„Morwen!" Jemand rüttelte die Elbin sanft an der Schulter. „Morwen, wach auf!"
Grummelnd öffnete Morwen ihre Augen und blickte in Tauriels Gesicht.
„Ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr aufwachen", sagte Tauriel und Morwen bemerkte, dass ihre Freundin besorgt klang.
„Wie lange habe ich geschlafen?", erkundigte sich Morwen, denn sie bemerkte, dass die Sonne anscheinend bereits unterging.
„Fast drei Tage." Tauriel klang angespannt. „Du hast dich auf unserer Reise vollkommen überanstrengt, Morwen. All diese Ritte bei Nacht, du hättest dich öfter ausruhen sollen. Sogar Herr Elrond hat sich Sorgen um dich gemacht."
Schlagartig wurde Morwen hellwach und richtete sich auf. „Elrond war hier?", fragte sie alarmiert.
Tauriel sah sie verwirrt an. „Natürlich", antwortete sie, „schließlich bist du sein Gast und er scheint sich sehr verantwortlich für dich zu fühlen. Er hat fast stündlich nachgesehen, ob du endlich wach bist, aber er hat mir verboten, dich aufzuwecken. Er meinte, dass du den Schlaf nötig hast."
Elrond hat sich Sorgen um mich gemacht? Jetzt war Morwen völlig verwirrt. Das kann doch nicht sein, er weiß ganz bestimmt, wer ich bin.
„Und noch etwas, Morwen."
Morwen blickte Tauriel an. „Was denn?", fragte sie.
„Herr Elrond kennt deinen Namen. Ich habe ihm nicht gesagt, wie du heißt, aber er wusste es trotzdem." Tauriel klang verwundert. „Du hast doch gesagt, du warst noch nie in Imladris."
„Das war ich auch noch nie." Morwen seufzte leise.
„Herr Elrond sagte, dass ich ihn holen soll, sobald du wach bist. Stört es dich, wenn ich dich einen Moment allein lasse?"
„Das ist kein Problem." Morwens Blick wanderte zum Fenster. „Ich muss ohnehin nachdenken."
„Aber du darfst noch nicht aufstehen", schärfte Tauriel ihr ein, „sonst überanstrengst du dich nur. Ich bringe dir auch etwas zu essen mit, du musst ja halb verhungert sein."
„Danke, Tauriel." Morwen nickte ihrer Freundin zu und Tauriel verließ den Raum.
Und was soll ich nun tun? Ich kann doch nicht einfach warten, bis Elrond mich hier findet. Frustriert sah Morwen sich nach ihrem Schwert um, doch sie konnte es nirgends entdecken. Hoffentlich geht es wenigstens Dûr gut. Gedankenverloren begann sie, mit ihrem Ring zu spielen. Vielleicht könnte ich aus dem Fenster klettern, überlegte Morwen, und sobald ich Imladris verlassen habe, rufe ich Dûr zu mir und wir verschwinden von hier.
Langsam schob sie die Bettdecke zurück und bemerkte wenig begeistert, dass irgendjemand sie in ein zartblaues Nachthemd gekleidet hatte. Und wo ist meine alte Kleidung?
Als Morwen sich hinstellte, wurde sie kurz von einem leichten Schwindelgefühl gepackt und sie stützte sich an der Wand neben ihr ab. Langsam, mit noch etwas unsicheren Schritten ging sie auf den hohen Schrank zu, um nach ihren Sachen zu suchen. Doch als sie die Türen öffnete, erblickte sie nichts als lange Kleider in den verschiedensten Farben. Das darf doch einfach nicht wahr sein. Wie soll ich denn in so einem Kleid reiten? Man kann darin doch kaum laufen.
Genervt suchte Morwen nach einem möglichst dunklen Kleid, denn in ihrem hellen Nachthemd fühlte sie sich reichlich unwohl. Schließlich fiel ihr ein dunkelgrünes Kleid ins Auge und sie nahm es aus dem Schrank heraus. Der Stoff schien - soweit sie es beurteilen konnte - recht widerstandsfähig zu sein und die Farbe gefiel Morwen. Schnell tauschte sie das blaue Nachthemd gegen dieses Kleid und gleich fühlte sie sich wieder ein wenig wohler.
Doch wo sie auch nachsah, Nachtklinge war nirgendwo zu finden. Dann werde ich wohl einen Ork um ein neues Schwert bitten müssen, ärgerte Morwen sich, und dabei hatte ich Nachtklinge so gern.
Mit wenigen Schritten ging sie nun durch den Raum und warf einen Blick aus dem Fenster. Der Boden war nicht so tief unter ihr, wie Morwen befürchtet hatte und sie überlegte gerade, wie sie in ihrem langen Kleid aus dem Fenster klettern sollte, als sie Schritte vernahm, die sich rasch näherten.
So viel also zu meinem Plan. Morwen seufzte leise. Sie warf noch einen bedauernden Blick aus dem Fenster, doch die Zeit würde ihr wohl nicht reichen, um zu verschwinden. Frustriert ging Morwen wieder zu ihrem Bett und setzte sich hin, da ihr vom vielen Stehen doch wieder schwindelig geworden war.
Und was soll ich jetzt Elrond sagen? Nervös drehte sie ihren Ring an ihrem Finger. Ich wünschte, ich hätte Dol Guldur nie verlassen. Ich hätte niemals so nah an ein Elbenreich kommen dürfen, ich hätte wissen müssen, dass das nicht gutgehen kann.
Während Morwen diese und noch viele andereGedanken durch den Kopf schossen, ertönte ein leises Knarren und aus demAugenwinkel sah sie, wie die Tür aufschwang.
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Morwen, Tochter Saurons
FanfictionNachdem ihr Vater Sauron durch Galadriels Macht aus seinem kurzzeitigen Zuhause Dol Guldur vertrieben wurde, ist Morwen allein. Sie muss lernen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden und nach Möglichkeit geheimzuhalten, wer sie wirklich ist. Ab...
