Mir kam gerade die Idee, dass ich doch eigentlich mal eine Lesenacht mit 3-5 Kapiteln veranstalten könnte. Was haltet ihr davon? Und welchen Wochentag fändet ihr so am besten?
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Morwen hörte das Feuer noch bevor sie es sehen konnte. Das leise Knistern, das sie in Dol Guldur häufig vernommen hatte, weckte Erinnerungen an die glückliche Zeit, bevor ihr Vater verschwunden war. Ada sagte stets, wie gut ihm meine Augen im Feuerschein gefielen. Und nun sind sie es, die mich in Gefahr bringen könnten.
Als die Elbin den Bereich erreicht hatte, den das Feuer erhellte, blickte sie zu Boden, bis sie sich auf einem der kurzen Holzstämme niederließ, die rund um die Feuerstelle verteilt lagen. Turgil saß ihr beinahe gegenüber, während Aragorn sich links und Legolas rechts neben ihr befand.
„Hattet Ihr Schwierigkeiten auf der Reise hierher?", fragte Aragorn Legolas über Morwens Kopf hinweg.
„Als ich allein vom Erebor aufbrach, bin ich immer wieder auf herumstreifende Orks gestoßen, denen es gelungen war, die Schlacht zu überleben." Er blickte fragend von Aragorn zu Turgil. „Wisst ihr denn überhaupt von der Schlacht?", erkundigte er sich bei den Dúnedain.
Turgil nickte. „Man nennt sie mittlerweile die „Schlacht der fünf Heere"", antwortete er, „und es heißt, sie sei ein strategisch wichtiger Sieg gewesen. Manche behaupten, die Orks hätten auf Saurons Befehl hin angegriffen, man munkelt, er sei zurückgekehrt."
Wie kann diese Nachricht so schnell hierher gelangen? Wie es scheint, weiß bereits ganz Mittelerde von adas Rückkehr. Dabei wollte er doch genau das vermeiden, bis er den Einen Ring wiedergefunden haben würde. Morwen zwang sich, einen neutralen Gesichtsausdruck aufzusetzen und die anderen aufmerksam anzusehen.
Legolas blickte Turgil besorgt an. „Das hielt ich bisher nur für ein Gerücht. Hast du schon davon gehört, Morwen?"
Das darf doch nun wirklich nicht wahr sein. „Ich habe davon gehört", erwiderte Morwen vorsichtig, „aber wer weiß schon, wie viel Wahrheit in Gerüchten steckt?"
Aragorn nickte. „Damit habt Ihr vollkommen recht, Morwen."
„Könnten wir nicht „Du" sagen?" Die formelle Anrede war Morwen ein wenig unbehaglich, zumal die beiden Waldläufer mit Sicherheit deutlich jünger waren als sie selbst.
Turgil wechselte einen fragenden Blick mit Aragorn. Morwen war überrascht darüber, dass er die Entscheidung allein Aragorn zu überlassen schien. Aragorn scheint der geborene Anführer zu sein.
„Ich würde mich Morwen gern anschließen", sagte Legolas, bevor Aragorn oder Turgil etwas sagen konnten.
„Das ist eine große Ehre." Aragorn war sichtlich erstaunt. „Aber wenn ihr das beide wünscht, nehmen wir dieses Angebot sehr gerne an.
Morwen lächelte, ohne zu weit aufzublicken. Sie wusste, welches Aussehen ihre Augen mittlerweile angenommen haben mussten. In Gedanken rief sie nach Dûr, doch sie wusste, dass sie die Kunst, in Gedanken zu anderen Wesen zu sprechen, noch nie besonders gut beherrscht hatte. Ihr Vater hatte sie darin unterrichtet, doch es war Morwen fast nie gelungen. Hätte ich mich doch nur mehr angestrengt, diese Kunst zu erlernen.
„Und als Ihr... als du dich weiter vom Erebor entferntest?", knüpfte Aragorn geschickt an die vorherige Unterhaltung an.
„Im Westen waren seltener Orks unterwegs", erzählte Legolas weiter, „und seit ich Morwen begegnet bin, habe ich keinen von ihnen mehr gesehen."
„Vermutlich haben sie Angst vor der Wargin", warf Aragorn mit einem Schmunzeln ein.
Er hat sich tatsächlich gemerkt, dass es eine Wargin ist. Morwen war erstaunt.
„Morwen?", sprach Turgil sie sanft an, „geht es dir gut? Du siehst die ganze Zeit zu Boden, als ob du lieber an einem anderen Ort wärst."
Ich hätte mich niemals in die Nähe eines Dúnedain begeben sollen. Schon gar nicht in eine ihrer Siedlungen.
„Es geht mir gut." Morwen hielt ihren Blick weiterhin auf den Boden gerichtet. Sie spürte förmlich, wie nun auch Aragorns und Legolas' Blick auf ihr ruhten.
„Das ist nicht wahr, das wissen wir beide." Legolas' Stimme klang mitfühlend. „Sieh mich an, Morwen. Was immer es auch ist, wir helfen dir, so gut wir können."
Nein. Morwen spürte Nachtklinge an ihrer Seite, doch sie wusste, dass sie einen Kampf gegen drei gewiss geschickte Kämpfer niemals würde gewinnen können. Aber eines Tages musste das ja geschehen.
Langsam hob Morwen Blick und sah Legolas. Seine Augen weiteten sich. „Deine Augen, sie haben sich verändert." Dann spannte er sich sichtlich an, während Aragorn und Turgil verwirrte Blicke tauschten.
Wird er mich angreifen?
„Mein Vater hat mich vieles gelehrt und einmal war ich auch in Imladris, wo Elrond mich lehrte." Legolas sprach leise und Morwen vernahm in seiner Stimme eine Kälte, die sie nie zuvor in ihr gehört hatte. „Und es gibt nur ein einzige Elbin, deren Augen sich auf diese Weise verändern, wenn das Licht des Feuers auf sie fällt. Oder sollte ich besser „Halbelbin" sagen? Denn dein Vater ist gewiss kein Elb."
„Habe ich jemals versucht, dir zu schaden, Legolas." Die Worte entschlüpften Morwen, bevor sie sie zurückhalten konnte.
„Das gehört alles zu seinem Plan, nicht wahr. Er will Aragorn ebenfalls finden. Doch er wird nicht erfahren, wo er ihn finden kann. Nicht von dir." Mit einer schnellen Bewegung zog Legolas seine beiden Kampfmesser.
Sofort sprang Morwen auf und zog instinktiv ebenfalls ihr Schwert. Ich wollte ihm nie wehtun, aber ich werde mich verteidigen.
Aragorn hielt Legolas fest. „Was tust du?"
Morwen nutzte den Moment, um sich langsam näher zum Waldrand zu bewegen.
„Willst du wissen, wer sie ist?" Legolas' Stimme war gefährlich ruhig. „Wer ihr Vater ist?"
Morwen spürte, dass Legolas abgelenkt war und zog sich ein wenig schneller zurück.
„Wer immer er ist, was macht dich so sicher, dass Morwen Böses im Schilde führt?", fragte Aragorn verständnislos.
„Sie ist Saurons Tochter."
Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Während Morwen sich umdrehte und in den Wald rannte, schienen Aragorn und Turgil wie erstarrt.
„Das kann doch nicht sein." Morwen hörte noch, dass Turgil seine Stimme zuerst wiederfand.
„Ihre Augen haben sie verraten." Erst jetzt schien Legolas zu bemerken, dass sie verschwunden war. „Wir müssen sie wiederfinden!"
Morwen hörte Schritte und zwang sich, noch schneller zu laufen. Nachtklinge hing längst wieder an ihrer Seite, denn ihr Vater hatte sie gelehrt, niemals mit einer Waffe in der Hand zu rennen, wie es seine Orks ständig taten.
In welche Richtung sie sich nun wenden sollte, wusste Morwen nicht. Oh Dûr, hilf mir!
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Morwen, Tochter Saurons
FanfictionNachdem ihr Vater Sauron durch Galadriels Macht aus seinem kurzzeitigen Zuhause Dol Guldur vertrieben wurde, ist Morwen allein. Sie muss lernen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden und nach Möglichkeit geheimzuhalten, wer sie wirklich ist. Ab...
