“War es so schlimm, ja?“, fragte Christian belustigt, als Sammy bedrückt aus dem Büro von Miss Raine kam. Er war durch alle Prüfungen gefallen und wollte die Elternunabhängigkeit unterschreiben lassen, damit er die Unterstützung der Akademie bekam. “Wo ist dein Vater? Ich werde auch mit ihm reden.“, fügte er hinzu.
“Nein, es gab kein Gespräch. Mein Großvater Morry ist gestorben.“, antwortete Sammy niedergeschlagen. Mitfühlend nahm ich ihn in den Arm. “Oh, Sammy. Das tut mir ja so leid.“, sagte ich.
“Ich muss nach Hause fahren. Ich war zuletzt vor sieben Monaten da.“, erklärte er, als ich mich von ihm löste. “Sag uns, wenn wir was tun können.“, schaltete Ben sich ein. Sammy nickte dankend. “Ja, danke.“ Dann ging er an uns vorbei.
“Oh, entschuldigt allerseits. Das ist schon ärgerlich. Alle haben Ferien außer die Prix de Fontayne Sklaven.“, teilte Saskia uns mit und kam in den Raum. “Wir arbeiten heute in der Gruppe, morgen gibt es Einzelunterricht. Ach, Tara? Ich habe die Entscheidung getroffen. Du tanzt das Prelude aus La Sylphide, nicht die roten Schuhe. Wir haben als Akademie einen Ruf zu verlieren.“ Tara sah Saskia entgeistert an.
“Tut mir leid, Tara.“, sagte ich mitfühlend und stellte mich dann in Position. Abigail und ich waren Teil der ersten Gruppe, also tanzten wir. Dabei lief Abigail fast in jemanden rein, aber Saskia sagte nichts dazu. “Grace, beehrst du uns mit deiner Anwesenheit?“, fragte Saskia und sah Grace streng an. Grace entfernte sich von der Stange und ging zur nächsten Gruppe. “Hey, das war neulich Abend echt cool. Wir sollten das bald wiederholen.“, sagte Tara zu Abigail. Sie nickte stumm. “Du, Bella, ich und Grace.“, fügte Tara hinzu.
“Grace spielt mit Voodoo Puppen und du schläfst noch mit deinem Teddybär. Ich würde keine Freundschaftsringe tauschen.“, entgegnete Abigail und entfernte sich von uns. Unsere alte Abigail war wieder da. “Du musst nicht neidisch sein, wie gut sie tanzt. Das hast du überhaupt nicht nötig.“, sagte Tara und ich sah ihr mit offenem Mund hinterher. Abigail schien ebenfalls sprachlos zu sein.
Am nächsten Morgen merkte Tara, dass ihre Ballettschuhe kaputt waren. “Merkürdig, ich dachte, die halten noch eine Weile.“ Verwirrt blickte ich auf Taras Schuhe, die sich völlig verbiegen ließen. “Beim Royal Ballett kriegst du die umsonst. Ein netter kleiner Schuhmacher, der aussieht wie ein Zauberer.“, sagte Grace. Tara stand auf, um sich ein neues Paar zu nehmen, aber die waren ebenfalls kaputt. “Die hier sind ja auch kaputt und ich habe gerade erst die Bänder angenäht.“, erklärte Tara uns.
“Ja, meine auch.“, bemerkte Grace. Beide blickten zu Abigail, dessen Schuhe völlig in Ordnung waren.
“Ich glaube Abigails sind okay.“, sagte Grace spöttisch.
“Moment, meine sind auch okay. Willst du mich auch gleich beschuldigen?“, fragte ich und deutete auf meine heilen Schuhe. “Nein. Ich sage nur, dass Abigail viel für ihren Erfolg tut.“ Irgendetwas stimmte hier doch nicht. Als Saskia in den Raum kam, stellten wir uns an die Wand, während Tara in Raum stehen blieb. “Kann ich bitte etwas später dran sein?“, fragte sie unsicher. “Lass mich nachdenken. Nein.“, antwortete Saskia und verschränkte die Arme vor der Brust.
“Sag ihr, dass die Schuhe kaputt sind.“, sagte ich leise zu Tara, aber sie schüttelte den Kopf und fing an in den kaputten Schuhen zu tanzen, was ein Fehler war. Man sah sofort, dass sie nicht in Ordnung waren. “Ihr anderen, schlaft nicht ein da am Rand. Was lernt ihr daraus?“, fragte Saskia streng. “Abigail?“ Abigail blickte zu Tara.
“Es soll auf Spitze getanzt werden.“, bemerkte sie. Natürlich konnte Tara das nicht, denn ihre Schuhe waren kaputt. “Ja, das fällt irgendwie auf, nicht? Sei nicht so faul, Tara. Wenn du Blasen hast, dann komme mit deinem Gewicht von den Füßen hoch.“ Tara versuchte es, aber es klappte nicht. Sauer schaltete Saskia die Musik aus. “Schätzchen, manche sagen vielleicht du hättest wunderbare Füße, aber sie sind leider nicht sehr stark. Und wenn du in kaputten Schuhen tanzt, kannst du dich verletzen.“, erklärte sie.
“Ich weiß nicht, was damit passiert ist.“, versuchte Tara es.
“Es ist deine Aufgabe vorbereitet zu sein. Isabella, du bist dran.“ Schnell ging ich in die Mitte und stellte mich in Position.
Tara versuchte ihren Eltern am Telefon zu erklären, dass sie neue Tanzschuhe brauchte. Jedoch hatten diese gerade kein Geld, um ihr welche zu kaufen. Enttäuscht legte sie also auf und sah auf den Tisch. “Das wird schon. Ich kann dir welche von mir leihen.“, sagte ich mitfühlend und biss in meinen Müsliriegel.
“Danke.“, sagte Tara und lächelte leicht. Überraschenderweise setzte sich Abigail zu uns an den Tisch und lächelte leicht. “Wieso setzt du dich hier her?“, fragte Tara genervt. Verwirrt sahen Abigail und ich sie an. “Wir wollten doch anbhängen, Tara.“, begann Abigail.
“Alle meine Spitzenschuhe sind kaputt. Und auch die von Grace sind alle kaputt und... ich möchte ja glauben, dass du dich geändert hast, aber...“ Entsetzt sah Abigail sie an. Sie glaubte tatsächlich, dass sie dahinter steckte. “Wieso sollte ich deine Spitzenschuhe kaputt machen? Weil ich vielleicht total verunsichert bin durch dein ödes Solo?“ Abigail war hinterhältig, was die Akademie anging. Aber meiner Meinung nach, hatte sie sich geändert. Sie war immer noch verbittert, aber mittlerweile hatte sie gelernt niemandem zu schaden. “Es ist unglaublich, wie viel Mist ich mir von dir gefallen lasse. Was bist du nur für ein abartiges Ungeheuer!“ Entsetzt sah ich meine Freundin an.
“Tara. Du weißt doch gar nicht, ob sie es wirklich war.“, vereidigte ich Abigail.
“Wer denn sonst? Grace war deine einzige Freundin und jetzt stößt du sie weg.“ Was auch immer sie früher getan hatte, ich glaubte Abigail.
“Ich habe gar nichts gemacht.“, sagte sie.
“Wer würde es sonst tun?“ Abigail sah zu Grace, die mittlerweile an unserem Tisch angekommen war. “Grace auf jeden Fall.“, sagte sie dann ohne zu zögern. “Aber du glaubst mir ja sowieso nicht.“ Sie stellte ihre Schüssel zur Seite.
“Grace ist doch die, die am wenigsten konkurriert und sie würde auch nicht ihre eigenen Schuhe kaputt machen. Also nein, ich glaube dir nicht.“ Es sei denn Grace wollte, dass wir das glaubten. Abigail stand auf und ging. Ich schüttelte enttäuscht den Kopf und ging ebenfalls. Diesmal war Grace zu weit gegangen.
Kat probierte sich diesmal im Moulin Rouge. Sie erzählte mir total begeistert vom Vortanzen und dass sie es tatsächlich geschafft hatte. Ich freute mich riesig für sie, vor allem weil es danach aussah, als würde sie das glücklich machen. Ethan ging an uns vorbei, lächelte mich kurz an und blieb dann stehen, als er Kat erblickte. “Hey, was machst du hier?“, fragte er sie.
“Wusstest du das schon? Der Can Can war früher ein Gesellschaftstanz, beliebt bei der französischen Arbeiterklasse.“ Ethan sah sie skeptisch an. “Du recherchierst das?“ Kat sah auf ihr Handy und aß nebenbei einen Müsliriegel. Ich lachte leicht, als ich Ethans Blick bemerkte. “Dann musst du es ja richtig wollen, huh?“ Kat setzte sich seufzend auf die Bank in der Akademie und sah ihren Bruder an. “Ethan, es ist schrecklich. Ich soll da so einen Persönlichkeitstest machen. So ein Gespräch.“ Lachend lehnte ich mich gegen die Spinde.
“Und ich soll sagen, sei einfach du selbst?“, fragte Ethan.
“Nein, nein. Ich selbst wäre furchtbar. Dann finden die raus, dass ich nichts bin als eine ständige Versagerin und im Tanz eine Schwindlerin.“, erklärte Kat niedergeschlagen. Ethan schwieg. “Du bist ja eine tolle Hilfe.“, sagte ich und verdrehte die Augen. Er lachte leicht und ging dann. “So ein Idiot.“, murmelte ich. Kat sah mich verzweifelt an. Ich wandte langsam meinen Blick von Ethan, nur um in Kats verwirrtes Gesicht zu sehen. “Was?“, fragte ich.
“Ich dachte, da läuft nichts.“, meinte sie.
“Da läuft ja auch nichts.“, antwortete ich Schulter zuckend.
“Ehm, aber ich seh es doch. Hör mal, von meiner Seite ist das okay.“ Skeptisch betrachtete ich sie.
“Bei Tara hast du ein riesen Drama gemacht.“ Kat stellte sich hin und sah mich an. “Ich wusste es. Jetzt hast du es zugegeben.“ Lachend zog ich sie mit. Ich hatte gar nichts zugegeben. Es gab schließlich auch nichts zuzugeben.
Wir hatten Sammy zu der Beerdigung seines Großvaters begleitet, um ihn zu unterstützen. Kat würde nach Paris fliegen und Tänzerin werden. Tara zog zu Grace ins Zimmer und ich zog zu Abigail. Ich wollte sie irgendwie nicht alleine lassen und ich hatte es satt keine Mitbewohnerin mehr zu haben. Abigail war einverstanden und ich hatte das Gefühl, sie würde sich sogar ein wenig freuen. Vielleicht war das ja der Beginn einer neuen Freundschaft.
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Dance Academy
FanfictionIsabella Johnson lebt in Australien und wird an der renomierten National Academy of Dance angenommen, an der sich ihr Leben ändert. Sie lernt mit ihren Mitschülern nicht nur Ballett, sondern auch Hip-Hop-Dance und Modern Dance. Doch die Freunde müss...
