Kapitel 27

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„Herrin? Ihr müsst aufwachen." Jemand rüttelte sanft an Morwens Schulter.

Verschlafen blinzelte Morwen. Ein ausgesprochen kleiner Ork stand neben ihrem Bett.

„Es ist schon beinahe Mittag, Herrin. Der Mund Saurons erwartet Euch", drängte der Ork.

Ich habe so lange geschlafen. Morwen konnte es kaum glauben. Eilig stand sie auf und bemerkte erfreut, dass man ihr frische Kleider zurechtgelegt hatte.

„Warte draußen auf mich", wies sie den Ork an, „ich komme gleich nach."

Der Ork verneigte sich tief, verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Morwen war erleichtert, ihre von der langen Reise recht mitgenommene Kleidung endlich ablegen zu können. Auf dem Stapel befand sich Kleidung, wie sie sie ausgesprochen gerne trug: ein Waffenrock aus schwarzem Leder, eine ebenso schwarze Hose und schwarze Stiefel. Auch Nachtklinge band Morwen sich um, denn sie wusste, dass Orks nur diejenigen wirklich respektierten, die eine Waffe trugen. Schnell ordnete sie ihre langen Haare noch ein wenig, dann ging sie zur Tür. Ich bin wirklich gespannt, wohin ada mich schicken wird.

Vor der Tür wartete bereits der kleine Ork, der sie zuvor geweckt hatte. „Folgt mir, Herrin."

Viele Treppen führte er sie nun hinauf, bis er schließlich vor einer schmalen Tür stehenblieb. „Dort werdet Ihr erwartet. Mir ist der Zutritt nicht gestattet."

Morwen nickte, dann trat sie zur Tür und öffnete sie langsam.

Sofort wurde der Gang, in dem sie noch stand, von hellem, orangerotem Licht erhellt, sodass sie einen Moment lang ihre Augen zusammenkniff, bevor sie sich umsehen konnte.

Sie befand sich auf dem Dach des hohen Turmes, doch den dunklen Himmel konnte sie nicht erkennen. Denn dieser wurde vom Licht eines riesigen Auges, das aus Flammen zu bestehen schien, überstrahlt. Unwillkürlich ließ Morwen sich auf ein Knie sinken und neigte den Kopf. „Ada", flüsterte sie nur.

„Mein Gebieter bittet Euch, Euch wieder zu erheben." Sofort erkannte Morwen die Stimme des Mundes Saurons. „Es besteht keine Notwendigkeit, dass Ihr als seine Tochter vor ihm kniet."

Langsam erhob sich Morwen wieder.

„Mein Herr ist erleichtert, Euch lebendig wiederzusehen. Eure lange Abwesenheit ließ uns schon das Schlimmste befürchten", fing der Mund Saurons wieder an zu sprechen, „doch es ist nicht wichtig, was Ihr in dieser Zeit getan habt. Dass Ihr hier seid, beweist, dass mein Gebieter sich noch immer auf Eure Treue verlassen kann. Und das ist wichtiger denn je, denn er hat einen Auftrag für Euch: Ihr sollt nach Minas Tirith, Edoras und in den Eryn Galen reisen und herausfinden, ob jemand plant, unser Land anzugreifen. Nach Imladris und Lothlórien können wir Euch leider nicht schicken, denn dort würdet Ihr erkannt werden und Euch somit in Gefahr begeben."

Im Eryn Galen werde ich auch erkannt werden. Aber wenn ich erzähle, dass ich mit dem Prinzen gereist bin, werden sie an meiner Treue ada gegenüber zweifeln.

Morwen nickte langsam. „Ich werde bald wieder hier sein."

„Reist zuerst in den Eryn Galen. Die Elben stellen die größte Gefahr für uns dar, denn sie sind nicht so feige wie die Menschen."

Die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe, waren alles andere als feige. Morwen unterdrückte einen Seufzer.

„Wann soll ich aufbrechen?", fragte sie nach einer kurzen Pause und war stolz, dass sich keinerlei Zweifel in ihre Stimme schlich.

„Sowie Eure Wargin von der Jagd zurückkehrt."

Morwen, Tochter SauronsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt