Bereits nach kurzer Zeit wurde es dunkel, doch das störte Morwen nicht. Schon immer hatte sie die Nacht geliebt; außerdem konnte sie bei fast völliger Finsternis noch viele Dinge erkennen. Außerdem wusste sie, dass auch Dûr bei Nacht sehr gut sehen konnte und sie so vor jeder Gefahr gewarnt werden würde.
Zu Morwens großer Erleichterung schien Dûr die Verletzung tatsächlich nicht mehr zu spüren, denn die Wargin bewegte sich mit schnellen, gleichmäßigen Schritten vorwärts. Noch immer verspürte sie Wut auf die Elben, die auf Dûr geschossen hatten, doch sie wusste, dass sie im Moment nichts gegen diese ausrichten konnte. Eines Tages werden sie dafür bezahlen, schwor sie sich.
Manchmal konnte Morwen in der Dunkelheit kleine Gruppen von Orks erkennen, denen sie jedoch keine weitere Beachtung schenkte. Hilfe konnte sie nur wenig erwarten, denn sie wusste, dass alle von ihnen Aufträge zu erledigen hatten; und ihr war ebenfalls völlig klar, dass kein Ork es jemals wagen würde, sie anzugreifen. Einige schienen sie zu erkennen, denn sie verneigten sich kurz, die meisten jedoch würdigten sie kaum eines Blickes.
Der Ritt durch die Nacht kam Morwen wie eine Ewigkeit vor, doch nach vielen Stunden bemerkte sie einen rötlichen Schimmer am Horizont. Suchend sah sie sich um, konnte jedoch keinen Ort entdecken, an dem sie den Tag verbringen könnte. Eigentlich sollte ich mich sowieso beeilen, schoss es ihr durch den Kopf, schließlich weiß ich nicht, wie lange der Weg noch ist und Zeit habe ich nicht besonders viel. Sie seufzte leise und entschied sich, so lange wie möglich weiterzureisen, auch wenn weder Dûr noch sie den Tag besonders schätzten.
Schon bald begann Morwen, ihren Entschluss zu bereuen. Noch nie hatte sie solch eine Helligkeit gesehen, die Sonne schien heiß auf ihren Rücken und erwärmte ihre schwarze Kleidung. Auch Dûr schien sich nicht wohlzufühlen, denn immer häufiger knurrte sie leise. Als sie schließlich ein kleines Wäldchen entdeckte, war Morwen sehr erleichtert. Schnell ritt sie dorthin und genoss den Schatten, den ihr die Bäume spendeten. Während Dûr jagen ging, erfrischte sich Morwen an einem kleinen Bach. Danach blickte sie sich um und betrachtete ihre Umgebung genau. Dieser Wald wirkte ganz anders als der Düsterwald, er sah freundlich aus und war doch dunkel genug, dass er Morwen gut gefiel. Am Rande einer kleinen Lichtung erblickte sie ein großes Moospolster, das nach dem langen Ritt verlockend weich aussah. Ich werde mich nur solange ausruhen, bis Dûr zurückkommt, dachte sie und legte sich hin. In der Ferne hörte sie einen Vogel singen und war erstaunt, wie schön seine Melodien klangen. Morwen schloss die Augen, um die Geräusche der Umgebung besser wahrnehmen zu können, und als Dûr wenig später von der Jagd zurückkehrte, fand sie ihre Freundin tief schlafend vor.
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Morwen, Tochter Saurons
FanfictionNachdem ihr Vater Sauron durch Galadriels Macht aus seinem kurzzeitigen Zuhause Dol Guldur vertrieben wurde, ist Morwen allein. Sie muss lernen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden und nach Möglichkeit geheimzuhalten, wer sie wirklich ist. Ab...
