Morwen blinzelte. Wo bin ich? Wohin hat Dûr mich gebracht? Dann jedoch erinnerte sie sich daran, dass sie sich gewünscht hatte, noch einmal einen Blick auf das große Meer zu werfen, das sie von Tauriel trennte.
Obwohl Morwen die Küste noch nicht erreicht hatte, konnte sie in der Ferne bereits das silberne Schimmern der endlos scheinenden Wasserfläche erkennen. Bist du glücklich dort, wo du jetzt bist, Tauriel? Wird dieses Land dabei helfen, die Wunden zu heilen, die Kílis Tod verursacht haben?
Langsam ließ sich Morwen von Dûrs Rücken gleiten. Die letzten Meter wollte sie selbst gehen, nachdem sie sich nun im Schlaf von den Anstrengungen der vergangenen Nacht erholt hatte.
Vor Morwen, am Fuße der Klippe, auf der sie stand, erstreckten sich die hell schimmernden Wellen des Meeres. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Hier wirkt alles so friedlich. Wenn es doch nur überall so schön wäre.
„Du musst nur der Küste nach Süden folgen", schien eine Stimme zu flüstern, „dort kannst du ein Schiff nach Valinor besteigen. Du wirst Tauriel wiedersehen und deine Mutter ebenfalls."
Wenn die Valar mir jemals Zutritt zu ihrem Land gewähren sollten. Morwen seufzte. Gedankenverloren strich sie über Dûrs weiches Fell und lehnte sich ein wenig an die Wargin, die neben sie getreten war. Ich könnte sie niemals mitnehmen. Traurigkeit schlich sich in Morwens Herz. Ich glaube nicht, dass ich jemals nach Valinor segeln werde. Es ist meine Pflicht, zu meinem Vater zurückzukehren. Er würde es nicht gutheißen, dass ich von Frieden träume. Seine Welt ist die Welt des Krieges. So war es schon immer. Schon als ich noch ganz jung war, wollte er mich die Grundlagen der Kriegsführung lehren und wies die ranghöchsten Orks an, mir das Kämpfen beizubringen. Manchmal hat er mich sogar selbst trainiert. Die Bilder ihrer Erinnerung schienen sich im Wasser widerzuspiegeln.
~ etwa 20 Jahre zuvor ~
„Du musst schneller werden, Morwen." Das Mädchen konnte die Unzufriedenheit spüren, die von ihrem Vater ausging.
„Aber das Schwert ist furchtbar schwer, ada", protestierte sie, „ich muss es in beiden Händen halten.
Sauron seufzte. „Wenn du ein Schwert mit zwei Händen führst, wirst du nie schnell genug sein, um in einem echten Kampf zu bestehen." Er winkte einen der Orks zu sich, der ein Stück entfernt stand und einen Gegenstand in der Hand hielt, der von einem Tuch bedeckt war.
„Eigentlich wollte ich es dir erst zum Geburtstag schenken. Aber ich glaube, dass du es schon jetzt gebrauchen kannst." Sauron reichte seiner Tochter den länglichen Gegenstand und Morwen zog neugierig das Tuch weg.
„Ein eigenes Schwert!" Das Mädchen strahlte. „Es ist wunderschön."
„Ich habe es nur für dich anfertigen lassen." Stolz blickte Sauron auf seine Tochter hinab.
„Es sieht so anders aus als die Schwerter, die die Orks bei sich tragen." Morwen warf einen vernichtenden Blick auf das Schwert, mit dem sie bisher trainiert hatte. „Hat es einen Namen?"
Sauron schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Aber ich hätte schon eine Idee."
„Wirklich? Welche denn, ada?"
„Nachtklinge." Zufriedenheit klang in Saurons Stimme mit und Morwen nickte lächelnd.
„Noch ist es ein wenig zu lang für dich, doch eines Tages wird die Länge perfekt zu dir passen. Und ich glaube, dass du es schon jetzt mit einer Hand führen kannst." Von einem Ork ließ Sauron sich sein eigenes Schwert reichen. „Mal sehen, ob du mit Nachtklinge ein wenig schneller bist. Komm schon, Morwen, greif mich an."
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Vorsichtig strich Morwen über den silbernen Griff ihres Schwertes. Es sieht ein wenig so aus wie die Schwerter der Elben. Woher ada es wohl hatte? Noch eine Frage, die ich ihm unbedingt stellen muss. Nachdenklich ließ Morwen ihren Blick über das Wasser wandern. Ich sollte aufbrechen. In Mordor werde ich ada finden.
„Bist du sicher, dass du das willst?", schien erneut eine Stimme zu flüstern, „ein Leben voller Kämpfe, fernab aller, die Freunde für dich werden könnten? Fernab von deinem Volk?"
Die Elben sind nicht mein Volk. Und Dûr ist die einzige Freundin, die ich brauche. Morwen kniff die Augen zusammen. Warum nur scheint diese Stimme mich zu rufen?
Von der Seite erhielt sie einen leichten Stoß. Dûr schien allmählich ungeduldig zu werden.
„Du kannst es bestimmt kaum abwarten, endlich nach Mordor zu reisen, nicht wahr, Dûr." Ein Lächeln stahl sich auf Morwens Lippen. „Ich freue mich doch auch."
Die Wargin knurrte leise.
Das hieß bestimmt „Beeil dich", überlegte Morwen amüsiert. Dann seufzte sie. „Du hast ja recht, Dûr. Ada macht sich bestimmt furchtbare Sorgen um uns. Wir sollten aufbrechen."
DU LIEST GERADE
Morwen, Tochter Saurons
FanfictionNachdem ihr Vater Sauron durch Galadriels Macht aus seinem kurzzeitigen Zuhause Dol Guldur vertrieben wurde, ist Morwen allein. Sie muss lernen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden und nach Möglichkeit geheimzuhalten, wer sie wirklich ist. Ab...
