Kapitel 32

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"Und dann hat Serr Keyora sich diesen Vorlauten Hengst raus genommen und dann... Ha! Hat sie ihm gezeigt das eine Stute genau so hart treffen kann wie ein Hengst!", mit großen Augen erzählte Naur Elana und den anderen von seiner ersten Unterrichtsstunde. Er war im Kampf ohne Waffen gelehrt worden, im Gegensatz zu den anderen drei, die allesamt zum Überlebenstraining eingeteilt worden waren.

Nyria lag auf ihrer Liege, den Kopf entspannt auf dem Stroh abgelegt und lauschte den Berichten der anderen. Obwohl sie sich wünschte ebenfalls etwas interessanteres gemacht zu haben, als eine einzige Geschichte 500 Mal zu lesen, war sie so zufrieden wie schon lange nicht mehr. Denn es war das erste mal seit einer Ewigkeit, dass sie satt war und ein Dach über dem Kopf hatte. Nach dem Unterricht waren alle in den Speisesaal geführt worden. Es war ein angenehmes Gefühl, sich sein Essen nicht erst einmal klauen zu müssen.
Außerdem war sie hier, hier in dieser Ausbildung. Sie hatte es wirklich geschafft.

"Nyria!", holte Aldan sie zurück aus ihren Gedanken, "was habt ihr denn so gemacht?"
Die Stute atmete tief durch und hob den Kopf. "Wir haben die Entstehungsgeschichte Mitäas gelesen.", antwortete sie nüchtern.
"Und? War das etwas alles?", schnaubte Alerias.
Nyria fixierte ihn.
"Ja. Wir sollen die Geschichte verinnerlichen, da Glaube etwas sehr wichtiges ist. Daher haben wir sie die ganze Zeit immer wieder durchgelesen."
"Haha! Glaube! Natürlich... wenn jemand mit einem Schwert auf dich zurennt, dann hilft dir diese dumme Geschichte auch nicht weiter!"

Nyria seufzte leise und legte sich wieder hin. Alerias war nicht gerade der Zurückhaltenste. Wenn es nach ihm ginge, würde er alle Feinde Cateas sofort niedermetzeln... Aber sie wollte mit ihm keine Probleme, also erwiderte sie einfach nichts, so war es einfacher.

Elena stand plötzlich auf und legte sich neben Nyria.
"Nimm es ihm nicht übel. Ihm fehlt manchmal einfach das Wissen, wann er lieber den Mund halten sollte.", sagte sie belustigt.
"Ach das... stört mich wenig. Er muss das ja auch noch irgendwann machen.", erwiderte Nyria mit einem Blick zu dem Falbhengst.
"Und du kommst genauso auch aus dem Theorieunterricht raus.", Elanas Blick machte Nyria klar, dass sie gemerkt hatte, wie gerne Nyria das gleiche wie die anderen gemacht hätte.
"Es liegt bestimmt auch an deiner Wunde. Damit kannst du dich ja gar nicht richtig belasten."
Nyria nickte.
"Wenigstens hast du dann morgen keinen Muskel-"

Drei aufeinanderfolgende, laute Glockenschläge schnitten der Fuchsstute das Wort ab. Es war das Zeichen, dass die Nachtruhe begann. Diese und zahlreiche andere Regeln waren ihnen im Speisesaal vor dem Mahl klar gemacht worden.
"Nun dann... bis morgen.", mit diesen Worten stand Elana auf und verabschiedete sich.
Naur legte sich auf den Schlafplatz neben Nyria, wünschte ihr eine gute Nacht und bereits wenige Minuten später ging sein Atem ruhig und regelmäßig.
Und auch Nyria hatte an diesem Abend keine Probleme damit einzuschlafen.

Nyria - Kriegerin der Garde Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt