Kapitel 43

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„Ach Mornië." Morwen schmiegte sich an das weiche Fell der schwarzen Stute. „Was soll ich nur tun?"

Mornië schnaubte leise.

Sie ist lieb, aber sie wird mich nie so verstehen wie Dûr es getan hat. Sie versucht mich zu trösten, aber sie kann mir nicht helfen. Sie kann nichts tun, um mir meine Entscheidung zu erleichtern.

Morwen seufzte leise. Wenn ich Elronds Bitte ablehne, werde ich sie alle verlieren. Ich würde mich damit auf adas Seite stellen. Sie würden nicht sehen, dass ich anders bin als er, wenn ich versuche, ihn zu schützen. Aber wenn ich tue, was Elrond möchte, werde ich schuld daran sein, dass er für immer fort sein wird. Ich werde ihn verlieren. Ich werde keine Gelegenheit mehr haben, mich mit ihm zu versöhnen. Doch würde das jemals gelingen?

Mornië ließ plötzlich ein warnendes Schnauben hören und Morwen spitzte die Ohren. Tatsächlich hörte sie ein Stück entfernt Hufe auf den Boden schlagen, die langsam näherkamen. Dann hörte sie die Rufe.

„Morwen! Morwen, wo bist du?"

Elladan sucht nach mir? Ob sein Vater ihn schickt?

„Morwen? Antworte mir doch!" Als wolle es Elladan unterstützen, wieherte sein Pferd, dessen Namen Morwen nicht kannte, laut. Und zu Morwens Ärger antwortete Mornië ebenso laut. Das hätte Dûr nie getan. Sie wäre ruhig geblieben.

Elladan kam in Sichtweite. „Da bist du ja, Morwen." Erleichterung stand in seinen Augen.

„Hat Elrond dich geschickt, damit du mich überzeugst, das zu tun, was er gern möchte?", fragte sie misstrauisch.

Elladan ließ sich vom Rücken seines Pferdes gleiten und ging auf Morwen zu.

„Nein, das hat er nicht. Ich habe mir Sorgen gemacht, weil du nicht zurückgekommen bist."

Morwen entspannte sich ein wenig, blieb jedoch still.

„Mein Vater sollte das nicht von dir verlangen", murmelte Elladan und Morwen meinte, ein wenig Ärger in seiner Stimme zu hören, „er muss doch verstehen, was das für dich bedeutet. Es ist nicht richtig, von dir zu verlangen, denen zu helfen, die deinen Vater vernichten wollen."

„Obwohl ich genau weiß, dass er mich tot sehen will", murmelte Morwen bedrückt.

„Wie immer du dich entscheidest, ich werde dich unterstützen, Morwen", versprach Elladan und Morwen lächelte erleichtert.

„Ich danke dir, Elladan." Vielleicht hat Elrond recht. Ich weiß, dass mein Vater mich nicht verschonen würde. Und ich weiß, dass er mein Zögern als Schwäche bezeichnen würde.

„Komm mit mir zurück nach Imladris, Morwen. Ich kenne einen Weg, auf dem uns niemand bemerken wird. Niemand wir dich zu einer Entscheidung drängen."

Ich weiß, was ich zu tun habe. Plötzlich war Morwen sich sicher, was ihre Aufgabe war. Ob die Valar doch auf mich blicken und mir eine Aufgabe zugedacht haben? Eine Aufgabe, nach deren Abschluss ich vielleicht sogar nach Valinor fahren darf? Zu meiner Mutter. Und zu Tauriel.

„Nein, Elladan", erwiderte Morwen, nun vollkommen ruhig, „es besteht kein Grund, dass ich mich unbemerkt zurück nach Imladris schleiche. Ich habe mich entschieden. Ich bin die Einzige, die den Ringträger sicher durch Mordor führen kann. Und das werde ich tun. Für meine Mutter. Sie hätte das so gewollt."

Morwen, Tochter SauronsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt