Kapitel 39

508 26 5
                                        

60 Jahre später

„Morwen, hilf mir." Schnell versteckte Lalia sich hinter der Elbin. „Der böse Troll will mich fressen."

Morwen unterdrückte ein Schmunzeln, während sie ihren Blick zu Odo gleiten ließ, der nun hinter seiner zweiten Schwester, Miranda, herlief. Es gibt so viele schöne Orte in Mittelerde, aber im Auenland bin ich nach Imladris am liebsten. Hier scheint die Zeit einfach stillzustehen.

„Lalia! Du belästigst Morwen hoffentlich nicht." Donnamira Boffin steckte ihren Kopf durch die Tür und warf ihrer jüngsten Tochter einen Blick zu, der nur halb so streng gemeint war, wie er zu sein schien.

„Keine Sorge." Morwen schenkte der Hobbit-Frau ein herzliches Lächeln. „Sie darf sich gern hinter mir verstecken. Mit Trollen ist nicht zu spaßen."

Donnamira verdrehte nur die Augen. „Seit Bilbo angefangen hat, den Kindern seine Geschichten zu erzählen, gibt es in jeder Familie kleine Trolle." Ein liebevoller Ausdruck glitt über ihr Gesicht, während sie Odo nachsah, der noch immer seine Schwester verfolgte.

„Morwen? Hast du schon mal einen Troll gesehen?", wollte Lalia plötzlich wissen.

„Zum Glück nur aus weiter Entfernung", antwortete Morwen leise. Ich fand Trolle schon als Kind unheimlich, erinnerte sie sich plötzlich, einmal kam einer von ihnen nahe an Dol Guldur heran. Damals hat ada mich in den Arm genommen und beruhigt. Ehe ihre Erinnerungen sie überwältigen konnten, schüttelte Morwen diesen Gedanken ab.

„Mama? Darf Morwen auch auf Bilbos Geburtstagsfeier mitkommen?", erkundigte Lalia sich plötzlich.

„Natürlich." Donnamira blickte Morwen freundlich an. „Jeder ist eingeladen. Es wird ein großes Feuerwerk geben, habe ich gehört."

Morwen blickte Lalia an. „Wenn du mir den Weg zeigst, komme ich gern. Aber allein könnte ich mich verlaufen."

„Keine Angst, Morwen, ich passe auf dich auf", strahlte das Mädchen.

„Das ist lieb von dir." Morwen schenkte Lalia ein warmes Lächeln. „Aber ich glaube, jetzt musst du erst mal deine Schwester vor dem bösen Troll beschützen." Sie drehte Lalia herum, sodass diese Miranda sehen konnte, die mittlerweile von Odo eingeholt worden war.

„Das mache ich, Morwen." Das Mädchen strahlte Morwen noch einmal an, dann sauste sie davon zu ihren Geschwistern.

Lächelnd ließ Morwen sich auf einer der kleinen Mauern nieder, die von der Sonne angenehm aufgewärmt worden war.

Es tut so gut, Zeit mit diesen Kindern zu verbringen. Die letzten Jahre waren nicht immer leicht, aber ich weiß, dass ich mich richtig entschieden habe. Ich habe zum ersten Mal wirkliche Freunde gefunden. Elladan und sein Bruder haben mir unendlich viel beigebracht, genau wie Elrond. Ihm und Mithrandir habe ich es zu verdanken, dass ich meine Heilkraft nun viel besser einsetzen kann als früher. Ich wünschte nur, ich hätte damit auch Dûr schützen können. Morwen seufzte leise. Sie hatte ein schönes und langes Leben. Aber sie fehlt mir noch immer so sehr.

Langsam ließ sie ihren Blick zu der nachtschwarzen Stute gleiten, die am Rand der Wiese graste. Mornië hatte sie sie genannt, denn ihr Fell war ebenso dunkel wie Dûrs es gewesen war. Aber es ist nicht dasselbe. Ich wünschte, ich könnte eines Tages wieder auf einer Wargin reiten. Wie lange habe ich mich doch dagegen gewehrt, ein eigenes Pferd zu haben. Doch hätte ich Legolas' Geschenk niemals ablehnen können. Legolas. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf Morwens Gesicht, trotz der traurigen Gedanken über ihre alte Freundin. Es ist immer wunderschön, ihn zu sehen.

Klappernde Hufe und das leise Rattern von Rädern rissen Morwen au ihren Gedanken. Ihre Augen begannen zu glänzen, als sie die grau gekleidete Gestalt auf dem kleinen Wagen erkannte. „Mithrandir. Seid mir gegrüßt."

Der Zauberer hielt seinen Wagen an. „Ihr haltet Euch noch immer gern im Auenland auf", stellte er schmunzelnd fest, „es ist schön, dass es Euch gut geht."

„Ich fühle mich hier so wohl. Es ist friedlich und wunderschön. Die Hobbits haben großes Glück, dieses Land zu haben."

„Das stimmt." Gandalf nickte langsam und Morwen ließ ihren Blick neugierig über den Wagen gleiten.

„Also werdet Ihr wohl für das große Feuerwerk verantwortlich sein", stellte sie mit einem Lächeln fest.

„Genau so ist es. Werdet Ihr ebenfalls da sein?", erkundigte Gandalf sich.

„Lalia wird mir nicht erlauben, die Feier zu verpassen." Morwen musste lachen. „Sie ist ein liebes Kind."

„Ich freue mich, dass Ihr hier seid. Wir sehen uns heute Abend, ich werde jetzt nach Bilbo sehen."

„Tut das. Ich bin sehr gespannt auf Euer berühmtes Feuerwerk. Die Kinder sprechen seit Tagen von nichts anderem mehr." Morwen nickte Gandalf zu, der die Bewegung erwiderte, bevor er seinen Wagen wieder in Bewegung setzte.

Morwen blickte ihm nachdenklich hinterher. Bilbo Beutlin. Ein netter Mann. Und so ungewöhnlich alt. So sehr ich ihn auch schätze, irgendetwas bereitet mir in seiner Gegenwart Kopfschmerzen. Irgendetwas seltsam vertrautes. Wenn ich nur wüsste, was es ist.

Morwen, Tochter SauronsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt