Das Licht des halben Mondes brachte den frisch gefallenen Schnee zum schimmern und verlieh der kalten Nacht etwas mystisches. Nyrias Atem verwandelte sich vor ihren Nüstern in kleine Wölkchen. Die Tage waren schon frostig, doch sobald die Sonne den Himmel verließ, fühlte sich jeder Atemzug an, als würden sich tausende kleine Nadeln in die Lunge bohren. Außer den knirschenden Schritten der fünf Pferde um Nyria war nichts zu hören. Der schwarze Wald lag still und eingefroren da. Wenige Baumlängen hinter dem Waldrand begann bereits der tote Wald.
Die Stute seufzte. Sie war müde und ihre Hufe fast durchgefroren. Und den anderen ging es wohl nicht besser. Im Gegensatz zu ihrem Leiter, trotten sie mit hängendem Kopf und halb geschlossenen Augen vor sich hin. Es war bereits das dritte Mal in Folge, in der sie die Nachtpatroullie begleiteten, doch Nyria hatte sich noch immer nicht an die ungewöhnliche Zeit gewöhnt. Ihr gefiel das Praktikum wirklich sehr, immerhin war es ein Blick in ihre - hoffentliche - Zukunft. Aber auf diesen Teil könnte sie gut verzichten. Sie ließ sich gerde von einem Pferd neben ihr zum Gähnen anstecken, als ein Schrei die Stille der Nacht zerriss.
Urplötzlich waren alle Pferde hellwach und hoben den Kopf. Nyria drehte die Ohren aufmerksam nach vorne und lauschte. Stille. Dann ein weiterer Schrei, der zwar noch weiter entfernt klang, aber dafür panischer war.
"Folgt mir!", rief Serr Helaro im Befehlston, der die Patroullie führte. Er galoppierte an und preschte in halsbrecherischen Tempo durch die Dunkelheit, sodass die kleine Öllampe die er trug fast zu erlischen drohte.
Nyria und die anderem folgtem ihm, wirbelten mit ihren Hufen den Schnee auf, mitten in die Dunkelheit.
Bevor man die ersten Häuser langsam in der Ferne erkennen konnte, stieg bereits der Geruch von verkohlten Holz in die Nüstern der Stute. Gleißend hell leckten in der Ferne orange leuchtende Flammen in den schwarzen Nachthimmel. Immer mehr Häuser wurden sichtbar and zusammen mit ihnen auch immer mehr Schreie hörbar. Als sie das erste Haus erreicht hatten und hielten, konnte Nyria über ein Dutzend Pferde panisch durcheinander rennen sehen. Sie suchten Schutz den Häusern dir noch nicht in Brand standen. Das knacken der verkohlten Balken, die das Gesicht der Gemäuer nicht mehr tragen könnten erfüllten die Stille zwischen den Schreien. Unerbitterlich fraß sich das Feuer ohne Halt durch Holz. Und dann huschte plötzlich etwas schwarzes vor dem leuchtend Feuer vorbei. Es bewegte sich anders als ein Pferd. Nyrias Puls beschleunigte sich. Nie in ihrem Leben könnte sie vergessen was das dort war. Dieses Dorf wurde von Schattenwölfen verwüstet. Sie waren es, die die Bewohner in Angst und Schrecken versetzten.
Als Serr Helaro plötzlich anhielt sah Nyria um was es sich handelte. Schattenwölfe.
"Aber wie...", sagte Sir Helaro entsetzt, für einen Moment blickte er wie erstarrt auf das Chaos vor ihm. Dann schüttelte er den Kopf und fing sich wieder. "Also! Schützt die Dorfbewohner! Bringt sie von dem brennenden Häusern weg und verjagt diese Biester! Und los!", mit diesem Befehl stürzte sich ihr Leiter in das Getümmel. Die anderen Patrpullienmitglieder taten es ihm gleich, stürmten an Nyria vorbei und verteilten sich im Dorf.
Die Stute jedoch blieb wie erstarrt an ihrem Platz. Ihr Herz schlug in ungesundem Tempo. Diese Bestien hatten sie bereits einmal fast das Leben gekostet und sie legte keinen Wert darauf, ihr Glück noch einmal auf die Probe zu stellen. Und so starrte sie wie in Trance auf den Kampf, der vor ihr tobte. Einer der Schattenwölfe tauchte urplötzlich aus der Dunkelheit auf und sprang auf ein Pferd, sodass es zu Boden gerissen wurde. Ein markerschütternder Schrei löste sich aus der Kehle des Pferdes. Ein zweites Pferd wurde so auf das Geschehen aufmerksam und stieß mit einem heftigen Tritt den Schattenwolf zur Seite. Doch das Pferd lag bereits reglos in einer rot glänzenden Lache am Boden. Obwohl es direkt vor ihr passierte, fühlte es sich unendlich weit weg an. Unwillkürlich machte Nyria einige Schritte nach hinten. Ihr Atem ging Stoßweise und ihr Herz hämmerte bis hoch in ihren Kopf. Sie schluckte, doch ihr Hals war wie zugeschnürt. Eine Stute rannte humpelnd an ihr vorbei, sodass Nyria erschrocken einige Schritte zur Seite taumelte. Eines ihrer Hinterbeine blutete heftig. Hektisch sah Nyria sich um. Ein Schattenwolf folgte der Stute und jagte nur wenige Hufe an Nyria dem Blutgeruch hinterher.
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Nyria - Kriegerin der Garde
AdventureHunger. Gewalt. Hass. Mit all diesen Dingen und noch mehr hat Nyria schon seit ihrer Geburt zu kämpfen. Die junge Stute lebt als Streunerin in der Untersten der sechs Stände, die es im Königreich Catea gibt. Doch dieses Leben wird immer schwerer und...
