Morwen nickte langsam, doch einen Moment lang spürte sie Unsicherheit in sich aufsteigen. Dann jedoch schon sie alle Zweifel beiseite. Ganz egal, was ich tue, adas Vertrauen werde ich nie vollständig zurückerlangen können.
"Du wartest auf mein Zeichen", ordnete Elladan leise an, "ich werde einen kleinen Bogen gehen, dann können wir die Orks von beiden Seiten überraschen."
Morwen nickte erneut. Während Elladan leise davonging, zog sie Nachtklinge und prüfte vorsichtig die Schärfe ihres Schwertes. Ein zufriedenes Lächeln wanderte über ihr Gesicht. Ob dieses Schwert überhaupt stumpf werden kann? Dann jedoch erschauderte sie. Ich habe noch nie jemanden getötet, wurde ihr plötzlich klar.
~ 2 Jahre zuvor~
"Du weißt, was du zu tun hast." Saurons Stimme klang schärfer als Morwen es gewohnt war.
Unsicher wandte das Mädchen seinen Blick zu dem Ork, der vor ihr auf dem Boden kniete.
"Worauf wartest du?" Morwen hörte die Ungeduld in der Stimme ihres Vaters. "Er ist ein Feigling, er hat es nicht verdient, weiterzuleben."
Morwen spürte, dass ihre Hand anfing zu zittern. Sie sah dem Ork fest in die Augen. Als sie die Angst in seinen Augen erkannte, wurde ihr eiskalt. "Ich kann nicht", hauchte sie kaum hörbar.
~ ~ ~ ~ ~
Morwens Aufmerksamkeit wurde wieder auf die Gegenwart gelenkt, als sie einen leisen Pfiff hörte, den man im Gesang der Vögel leicht überhören konnte. Irgendetwas sagte ihr jedoch, dass es Elladan gewesen war und so schlich sie lautlos näher an die Orks heran.
Bald konnte sie durch die Bäume auf eine kleine Lichtung spähen, auf der sie fünf Orks entdecken konnte. Zwischen den ihr gegenüberliegenden Bäumen konnte sie einen Moment lang etwas silbern aufblitzen sehen, was ihr verriet, dass Elladan sich bereits auf seiner Position befand.
Jetzt ist es also so weit. Morwen schloss ihre Augen und atmete tief durch. Ohne, dass sie darüber nachdachte, wanderte ihre linke Hand zu Tauriels Halskette, die sie seit ihrem Abschied von der anderen Elbin nicht abgelegt hatte.
Ein lautes Rascheln gefolgt von Befehlen und Flüchen in der Sprache der Orks verrieten Morwen, dass Elladan angegriffen hatte. Ein deutlicheres Zeichen hätte er mir kaum geben können. Bevor sie die Gelegenheit hatte, ihre Handlung noch einmal zu überdenken, schob sie sich zwischen den Büschen hindurch auf die Lichtung.
Es dauerte einen Moment, bis der erste Ork sie entdeckte.
„Da ist noch ein Elbenweib", hörte sie einen von ihnen rufen.
„Ganz genau", zischte sie auf Orkisch zurück und griff den Ork an, der am nächsten bei ihr stand. Dieser war so verwirrt, dass sie in seiner Sprache geantwortet hatte, dass der Angriff ihn vollkommen überraschte. Auch die anderen Orks schienen abgelenkt zu sein und aus dem Augenwinkel bemerkte Morwen, wie einer der beiden Orks, die gerade mit Elladan kämpften, zu Boden fiel.
Mit einem lauten Klirren wurde Nachtklinge aufgehalten, kurz bevor das Schwert sein Ziel getroffen hätte. Sofort zog Morwen ihr Schwert zurück, um einen Gegenschlag abwehren zu können. Dieser war jedoch schwächer als sie erwartet hatte. Ada hat mich anscheinend gut trainiert.
Schnell hatte Morwen den Ork in die Defensive gedrängt. Nur am Rande bemerkte sie, dass ein zweiter durch Elladans Schwert fiel. Immer schneller wurden Morwens Bewegungen, bis sie plötzlich spürte, dass Nachtklinge nicht auf ein anderes Schwert traf. Einen Moment lang weiteten sich ihre Augen, während schwarzes Blut aus der Wunde floss, die sie dem Ork zugefügt hatte, dann wurden seine Augen langsam trüb und er fiel zu Boden.
„Morwen, pass auf!" Gerade noch rechtzeitig hörte sie Elladans Ruf und duckte sich instinktiv. Als sie hörte, dass der Ork etwas strauchelte, wirbelte sie herum. Der überraschte Ork hatte keine Gelegenheit, Nachtklinge aufzuhalten, bevor das Schwert seinen Hals traf.
Im selben Moment, in dem der Ork – der letzte der fünf – zu Boden fiel, hatte Morwen plötzlich das Gefühl als hätte jede Kraft sie verlassen. Ihre Finger öffneten sich und mit einem leisen Klirren landete Nachtklinge auf dem Boden.
„Morwen." Elladan kam auf sie zu. „Morwen, ist alles in Ordnung?"
Sie nickte schwach. Ich habe getötet. Nur langsam konnte sie ihren Blick von den toten Orks abwenden.
„Du kämpfst ziemlich gut", lobte Elladan sie.
„Mein Vater hat es mir beigebracht." Morwen bemühte sich um einen neutralen Tonfall. „Er war es auch, der mir Nachtklinge geschenkt hat." Sie ging in die Knie und wischte ihr Schwert am langen Gras sauber.
Elladan nickte langsam. „Wir sollte zurückkehren."
Morwen kniff ihre Augen zusammen, während sie sich wieder erhob. „Du klingst, als hättest du Schmerzen", bemerkte sie.
„Ein Ork hat mich erwischt", gab Elladan wenig begeistert zu, „aber mein Vater wird sich darum kümmern."
Ich könnte das viel schneller. Morwen zögerte kurz. „Zeig mir deine Wunde", bat sie dann leise.
Elladan blickte sie fragend an, hob dann aber seinen linken Arm. „Sie ist nicht besonders tief", erklärte er, „das Schwert hat mich nur gestreift."
Morwen nickte und betrachtete die Verletzung. Das sollte kein Problem sein. „Halt bitte still", sagte sie.
Elladan sah sie verwundert an, widersprach jedoch nicht. Langsam schloss Morwen ihre Augen und stellte sich vor, wie silberne Schleier die Wunde langsam verheilen ließen. Es kostete sie etwas mehr Kraft, als sie erwartet hatte, doch noch bevor sie ihre Augen öffnete, wusste sie, dass es ihr gelungen war.
„Wie?" Elladan schienen die Worte zu fehlen.
Morwen lächelte leicht. „Hattest du nicht gesagt, dass wir zurückreiten sollten?"
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Morwen, Tochter Saurons
FanfictionNachdem ihr Vater Sauron durch Galadriels Macht aus seinem kurzzeitigen Zuhause Dol Guldur vertrieben wurde, ist Morwen allein. Sie muss lernen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden und nach Möglichkeit geheimzuhalten, wer sie wirklich ist. Ab...
