Kapitel 49

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Erschrocken sog Nyria die Luft ein und riss ihren Kopf nach oben. Sie fand sich in einem Raum wieder, der ganz danach aussah als würde hier jemand Wohnen, der ernsthafte Probleme mit seiner Ordentlichkeit hatte. Überall standen kleine Fläschchen herum und Behälter mit den unterschiedlichsten Inhalten. Einige Regalbretter schienen der Last schon fast nicht mehr gewachsen zu sein, so durchgebogen waren sie unter dem Gewicht. Auf einer Seite brannte ein kleines Feuer im Kamin, das den Raum mit dem angenehmen Duft von Kiefern erfüllte. Die Stute selbst lag auf einem großen dunkelbraunen Fell, das allerdings schon fast unter den anderen Stoffen und Kleidungsstücken am Boden unter zu gehen drohte.

Alles wirkte so friedlich und ruhig. Aber dennoch begann sich Nyrias Puls unwillkürlich zu steigern. Nicht, weil sie noch immer keine Ahnung hatte wo genau sie war. Aber langsam kamen dumpfe Erinnerungen an das zurück, was geschehen war. Die Schattenwölfe die sie zu Boden gerissen hatten. Deren Krallen und Zähne tiefe Furchen in ihrem Fleisch hinterlassen hatten. Ihre Wunden! Sofort blickte Nyria verwundert an sich nach unten. Sie hatte keine Schmerzen. Und nach kurzer Betrachtung ihres  Fells konnte sie auch nicht mehr als einige Kratzer ausmachen. Dabei hätte sie schwören können kurz vor dem Tod gewesen zu sein... sie erinnerte sich daran, dass sie den Bestien ihre Flanke präsentiert hatte, um sie abzulenken und dem Fohlen eine Chance zur Flucht zu geben. Ob das Fohlen es geschafft hatte? Sie selbst errinerte sich nur noch am Boden gelegen zu haben, ab da verschwammen ihre Gedanken in einem blauem Nebel. Die Stute schüttelte energisch den Kopf. Wenn alles gut war, konnte sie diese unangenehmen Erinnerungen getrost aus ihrem Kopf verbannen. Nun musste sie sich erst einmal auf anderweitige Dinge konzentrieren.

Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte hiefte sie sich auf ihre Beine. Für ein kurzen Moment durchzog ein Schwindelgefühl ihren Kopf, bis der Gleichgewichtssinn die rotierende Welt um sie herum wieder zum stehen brachte. Nyria schaute sich nach einer Türe um und fand sie fast komplett verdeckt zwischen einem Kleiderständer und einem überfüllten Regal, an dem unzählige getrockneten Kräuter aufgehangen waren. Mit einem Kopfschütteln öffnete sie vorsichtig die Türe und kniff die Augen zusammen, als ihr die Sonne entgegenstrahlte. Die Stute trat hinaus in die Kälte, ihr Fell stellte sich auf und ein kurzes Zittern durchfuhr ihren Körper. Wie lange musste die geschlafen haben, wenn jetzt schon hellichter Tag war? Als ihre Augen sich an das Licht gewöhnt hatten konnte sie erkennen wo sie war. Oder es zumindest erraten. Viel hatte sie in der Hektik und Dunkelheit gestern nicht vom Dorf gesehen. Aber sie war sich sicher, dass sie noch immer hier war. Als Nyria ein paar Schritte ging konnte sie auch die einzelnen Überreste verbrannter Häuser sehen, die wie schwarze Sekelette aus dem Boden ragten.

Die Stute musterte die Verwüstung und bemerkte den braunen Hengst, der auf sie zukam daher erst als er schon fast vor ihr stand.
"Es freut mich das du aufgewacht bist!", sagte er fröhlich, "Mein Name ist Januk."
Nun wurden plötzlich auch ein paar andere Pferde auf sie aufmerksam und lächelten ihr entgegen, einige begannen zu tuscheln. Verwirrt blickte Nyria ihnen entgegen, aber der Braune schob die Stute bereits vorsichtig weiter.
"Wir hatten schon Angst, das du nicht mehr aufwachen würdest. Immerhin hast du jetzt zwei Tage durchgeschlafen... Aber unser Heiler hat uns versichert das du es schaffen würdest.", er lächelte weiter, wie als wäre das gerade ein Witz gewesen. Verwirrt blieb Nyria stehen, setzte an etwas zu sagen, würde aber von Januk jäh unterbrochen.
"Oh ja und dein Aufpasser... Sir Qo... Qu...? Quoro! Ja genau. Der treibt such hier auch noch irgendwo rum, hat ebenfalls darauf gewartet das du aufwachst.", endete er mit einem breiten Grinsen.
"Zwei Tage?", fragte Nyria noch immer ungläubig. Januk, der gerade noch vor ihr gelaufen war blieb nun auch stehen und drehte sich zu ihr um.
"Ja wir waren alle sehr erleichtert das es nicht länger gedauert hat... du hattest wirklich Glück", er lächelte noch immer. Langsam Verstand die Roanstute gar nichts mehr. Und sein Lächeln ging ihr langsam auf den Geist. Sie hätte nie gedacht, das es Pferde gab, die es schafften noch fröhlicher zu sein als Naur.
"Was?"
"Du erinnerst dich wirklich nicht mehr?", er legte verwundert den Kopf schief.  Nyria schüttelte den Kopf, woraufhin er zu einer Erklärung ausholte.

Nyria - Kriegerin der Garde Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt