Nyria ließ sich erschöpft fallen, als sie das weiche Strohbett unter ihren Hufen spürte. Die anderen sechs Pferde taten es ihr gleich. Vier Tage fast ohne Pause zu marschieren, war nicht gerade ein Zuckerschlecken. Als Nyria seufzend ihren Kopf zur Seite drehte, blickte sie direkt in die müden Augen Alerias, der sich das Bett neben ihrem genommen hatte. Der Falbe war als Einziger von den Pferden die sie etwas besser kannte mit ihr hier her gekommen. An die westliche Grenze. Während sie hier den nächsten Mond verbringen würden, waren die anderen Auszubildenden an andere Stellen in ganz Catea verteilt worden. Denn nach der Kampfprüfung stand als nächstes ein Praktikum auf dem Plan. Sie und Alerias waren der Grenzwache zugeteilt worden. Wohin genau Elana und Naur gekommen waren, wusste Nyria nicht. Und Alden... er hatte wie Elana schon vermutet hatte, die zweite Prüfung nicht bestanden. Und so war er am gleichen Morgen weggeschickt wordem, wie die Auszubildnenden in kleinen Gruppen zu ihrem Praktikumsplatz aufgebrochen worden waren.
Nyria atmete tief durch. Sie genoss es, die Beine endlich wieder entspannen zu können... Sie war wirklich gespannt auf die nächste Zeit. Es war das erste mal, das sie einen Einblick in das bekam, was sie vielleicht selbst bald tun würde. Aber nun wollte sie erst einmal schlafen. So wie die anderen wohl auch. Seit sie angekommen waren, hatte keiner mehr ein Wort gesagt und auch Alerias fielen die Augen bereits zu. Und so überließ sich Nyria schließlich dem erholenden Schlaf, der sie binnen Sekunden einhüllte wie ein schwarzer Nebel.
"Aufstehen!", rief eine feste Stimme und riss Nyria aus dem Schlaf. Langsam begannen sich die Pferde zu regen und quälten sich schließlich hoch. Nyria schüttelte sich kurz, um die Morgenmüdigkeit aus ihrem Fell zu bekommen. Dann musterte sie kurz den Hengst, der vor ihnen stand. Der kleine Dunkelfuchs war ungefähr genauso groß wie sie, stand aber mit hoch erhobenen Kopf vor ihnen. Trotz der fehlenden Größe strahlte er dennoch Autorität aus.
"Also. Mein Name ist Sir Quoro. Ich bin während der Zeit eures Praktikums für euch zuständig. Also benehmt euch gefälligst.", er machte eine kurze Pause und musterte die Gruppe, "Ihr seid nun also bei der Patroullie der südlichen Westgrenze. Unsere Aufgabe ist es, die Grenze zum toten Wald zu sichern. Wir achten darauf, dass niemand den Wald betritt. Außerdem erfassen wir Flüchtlinge aus Neroda, sollten sie es durch den Wald hier her schaffen. Theoretisch kontrollieren wir auch, das keine Wesen aus dem Wald fliehen... Aber wie ihr wisst können diese Biester glücklicherweise nicht aus dem Wald raus, also keine sonderlich schwierige Aufgabe. Des weiteren Sorgen wir für Sicherheit und Ordnung in den Dörfern die im der Nähe der Grenze liegen. Alles klar? Gut, sann folgt mir."
Mit diesen Worten trat der Hengst ohne auf eine Antwort zu warten aus dem Gebäude, in dem sich die Betten für die Auszubildenden befanden. Sie schliefen getrennt von den anderen Kriegern. Der Dunkelfuchs sprach während dem Gehen weiter.
"Hier ist die Kantine, dort sind die Waschräume und dort die Waffenkammer und die Schlafplätze der Krieger. Die letzten beiden sind euch verboten zu betreten.", er blieb stehen und drehte sich zu ihnen.
"Irgendwelche Fragen? Nein. Gut. Ihr dürft nun in der Kantine essen und die Waschräume nutzen. In einem halben Quantum treffen wir uns wieder hier auf dem Platz."
Ein halbes Quantum war nicht viel Zeit, doch Nyria beeilte sich und schaffte es rechzeitig zu essen und sich zu waschen. Als sie mit Alerias und den anderen auf dem Platz zurückkehrte stand neben Sir Quoro ein zweiter Hengst. Der Rappe mit der schmalen Blesse war locker zwei Köpfe größer. Den Abzeichen nach zu urteilen aber wohl genauso wie der Dunkelfuchs ein Adliger.
"Das hier ist Serr Karuum. Er wird euch heute mit auf die Patroullie entlang der Waldgrenze nehmen.", sagte Sir Quoro, während Serr Karuum grimmig die kleine Gruppe musterte. Als sein Blick bei Nyria hängen blieb, legte er die Ohren an und blähte seine Nüstern auf.
"Was tut dieser Streuner hier?", fragte er missbilligend. Die Stute seufzte stumm.
"Sie ist eine Auszubildende. Genauso wie die anderen.", antwortete der Dunkelfuchs ruhig.
Der Rappe wandte ihm einem fragenden Blick zu.
"Ein Streuner als Auszubildender? Ha! Wo sind wir denn?! In der Gosse? Sie hat hier nichts zu suchen!", sagte er aufgebracht zu Sir Quoro.
"Von dir wird nichts weiter verlangt als sie genauso wie die anderen mitzunehmen.", man konnte eindeutig hören, das es Sir Quoro langsam nur noch mühsam einen wütenden Tonfall unterdrücken konnte.
"Ich werde einen Teufel tun!", Serr Karuum wandte seinen abschätzigen Blick nun zurück zu Nyria.
"Diese lausige Kreatur als Krieger... das ist eine Unverschämtheit!"
"Es steht so in den Schriften. Ihr ist es erlaubt an der Ausbildung Teil zu nehmen.", die Stimme des Dubkelfuchses wurde ungeduldig.
"Das steht dort sicher nicht mehr lange...", der Rappe schnaubte.
"Was in Zukunft passiert oder nicht passiert ist für den Moment völlig irrelevant. Wenn ich sage, dass du sie mit auf Patroullie nimmst, dann hast du das gefälligst zu tun!"
"Ha! Es tut mir leid. Aber ich kann keinen Befehl ausführen, der gegen meine und die Werte Cateas spricht. Ich freue mich darauf, dass endlich ein richtiges Gesetzt in Kraft tritt, das dieses Problem ein für alle mal beseitigt!", die letzten Worte spuckte er Nyria geradezu entgegen.
"Hüte deine Zunge! So zu sprechen reicht nah an Ketzterei!"
"Das ist-"
"Du nimmst sie mit. Oder es wird schwere Konsequenzen für dich haben.", knurrte Sie Quoro.
"Niemals.", sagte der Rappe und betonte dabei jeden einzelnen Buchstaben, "Ich warte lieber auf den Tag, an dem es endlich erlaubt ist, diese Kreaturen von den Straßen zu beseitigen." Er hatte den Kopf immernoch Sir Quoro zugewendet, doch sein Blick bohrte sich nun in Nyrias Augen, tief in ihr Inneres.
"Für immer."
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
