. Der Hengst den sie in ihrem Kampf besiegt hatte. Nyria schüttelte kurz den Kopf um die Erinnerung zu verdrängen, immerhin hatte sie den Kampf damals unehrenhaft gewonnen. Der Hengst fiel in den Trab und blieb schließlich kurz vor ihnen stehen.
"Nyria...", keuchte er halb außer Atem, "Scar Katjero will dich sehen... er hat mich gebeten es dir auszurichten."
Nyria legte den Kopf schief. Ihre Wunde war mittlerweile eigentlich völlig verheilt und von gestern hatte sie nur Prellungen. Was wollte er also von ihr?
"Ähhh... er meinte er braucht deine Hilfe bei irgendetwas... etwas mit Kräutern oder so...", hängte er stockend an. Hilfe also... Als die Stute den Hengst näher betrachtete, sah sie wie er fast am ganzen Körper zitterte, wie ein kleiner Baum im Sturm. Elana musste es ebenfalls bemerkt haben.
"Alles gut bei dir?", hackte sie daher nach. Der Fuchs wendete ihr überrascht den Blick zu.
"Was? Äh... jaja, alles gut...", er senkte den Kopf, "Ich bin nur aufgeregt wegen heute Abend.", gab er leise zu. Elana lachte erleichtert.
"Das sind wir doch alle.", meinte sie freundlich. Er quälte sich ein Lächeln an und wendete sich anschließend Nyria zu.
"Er hat gesagt es ist dringend..."
Nyria schnaubte, nickte dem Hengst dann aber zu.
"Sollen wir mitkommen?", fragte Naur. Nyria drehte sich zu ihm und lehnte ab:
"Schon in Ordnung. Ihr könnt ja weitergehen, ich denke zurück zur Burg schaffe ich es auch alleine." Eson nickte Nyria dankbar zu und verschwand mit einem kurzen "Ich muss dann los!" zwischen den Bäumen. Nyria blickte ihm für einen verwirrt hinterher und verabschiedete sich dann kurz von den Anderen.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
