Jeder Schritt fiel Nyria schwerer als der vorherige. Sie hatten bereits die Hälfte der Strecke zum Fluss hinter sich gelegt. Dir Stute lief am Ende der Gruppe, ein Krieger bildete das Schlusslicht. Kurz vor ihr liefen Naur und die anderen.
Als die Anwärter heute morgen geweckt worden waren, hatte sie versucht gar nicht erst aufzustehen. Nyria war liegen geblieben in der Hoffnung, dass niemand sie vermissen würde. Doch kurz nachdem sie Naur und die anderen davon überzeugt hatte sie einfach liegen zu lassen, war schon ein Krieger zu ihrem Schlafplatz gekommen, um ihren Zustand zu überprüfen. Und obwohl die Stute wie Espenlaub gezittert hatte, ließ der Krieger sie nicht liegen. Er war der Meinung gewesen, dass Schwimmunterricht extrem wichtig war und ein Streuner, der sowieso die ganze Zeit im Dreck lebte, nicht so einfach krank werden konnte.
Und so hatte Nyria nachgegeben müssen und war gefügig mit den anderen losgezogen, bevor der Kriger noch für unangenehme Folgen sorgten konnte.
Und so lief sie nun den Weg zum Fluss enrlang, in ihrem Kopf blitzen Bilder und Gedanken auf. Alles drehte sich und schwirrte wild durcheinander. Jedes mal wenn sie versuchte sich zu konzentrieren, blitzen diese Bilder wieder auf. Die sich langsam entfernende Wasseroberfläche und die eiskalte Schwärze, die sie einhüllte wie ein tödliches Gift. Ihr Körper wurde wieder steif, wie von Kälte gefroren, obwohl ihr die Schweisropfen langsam am Fell nach unter rannten. Sie musste hier weg. Ganz dringend. Nyria richtete den Blick nach oben. Der Himmel war von einem schwindenden Blätterdach verdeckt. Die durchscheinende Sonne ließ die Roten und Gelben Blätter warm leuchten. Die Stute atmete tief durch.
Um sich abzulenken ließ sie ihren Blick durch den Wald wandern. Auch wenn ihre Kindheit keine schöne gewesen war, beruhigte der gewohnte Anblick der Bäume ihre Seele wenigstens ein bisschen. Immerhin hatte sie früher, außer zum Stehlen auf den Märkten, fast ihre gesamte Zeit in den nordwestlichen Wäldern Cateas verbracht. Sie waren ihr Zuhause. Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Als Nyria sich daran erinnerte, dass sie einem nassen Grab entgegenlief, kam ihre Panik zurück. Und damit auch wieder das Herzrasen und ihre zitternden Beine. Verzweifelt richtete sie ihren Blick tiefer in den Wald. Doch die beruhigende Wirkung war verflogen. Sie musste unbedingt etwas unternehmen...
Ein helles aufblitzen tief im schattigen Wald zog plötzlich Nyrias Aufmerksamkeit auf sich. Sie kniff die Augen zusammen. Gerade so konnte sie erkennen, dass es sich um einen kleineren, hellen Falben mit einer Laterne handelte. Er kam ihr bekannt vor... Sie blickte zu den anderen und dann wieder in den Wald. Woher kannte sie... Ja! Es war einer der Hengste, die sie belauscht hatte. Als sie über Scar Sayero gesprochen hatten. Aber was machte er alleine um diese Zeit mitten im Wald? Die Stute blickte erneut zwischen den anderen Pferden und den Wald hin und her. Sie konnte sich einfach nicht konzentrieren. Die Angst vor dem Wasser ließ sie an nichts anderes denken. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und schüttelte den Kopf.
Dann fiel ihr auf, dass der Krieger der eigentlich hinter ihr laufen sollte mittlerweile mehr in der Mitte der Gruppe lief. Sie war nun die letzte. Ein Blick nach hinten ließ sie vergewissern, dass sich wirklich niemand mehr hinter ihr befand. Unruhig wanderten ihre Augen über den Boden. Der Falbe war mittlerweile fast im Schatten verschwunden. Ihre Gedanken rasten ungeordnet durch ihren Kopf. Ihr Herz schlug ihr bis in den Hals, die hörte das Pulsieren in ihren Ohren. Mit einem verzweifelten schnauben ging sie sicher, dass gerade niemand zu ihr nach hinten blickte. Mit einem Mal scherte sie aus und verschwand zwischen den Bäumen. Ohne wirklich über das nachzudenken was sie tat.
Intuitiv hetzte sie so leise wie möglich dem Falben hinterher. Ein letzter Blick über die Schulter, versicherte ihr, dass die anderen ungestört weitergingen. Sie hatten also nicht bemerkt wie sie verschwunden war. Und je weiter sie sich vom Weg entfernete und tiefer in den Wald begab, desto ruhiger wurde ihr Puls. In ihrem ganzen Körper ließ die Anspannung nach, auch wenn sie nicht ganz verging. Sie veränderte sich, die konzentrierte Kraft sorgte nun nicht mehr für zitternde Beine, sondern dafür, dass jeder Schritt behutsam gesetzt wurde. Mit dem größten Bemühen kein einziges Geräusch zu verursachen. Denn nun war Nyria dem Falben auf den Hufen. Sobald sie ihn wieder gut zwischen den Bäumen erkennen konnte, verlangsamte sie ihr Tempo. Vorsichtig trabte sie im Schatten der Bäume, behutsam setzte sie ihre Schritte. Sie beherrschte das lautlose Verfolgen seit sie ein Fohlen war. Damals hatte es über Leben und Tod entscheiden können. Ihre Konzentration lag voll und ganz auf den Hengst und ihrer Umgebung. Die Ausbildung, den Fluss und ihre Flucht und die damit verbundenen Folgen hatte sie für den Moment komplett aus ihren Gedanken verbannt.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
