Kapitel 28 - Legolas

710 43 3
                                        

Erleichtert ließ Legolas die letzten Ausläufer des Gebirges hinter sich. Die Stille hoch in den Bergen hatte ihn unruhig gemacht, denn so gab es nichts außer seinen eigenen Gedanken, mit dem er sich hätte beschäftigen können. Je eher ich ada berichten kann, dass Sauron tatsächlich eine Tochter hat, desto besser. Er wird etwas unternehmen müssen, bevor sie zur Gefahr für unser ganzes Volk wird.

Er seufzte leise. Und doch – ich bin gerne mit ihr gereist. Hätte ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen, würde ich es nicht glauben. Sie schien ein gutes Herz zu haben. Doch all das war nur Täuschung.

So genau er auch hinsah, noch konnte er seine Heimat nicht am Horizont ausmachen. Aber das Pferd, dass Herr Elrond mir geliehen hat, wäre niemals über die Berge gekommen. Ich werde also bis zum Eryn Galen laufen müssen und wertvolle Tage verlieren.

Legolas' Gedanken wurden durch leise Stimmen unterbrochen, die sich von allen Seiten zu nähern schienen. Der Prinz verstand ihre Worte zwar nicht, doch den Klang erkannte er sofort. Orks! Ausgerechnet jetzt.

In einer fließenden Bewegung zog Legolas seine beiden Kampfmesser. Er blickte sich suchend um, doch auf der Grasfläche gab es nichts, was ihm Deckung bieten konnte. Ein perfekter Ort für einen Angriff.

Die Sonne stand bereits tief am Horizont, sodass Legolas nicht daran zweifelte, dass seine Feinde ihn jederzeit angreifen würden. Doch noch war nichts zu sehen.

Einen Moment lang überlegte er, ob er nicht lieber seinen Bogen zur Hand nehmen sollte, als sich in einigen Metern Entfernung rund um ihn herum mindestens ein Dutzend Orks aus dem hohen Gras erhob. Der Elb kniff die Augen zusammen. Das haben sie niemals selbst koordiniert, so intelligent sind Orks nicht.

Weiter kam er nicht, denn nun hatten die Orks ihn erreicht. Seine Messer glänzten im Licht der untergehenden Sonne tiefrot, während sie blitzschnell auf die Feinde des Elben niederfuhren. Erst fiel einer der Orks, dann ein zweiter und ein dritter. Keinen Moment verharrte Legolas an derselben Stelle, denn er wollte nicht riskieren, dass sich ein Ork von hinten an ihn heranschleichen könnte.

Doch als er gerade in ein Gefecht mit mehreren Orks zugleich verwickelt war, spürte er plötzlich kaltes, hartes Metall an seiner Kehle, während ihn kräftige Arme festhielten.

„Wirf deine Waffen weg, Elb", zischte ihm ein Ork ins Ohr, während nun auch die verbliebenen Orks ihre Waffen auf den Elbenprinzen richteten.

Ist das jetzt das Ende? Widerstrebend löste Legolas den Griff um die Waffen, die ihm schon so oft das Leben gerettet hatten.

„Es ist dein Glück, dass unser Herr dich lebend will", zischte der Ork. Dann rief er einem anderen Ork etwas in einer Sprache zu, die Legolas nicht verstand. Doch als zwei Orks seine Arme hinter seine Rücken zusammendrückten und ein weiterer ein festes Seil darum schlang, wusste Legolas, wie der Befehl gelautet haben musste.

„Und jetzt wirst du mit uns kommen. Unser Herr wird sehr zufrieden mit uns sein."

Und wenn sie mich nun als Druckmittelgegen ada einsetzen wollen? Ich muss irgendwie verschwinden. Aber wie? Zunächst wehrte Legolas sich noch gegen jeden Schritt, doch er merkte schnell, dass dies zwecklos war. Seine Messer ebenso wie den Bogen und die Pfeile trug einer der Orks bei sich und ohne Waffen würde er es niemals bis zu seiner Heimat schaffen. Jetzt bleibt mir nur noch, auf die Valar zu vertrauen, dass sie mir Hilfe senden.

Morwen, Tochter SauronsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt