Leise huschte eine Ratte über die feuchten Steine. Vorsichtig schnupperte sie an einem Krümel, der vielleicht einmal essbar gewesen war. Immer wieder tropfte das Wasser von der Decke des dunklen Ganges, sodass sich am Boden bereits kleine Pfützen bildeten. Es roch abgestanden, wie als wäre schon seit Jahren kein frischer Luftzug mehr durch diese Gänge gekommen. In einiger Entfernung war das leise zischen eines Ofens zu hören. Erschrocken zog sich die Ratte in einen kleinen Spalt zurück, als ein heiserer Schrei die schwere Luft durchschnitt. Schon seit Stunden hallten die kläglichen Laute durch die dunklen Gänge des Kellers. So wie auch schon die letzten Tage. Und so wie auch die kommenden Tage. Bis er erreichen würde, was er so sehr begehrte.
Mit einem hämischen Lächeln drückte er das glühende Eisen in das dunkle Fell seines Gefangenen. Die schweren Ketten klapperten laut, als sich der Hengst vor Schmerzen räkelte.
"Zeig es mir! Los zeig es mir!", schrie er wie besessen. In seinen Augen spiegelte sich der Wahnsinn. Erneut verbrannte er den dunklen Hengst, der kraftlos in seinen Ketten hing. Das Fell übersäht von unschönen Narben, die die Grausamkeit seiner Folter bezeugten.
"Zeig es mir!", schrie der Falbe wild. Genüsslich sog er den Geruch der verbrannten Haut ein. Er würde sein Ziel erreichen. Egal wie lang er hier stehen musste.
Mit einem leisen Schnauben drehte sich der Falbe um und legte den Eisenstab zurück in die Glut des Ofens. Er stieg mit seinem Huf ein paar mal auf den Blasebalg am Boden, um sicher zu stellen, dass das Feuer nicht erlosch. Mit großen Augen starrte er hasserfüllt in die Flammen. Leuchtend spiegelten sie sich in seinen Augen. Welch Ironie, dass er am Leben erhielt, was seines zerstört hatte. Der Falbe schüttelte den Kopf und nahm das Eisen wieder zwischen die Zähne.
Der Dunkle schrie voll Schmerz, als er ihm das glühende Eisen an die Kehle drückte.
"Na komm schon, du weißt genauso gut wie ich, dass du das alles hier beenden kannst.", schnaubte der Falbe mit einem ekligen Grinsen. Genüsslich langsam zog er das glühende Metall den Hals entlang bis zur Schulter des Dunklen. Er biss sich auf die Zähne, um einen weiteren Schrei zu unterdrücken. Doch er konnte einfach nicht anders. Lauthals gab er seinem Schmerz Ausdruck.
Und dann breitete sich plötzlich ein unaushaltsames Brennen in seinem Rachen aus. Der Falbe hatte ihm das glühende Eisen in den Hals geschoben. Röchelnd schnappte der Dunkle nach Luft, während die Glut sein Innerstes versengte. Mit vor Angst weit aufgerissenen Augen starrte er seinen Peiniger panisch an. Doch dieser hatte nur Augen für sein grausames Werk. Mit einem faszinierten Blick beobachtete er wie das Fleisch schwarz wurde.
Und dann begann mit einem Mal das, worauf der Falbe schon die ganze Zeit gewartet hatte. Auf das er so versessen hingearbeitet hatte. Mit einem triumphierenden Lachen machte er ein paar Schritte zurück, um zu beobachten, was er geschaffen hatte.
Das Herz des Dunklen begann plötzlich Feuer zu fangen. Lichterloh stand es in Flammen. Es breitete sich über seinen Hals, seinen Magen und seine Knochen immer weiter und weiter aus. Es fühlte sich an, als würde er innerlich verbrennen. Der Hengst schrie so laut sie noch nie zuvor, länger als noch nie zuvor. Das dunkle Fell des Hengstes wurde mit einem Mal noch dunkler, als es ohnehin schon war. Kohlrabenschwarz. Als er vor Schmerz ruckartig die Luft ausstieß, schossen glühende Flammen aus seinen Nüstern. Panisch wieherte der Hengst und stemmte sich gegen seine Fesseln. Seine Mähne begann Feuer zu fangen. Innerhalb von Sekunden befanden sich dort, wo einst Mähne und Schweif waren nur noch züngelnde Flammen. Die Haut des Hengstes wurde immer heißer und heißer, sodass das Metall seiner Ketten zu schmelzen begann. Rot glühende Tropfen aus flüssigem Eisen rannten seine Beine hinunter, als er sich schließlich losriss.
Mit einem zufriedenen Lächeln, starrte der Falbe dem Monster entgegen, das er erweckt hatte. Die Flammen umspielten seinen Hals und leckten an seinem Fell. Als der Dunkle Hengst schließlich seine Augen öffnete, leuchteten sie feuerrot.
♤♤♤
Ich weiß das passt jetzt gar nicht zur Stimmung, aber ich muss einfach loswerden, dass der Epilog genau 666 Wörter hat und das lustig ist XD
Und weiter zu Epilog II
DU LIEST GERADE
Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
