Sobald ich früher zu Hause getanzt habe, fühlte ich mich frei. Wenn ich Ärger in der Schule hatte oder Streit mit einer Freundin, dann hat das Tanzen mich immer wieder aufgebaut. Aber hier hab ich das Gefühl überall in eine Sackgasse zu laufen. Ich tanze weiter, aber ich fühle mich dabei wie angekettet. So als wäre die Ballettstange der Riegel von meiner Zelle.
Ich beobachtete wie das Auto, in dem Christian saß vor der Academy parkte. Der Leiter stieg aus und redete auf den Jungen ein. Ich hatte mich noch kein einziges Mal mit Christian unterhalten. Doch vermutlich musste ich das auch gar nicht. Er machte nicht den Eindruck als wolle er Freunde finden. Auch wenn ich mir sicher war, dass er womöglich nur diese Ausstrahlung hatte. Gedankenverloren folgte ich Tara und Kat. Kat erzählte uns gerade von ihrer neuen Mitbewohnerin. Vorher musste sie sich ein Zimmer mit Sammy teilen, da es scheinbar einen Fehler in der Verwaltung gab. “Es ist als würde meine Mitbewohnerin im Kleiderschrank alte Käsebrötchen aufbewahren. Es müffelt bei uns im Zimmer so widerlich. Das ist manchmal zum Kotzen.“ Lachend schüttelte ich den Kopf und blickte dann zu Tara, die gedankenverloren Ethan und einem Mädchen hinterher schaute. “Tara.“, sagte ich, woraufhin diese aus ihren Gedanken hoch schreckte und uns fragend ansah. “Die neue Zimmergenossin. Ich glaube sie sammelt Stinkmorcheln. Jedenfalls wohn ich geruchsmäßig in der Hölle.“, erklärte Kat wieder.
“Tja, jetzt vermisst du mich.“, sagte Sammy belustigt, als er zu uns kam. “Wenn wir doch nur ein Zimmer hätten.“, seufzte Tara. Ich nahm es ihr nicht übel. Schließlich teilte sie sich ihres mit Abigail. Das musste auch nicht einfach sein.
“Wir beide? Aww Tara jetzt bin ich gerührt.“, grinste Kat und hakte sich bei Tara ein.
“Fragt doch einfach Abigail, ob sie nicht das Zimmer tauschen möchte.“, schlug ich vor und zeigte auf die Perfektionistin.
“Ja, sie will dich doch bestimnt auch loswerden.“, stimmte Sammy mir zu. Kat sah uns an.
“Ich wette um zehn Mäuse, dass sie nein sagt.“
“Komm Abigail, lass uns die Zimmer tauschen. Denk wenigstens drüber nach.“, bettelte Tara. Wir liefen schon eine Weile hinter Abigail her wie ein Rudel Hunde.
“Ich denke nach. Nein.“, sagte sie frech und ging dann.
“Rück schon raus.“, drängte Kat und ich ärgerte mich darüber,dass ich gerade tatsächlich zehn Dollar verloren hatte.
“Sicherer Stand in der fünften.“, befahl Miss Raine. Niemand weigerte sich auch nur eine Sekunde ihr zu gehorchen. Manchmal fühlte ich mich wie ein Pferd, dass dressiert wurde. Als ich mich umdrehte, entdeckte ich Christian, der zu Tara an die Stange ging. Beide schienen über etwas zu diskutieren. “Und drittens klingt meine Stimme nicht aufgeregt!“, hörte man Tara plötzlich laut sagen, so dass sie jeder im Raum anschaute und anfing zu lachen. “Stimmt, jetzt fällt es mir wieder ein.“, sagte Christian belustigt. Diese Woche hatte gerade erst angefangen und sie war jetzt schon anstrengend.
“In meinem Kurs verlange ich volle Konzentration.“, sagte Miss Raine streng, als die Stunde zu Ende war. “Aber es war nicht meine Schuld.“, verteidigte Tara sich.
“Tara, ich dachte das wäre geklärt.“
“Ja Miss Raine, das ist es. Ich habe so hart trainiert.“, machte Tara weiter. “Und wieso seh ich dann keine Verbesserung?“ Ich beschloss nichts zu sagen und schaute Tara stattdessen aufmunternd an.
“Das wird schon.“, sagte ich. Doch Tara nahm ihre Sachen und ging. Christian dagegen sah ihr belustigt hinterher. “Was hast du zu ihr gesagt, dass sie sich so aufgeregt hat?“, fragte ich mit verschränkten Armen und hochgezogener Augenbraue. “Nichts. Wir haben nur geplaudert. Aber Sport-BH regt sich gern auf.“ Damit ließ er mich stehen und ging.
“Ich glaube langsam ich darf nie mehr auf Spitze tanzen. Ich bleibe mein Leben lang an der Stange.“, jammerte Tara beim Mittagessen. “In fünfzig Tausend Jahren werden Außerirdische meine Leiche finden und wissen, das war der Loser der Akademie.“ Kat lachte.
“Sie werden sich auch über deine heilen Füße freuen.“, sagte sie. Ich spielte mit dem Strohhalm in meinem Getränk und sah Tara ernst an.
“Du bist kein Loser. Christian hat dich provoziert und du bist ein kleinen wenig ausgetickt. Das kann doch passieren. Außerdem bist du schon viel besser geworden.“, sagte ich.
“Bin ich nicht. Behauptet zumindest Miss Raine.“, erwiderte Tara und stützte ihren Kopf auf ihre Hand.
“Du musst einfach Geduld haben.“, sagte ich aufmunternd.
“Bella die Heilige. Dein Wort in Gottes Ohr.“,sagte Kat und schaute dramatisch zum Himmel. Lachend bewarf ich sie mit meiner Pommes und sah dann zu Ethan, der unsere Aufmerksamkeit erregte.
“Nein,es tut mir leid.“, sagt er zu einem blonden Mädchen. Ich hatte die beiden schon ein paar Mal zusammen gesehen und laut Tara war das seine Freundin.
“Warum denn? Du kannst doch nicht einfach mit mir Schluss machen.“, sagte das Mädchen aufgebracht.
“Es ist nicht deine Schuld. Es liegt an mir. Das Gefühl stimmt zwischen uns nicht.“, erklärte Ethan ihr.
“Ach und was ist das für ein Gefühl?“ Sie nahm das Getränk in ihrer Hand und schüttete es über sein weißes Shirt ehe sie an ihm vorbei ging und bei Kat stehen blieb. “Was ist mit deinem Bruder los? Wieso tut er das?“ Genervt drehte Kat sich zu ihr um und sah sie an. “Du weißt wie die Regeln sind. Deinen Seelenmüll kannst du woanders abladen.“, sagte sie.
“Du würdest mir doch sagen,wenn er eine andere hat oder?“, fragte Ethans Exfreundin. “Bitte Kat,ich muss es wissen. Fragst du ihn für mich?“ Sammy und ich tauschten Blicke und sahen dann zu Tara, die Ethan veträumt anstarrte.
“Vergiss es, Isabelle. Das hast du nun davon.“, zischte Kat.
“Das ist wieder mal so typisch für euch Kamarakovs.“, sagte Isabelle zynisch und stolzierte dann wütend davon. “Ich kann es echt nicht mehr hören.“, murmelte Kat und erhob sich von ihrem Stuhl, um zu gehen.
“Was war denn das?“, fragte ich Tara, als Kat außer Hörweite war und zog eine Augenbraue hoch. “Was?“, fragte sie unschuldig. Sammy und ich fingen an zu lachen.
“Du stehst auf ihn.“, stellte Sammy fest.
“Schwachsinn.“, sagte Tara, griff nach ihrer Tasche und stand auf.
“Tara, lass das ja sein.“, sagte Sammy warnend und erhob sich ebenfalls. Ich trank zu Ende und stand auch auf, um den beiden zu folgen.
“Warum denn?“, fragte Tara.
“Hast du nicht gesehen wie giftig Kat darauf reagiert?“, fragte Sammy sie. “Das würde sie bei mir bestimmt nicht.“, antwortete Tara, doch ich war anderer Meinung. Ich kannte Kat noch nicht lange, aber ich wusste, dass Tara lieber vorsichtig sein sollte. “Da täuscht du dich.“, sagte Sammy und ging dann.
“Wir wären wie Schwestern, sie und ich.“, rief Tara. Belustigt schüttelte ich den Kopf.
“Komm mit.“ Ich packte sie am Arm und zog sie hinter Sammy her.
“Als Mia weggegangen ist...“, fing Sammy an.
“Mia, deine Freundin, die es gar nicht gibt?“, lachte ich, doch Sammy ignorierte es.
“Als sie den Schüleraustausch gemacht hat, da hat jeder über den anderen eine Pro und Contra Liste geschrieben, damit wir uns über unsere Gefühle klar werden.“ Sammy und ich setzten uns auf die Treppe und holten einen Laptop heraus. “Also, Ethan Kamarakov. Fangen wir mit Contra an.“, sagte ich.
“Kat.“, meinte Sammy und tippte es ein.
“Ich glaube nicht, dass es ihr was ausmachen würde.“, unterbrach Tara uns.
“Hat man deutlich bei Isabelle gemerkt.“, entgegnete Sammy sarkastisch.
“Was noch?“, fragte ich an Tara gewandt.
“Vielleicht ist es schlecht für das Training. Ich sollte mich auf das Tanzen konzentrieren.“ Ich nickte. “Klingt vernünftig. Und das gehört an die erste Stelle auf der Liste. Weiter?“ Sammy tippte alles ein, was wir sagten.
“Als ich das erste Mal vor ihm stand war ich so aufgeregt, dass meine Eingeweide rebelliert haben. Mir kams fast hoch.“ Angewidert sah ich sie an.
“Ihh...“, sagte Sammy.
“Eklig.“, stimmte ich zu.
“Und wenn ich ihn sehe, bekomme ich Herzflattern.“, schwärmte Tara. “Herzrhytmusstörungen, du musst mal zum Arzt.“, meinte Sammy während er es eintippte.
“Setz arrogant auf die Liste.“, kam es aus mir raus, woraufhin mich beide verwirrt ansahen. “Was denn? Ich bin ihm auch schon begegnet. Schreib es auf.“ Sammy lachte und schrieb es auf die Liste.
“Und wenn er geht, er sieht sich nie um. Er geht nur gerade aus. Als wüsste er ganz genau, wo er hin will und als würden ihm alle anderen folgen.“ Das war mir bisher nicht aufgefallen, aber die Art wie sie von ihm erzählte war unfassbar süß. Jedoch war es nicht richtig. Auch wenn ich mich fragte, wieso Kat es nicht gefiel, dass die Mädchen sich in Ethan verliebten. Immerhin sah er wirklich gut aus. “Und er duftet nach Weihnachten.“, schwärmte Tara.
“Wie kann man denn nach Weihnachten duften?“, fragte ich irritiert. Tara wollte gerade antworten, doch ich hielt sie auf. “Schon gut, ich erwarte keine Antwort. Das war eine rhetorische Frage.“ Tara verdrehte die Augen. “Gerade haben meine Eingeweide angefangen zu rebellieren.“, meinte Sammy angewidert. Ich konnte es ihm nicht verübeln. “Ich nehm es als Contra.“, sagte er.
“Es ist ein Pro.“, widersprach Tara. “Hey, Leute, ich suche euch schon überall!“, rief Kat uns entgegen und kam auf uns zu.
“Ehrlich, sieht so jemand aus, der mich hasst?“, fragte Tara leise. Wir verdrehten die Augen und sahen dann zu Kat.
“Jetzt wird ein Gang hochgeschaltet.“, murmelte Kat.
“Was ist denn?“, fragte ich.
“Abigail. Es herrscht Krieg. Ab sofort. Das wird sie bereuen.“ In Kats Augen spiegelte sich Rache wieder. Das sah man ganz deutlich.
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Dance Academy
FanficIsabella Johnson lebt in Australien und wird an der renomierten National Academy of Dance angenommen, an der sich ihr Leben ändert. Sie lernt mit ihren Mitschülern nicht nur Ballett, sondern auch Hip-Hop-Dance und Modern Dance. Doch die Freunde müss...
