Als ich klein war habe ich einen Welpen adoptiert. Die Mutter war gestorben und ich stand jeden Morgen um fünf auf, um ihm die Flasche zu geben. Ich wusste, was es war seine Mutter zu verlieren. Einmal hatte ich es eilig zum Ballett zu kommen und habe die Hintertür offen gelassen. Als ich nach Hause kam, war der Hund weg. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass wenn man einen Fehler macht, damit für immer leben muss. Ich ging den Gang entlang und entdeckte Tara an ihrem Spind. “Was ist das?“, fragte ich und deutete auf den Zettel in ihrer Hand. “Nichts.“, antwortete sie schnell. Doch ich zog eine Augenbraue nach oben. “Das war in meinem Schrank.“, gab Tara nach und reichte mir den Zettel. Es war das Foto, das alles zerstört hatte. “Das war Kat, ich weiß es genau.“, fügte sie hinzu. Doch das konnte ich nicht glauben.
“Sie ist sicher zur Zeit nicht die Vorsitzende deines Fanclubs, aber sie würde dich nicht einfach...“
“Links liegen lassen und einfach alle meine Entschuldigungen überhören?“,unterbrach sie mich. “Ich denke, irgendwas beschäftigt sie, von dem wir nichts wissen.“, antwortete ich ihr. Tara zerknüllte den Zettel in ihrer Hand. “Ich habe einmal was komplett falsches gemacht und schon hasst sie mich?“ Ich sah sie eindringlich an.
“Was hast du denn erwartet, huh? Ihr Bruder war tabu und du gehst trotzdem mit ihm aus. Und plötzlich hast du auch noch-“,fing ich sauer an, doch Tara unterbrach mich wieder. “Einen anderen, sag's ruhig. Mit Fotobeweis.“, zickte sie und ich sah sie fassungslos an.
“Zieht mich da nicht rein, ja?“, stellte ich klar.
“Hey Bella, komm mal. Ich will dir was erzählen.“, rief Kat fröhlich nach mir.
“Neutral wie die Schweiz.“, spottete Tara. Dann ließ ich sie einfach stehen und ging zu Kat. Der Zeltausflug würde eine Katastrophe werden. Und der Sommernachtstraum würde das alles nicht angenehmer gestalten.
“Also, eine Stunde auspacken und Zelte aufbauen.“, rief Patrick, als wir aus dem Bus ausstiegen.
“Ich weiß nicht. Gibt es hier etwa Braunschlangen?“, fragte Petra uns etwas ängstlich.
“Nein. Viel gefährlicher sind sowieso die Sturzbären, so blutrünstige, fleischfressende Riesenkoalas.“, erklärte Kat. Lachend legte ich eine Hand auf Petras Schulter. “Sie meint das doch nicht ernst Petra.“, sagte ich, als ich ihr entsetztes Gesicht sah. “Drei Personen pro Zelt.“, meinte Patrick.
“Ich möchte gern zu Kat.“, hörte man von Sean und alle lachten.
“Die Jungen zelten hinter dem Hügel.“, sagte Patrick dann.
“Ich würde sagen wir sind dann schon zu dritt.“, flötete Kat fröhlich und hakte sich bei Petra und mir ein. Sie wollte Tara weh tun. Genau wie sie Ethan weh getan hatte. Auch wenn dieser schon wieder mit Isabelle zusammen war, als wäre nie etwas gewesen. Er war eben ein Idiot.
Kat, Petra und ich saßen am Lagerfeuer, als Sean auf uns zukam. “Hast du über uns beide nachgedacht?“, fragte er Kat, die etwas überfordert war. “Ehm“, stammelte sie bis Tara auf uns zukam. In der Hand hielt sie wieder einen der Zettel, den sie auch in ihrem Spind hatte. Sie schien ziemlich sauer zu sein. “Hör auf!“, wies sie Kat zurecht. “Entschuldige mal. Sean und ich unterhalten uns gerade.“ Sauer stand Kat auf und sah Tara an.
“Ist ja klar, dass unsere Freundschaft hin ist, aber hör auf mich damit fertigzumachen.“, schrie Tara sie an. Alle starrten die beiden an und am liebsten hätte ich mich irgendwo in dem blöden Wald verkrochen. Während die beiden sich unglaublich stritten, ging ich einfach weg und zog Sean mit mir. “Sie sieht wunderbar aus, wenn sie wütend ist.“,schwärmte er. Ich konnte nur die Augen verdrehen und zerrte ihn weiter. “Komm jetzt.“
Die Proben liefen gar nicht so schlecht für das Stück. Patrick wollte, dass wir uns in das Stück hineinfühlten und nur deshalb waren wir zelten. Er hoffte darauf, dass uns der Wald inspirieren würde. “Denkt dran, Jungs. Ihr seid beide verliebt in Tara. Um sie streitet ihr euch.“, erinnerte Patrick Christian und Zach daran. “Kat, du merkst was passiert und willst es beenden.“ Kat verdrehte die Augen und zog dann Christian zurück. Diese Szene passte perfekt zur Situation, wie ich fand. Dann zog Kat Tara mit zur Seite, wo sie weiter tanzten und diskutierten. “Ihr Mädchen kommt wieder in die Mitte. Lasst eure Gefühle raus.“,kam es wieder von Patrick und die beiden kamen wieder. Jedoch bezweifelte ich, dass das mit den Gefühlen ein guter Rat war. Plötzlich fingen sie wieder an sich zu streiten. Ehe wir uns versahen, schubste Kat Tara auf den Boden und die beiden kämpften miteinander. “Oh nein.“, murmelte ich und hielt mir die Augen zu. Sie wälzten sich im Schlamm hin und her. Patrick stand auf und zog sie auseinander. “Kat, du wurdest verwarnt. Du bewegst dich auf dünnem Eis. Und Tara, dein Stipendium dient nicht so einem Quatsch. Dein Verhalten enttäuscht mich. So, geht jetzt duschen. Isabella, du begleitest die beiden.“ Ich nickte, stand auf und ging mit ihnen zu den Duschen. “Ihr könnt was erleben...“, murmelte ich vor mich hin und schmiedete einen Plan. Das musste ein Ende haben. “Du hast meinen Geburtstag vergessen.“, meckerte Kat. “Du bist beim Konzert einfach mit Lucas abgehauen.“, konterte Tara.
“Er war mein Freund und du hast ihn einfach schlecht gemacht!“ Ich konnte mir das nicht länger anhören.
“Und wie hat sich dein Freund dir gegenüber verhalten? Ich hatte recht.“ Ich ging auf die Duschen zu und sah beide genervt an.
“Jetzt fang bitte nicht wieder damit an. Mir geht's darum. Als ich dich brauchte, warst du nicht da.“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust. “Und wisst ihr worum es mir geht?“, fragte ich. “Ihr beide geht mir auf die Nerven. Und den anderen auch. Und darum werden eure Sachen konfisziert.“ Ich nahm die Kleidung der beiden Mädchen in die Hände und ging einfach. Ich hörte, wie sie meinen Namen riefen, doch ich ignorierte sie. Es reichte mir ein für alle mal.
Ich war überrascht, als die beiden abends zusammen am Lagerfeuer ankamen. Sie trugen Jungskleidung, die ihnen viel zu groß war und gingen auf Sean zu. Kat tippte ihm auf die Schulter und er drehte sich um. “Kat, du hast meine Sachen an. Das ist fast wie verheiratet.“ Ich hätte kotzen können.
“Es riecht ziemlich nach Scheidung find ich.“, sagte Kat und reichte ihm einen Stapel Zettel. Es waren die Fotos.
“War das 'ne blöde Idee?“, fragte er unsicher. Kat nickte.
“Verbrenn sie.“ Sean legte jeden einzelnen Zettel ins Feuer. Ich habe mir oft gewünscht ich könnte mein Leben so leben wie in Abenteuern, die in Büchern stehen. Und wenn mir eine Geschichte nicht gefällt, kann ich einfach zurückblättern und sie neu schreiben. Im wahren Leben geht das natürlich nicht. Da muss man mit den Konsequenzen seines Fehlers leben. Ich hatte nie wieder einen Welpen. Aber wenig später habe ich die Hunde im Tierheim ausgeführt. Und ich habe immer daran gedacht die Türen zu schließen.
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Dance Academy
FanfictionIsabella Johnson lebt in Australien und wird an der renomierten National Academy of Dance angenommen, an der sich ihr Leben ändert. Sie lernt mit ihren Mitschülern nicht nur Ballett, sondern auch Hip-Hop-Dance und Modern Dance. Doch die Freunde müss...
