Die roten Schuhe

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“Ihr brauchtet mir doch nichts zu schenken.“, sagte Christian leicht lachend. Wir saßen zusammen auf dem Hügel und picknickten während wir Christians Geburtstag feierten.
“Das hab ich auch gesagt. Wir sollten deinen 18. Geburtstag gar nicht beachten.“, sagte Kat und reichte ihm lachend die Tüte mit seinem Geschenk. Vorsichtig zog er die schwarze Lederjacke heraus. “Es ist schrecklich, dass du Motorrad fährst, aber anscheinend ist die am sichersten. Das soll an den Doppelnähten liegen.“, erklärte Tara.
“Das war Sammys Idee. Er hat schon vor einer Ewigkeit dafür gesammelt.“, warf Abigail ein. Ethan reichte mir Christians Motorradführerschein. Beeindruckend betrachtete ich ihn. “Da kann man ja ganz sentimental werden. 18 Jahre. Christian, ich glaube, ich muss weinen.“, sagte ich theatralisch und reichte den Führerschein an Olli weiter. Er lag neben mir und Ethan auf einer Decke. Christian schmunzelte leicht. “Ich habe keine Taschentücher für dich, nur damit du es weißt.“ Lächelnd betrachtete er die Jacke. “Vielen Dank. Das ist toll.“, sagte er dann.
“Und, schon Ferienpläne?“, fragte Ethan und setzte sich etwas auf. “Kann ich euch nach Barcelona locken? Wir lassen auch die Eltern einfliegen.“
“Ohh,die Kamarakov Familie feiert Weihnachten espagnola.“, grinste Kat.
“Ich möchte ja alle, die Lust haben auf die Farm einladen. Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit Europa, aber...“, begann Tara.
“Ich war zwar noch nicht in Spanien, aber die Farm ist was besonderes.“, sprach Christian und lächelte Tara an.
“Können wir uns kurz unterhalten?“, fragte Ben an Tara gewandt. Ich hatte nicht einmal gemerkt,dass er zu uns gestoßen war. Tara stand auf und folgte ihm während wir auf dem Hügel blieben. Christian probierte die Jacke an und ich gab ihm einen Daumen nach oben, als Zeichen, dass sie ihm stand. Sogar ziemlich gut.

Ben nahm den Platz für Sammy beim Prix ein und auch Tara beschloss nun doch teilzunehmen, obwohl sie Miss Raine mitgeteilt hatte, dass sie nicht mitmachen wollte. Abigail und ich begleiteten sie und Ben zum Theater. Doch Tara zögerte. “Weißt du,es ist dein Rachefeldzug. Ich fand meine Entscheidung richtig.“, begann sie nervös.
“Du hast sie bereits national geschlagen und das wirst du jetzt auch.“, widersprach Abigail ihr.
“Nein, sie hat mich damals siegen lassen.“
“Das behauptet sie.“, sagte ich Augen rollend. Grace sprang für jemanden aus einer anderen Ballettschule ein und wollte die roten Schuhe tanzen, nur um Tara zu quälen. “Und du hattest uns noch nicht.“,fügte Abigail hinzu. “Tara, ich beobachte dich seit zwei Jahren. Ich kenne all deine Stärken und deine Schwächen. Jetzt zeige wieder richtig Biss.“ Lächelnd zog ich sie in die Kabine. “Komm mit.“, sagte ich. Drinnen saß Grace auf dem Schminktisch und erzählte den anderen Mädchen von Sammy. “Er war wirklich ein besonderer Kerl. Ich habe seine Eltern angerufen und gesagt, dass ich ihm mein Solo widme.“ Dieses Mädchen war einfach nur hinterhältig.
“Edel von dir.“, sagte ich sarkastisch und funkelte Grace böse an.
“Ich dachte, du hättest dich streichen lassen.“, ignorierte Grace meine Aussage.
“Das stimmt auch.“,sagte Tara selbstsicher. “Nur jetzt bin ich hier.“
Stolz sah ich meine Freundin an.
“Ja, toll. Ohne dich würde es auch nicht so viel Spaß machen.“, grinste Grace. Doch ich wusste, dass sie sich eigentlich Sorgen machte.

Abigail holte schnell Tara, damit sie ihren Auftritt nicht verpasste. Ben stand neben uns. Kurz stockte Tara, tanzte aber schnell weiter. Als sie fertig war, reichte ich ihr eine Flasche Wasser. “Also, ich glaube, es ist keinem aufgefallen.“, versuchte Ben sie zu trösten.
“Die sind nicht blind. Du hast ihr mindestens vier Punkte geschenkt.“, widersprach Abigail.
“Abby hat recht. Autsch.“, sagte Grace und verzog sich dann grinsend.
“Hak es ab. Wir wussten doch, dass sie beim modernen Solo die Bessere sein wird.“, merkte ich an.
“Und sie gewinnt auch morgen mit den roten Schuhen. Du solltest sie sehen.“ Tara ging an uns vorbei. Abigail und ich folgten ihr und beobachteten Grace beim Tanzen. Sie tanzte mit einer Selbstsicherheit, aber sie war eiskalt. “Wieso tanzt du nicht auch das Solo?“, fragte ich. “Die roten Schuhe. Du wolltest es so gerne, du träumst es doch schon.“
“Es bringt Unglück. Letztes Mal habe ich es bei der Vorentscheidung getanzt und Saskia hatte wohl auch recht. Ich war überfordert.“
“Saskia hat gesagt, du hättest nicht genug Lebenserfahrung. Muss ich dir aufzählen, was du durchgemacht hast, dieses Jahr?“, sagte ich mit verschränkten Armen.
“Es gibt eine andere Variation. Nicht die, die Saskia getanzt hat, sondern das Original. Die wär richtig für dich.“, unterstützte Abigail mich. Tara musste einfach gewinnen.

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